Informa­tions- und Unterhaltungsdienste
Internetsüchtige Handy-Junkies

Mobile Internet-Dienste sollen die Kunden locken, ihre Handys häufiger und länger einzuschalten. Mit einer Mischung aus Informa­tions- und Unterhaltungsdiensten wollen die Netzbetreiber ihre Kunden bewegen, mehr Geld fürs Handy auszugeben.

HB DÜSSELDORF. Eigentlich nichts Neues, vor drei Jahren hat die Industrie das gleiche mit dem sogenannten "Wireless Application Protocol", kurz: WAP, schon einmal versucht - und ist grandios gescheitert. Um­ständ­liche Nutzerführung, lange Ladezeiten und kleine Displays auf den Geräten verhinderten, dass WAP ein Erfolg wurde. Jetzt sollen neue Geräte mit verbessertem Bedienkomfort, grösseren Displays und einem permanentem Interzugang über GPRS - und später UMTS - den Durchbruch bringen.

Für die Mobilfunk-Firmen steht viel auf dem Spiel: Nur wenn die Umsätze über solche neuen Dienste kräftig wachsen, können die Telekom-Konzerne ihre UMTS-Schul-den abtragen. Sollte das mobile Internet erneut ein Flop werden, dann sieht es für die Vodafones dieser Welt ganz schlecht aus.

Wer auf die Geschäftspläne schaut, der bekommt den Eindruck, dass sich die Mobilfunk-Strategen schon jetzt verrechnet haben. Orange zum Beispiel glaubt, dass bis in drei Jahren ihre Kunden durchschnittlich 95 Euro im Monat für die neuen Dienste ausgeben. Wie soll das aufgehen? Die neuen Geräte werden mit 250 bis 300 Euro Anschaffungskosten nicht gerade ein Schnäppchen sein; und mit mehr als 3,50 Euro Gebühr für das Herunter­laden eines einzigen Spiels wird den Kunden auch nicht gerade viel fürs Geld geboten.

Das Haus­haltsbudget für Medienkonsum und Kommunikation wird, so kann man es aus Studien von Hypovereinsbank und BBDO Consulting herauslesen, 80 bis 85 Euro im Monat so schnell nicht überschreiten. Die britischen Mobilfunker müssen also an Internet­süchtige Handy-Junkies denken, die keine Zeitungen und Zeit­schriften mehr lesen, keine Videos und Kinofilme mehr schauen und die GEZ um die Rundfunk-Gebühren prellen. Die mag es geben - nur mit denen alleine werden die ge­wünschten Umsätze nicht kommen. Mit solch unrealistischen Planungen wird UMTS mit Sicher­heit ein Flop.

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