Informationslogistik entwickelt sich zur Schlüsseltechnik im weltweiten Datennetz
Computer ruft Wartungspersonal übers Internet

Im Internet sind eine Unmenge Daten gespeichert und erfasst. Fraunhofer-Forscher entwickeln nun Lösungen, mit denen diese Informationen zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Person gelangen.

HB DÜSSELDORF. Viele Menschen klagen über die Informationsflut im Internet. Es gibt zwar zu fast allen Fragestellungen Antworten im Netz - doch die muss sich der Surfer durch mühsame Arbeit selbst zusammensuchen. Die Fraunhofer-Forscher des Instituts für Software- und Systemtechnik ISST in Dortmund wollen den Internetnutzern diese Arbeit erleichtern. Durch die Entwicklung von Suchwerkzeugen, die mit verschiedenen Kommunikationstechniken gekoppelt werden, sollen die benötigten Informationen automatisch zum Nutzer kommen.

"Heute muss man sich vor einer Dienstreise die Zug- oder Flugverbindung, Informationen über Übernachtungsmöglichkeiten und die Reservierung von Mietautos noch selbst zusammensuchen. In Zukunft wird dies eine Software erledigen", beschreibt Fraunhofer-Forscher Dr. Bernhard Holtkamp seine Vision vom Internet der Zukunft. Erreichen wollen das die Dortmunder Forscher mit verschiedenen Lösungen der Informationslogistik.

Der Computer der Firma stellt die benötigten Daten für die Dienstreise aus verschiedenen Quellen im Internet zusammen. Holtkamp: "Der Mitarbeiter muss dann nur noch entscheiden, wann er welche Bahn nehmen und in welchem Hotel er übernachten will." Die Buchungen würden dann automatisch ausgeführt. Auch die Abrechnung der Reisekosten soll von dem System erledigt werden. Dazu muss der Nutzer die entsprechenden Belege einscannen oder elektronisch speichern - die Berechnung übernimmt die Software automatisch.

Die Dortmunder Forscher haben erste Prototypen dieser virtuellen Assistenten für das Internet bereits entwickelt. "Die Software wird in die Unternehmensnetze integriert und bereitet vorliegende Informationen bedarfsgerecht auf", erläutert Holtkamp das Prinzip. Dabei könnten neben den eigenen Mitarbeitern auch Kunden gezielt mit Informationen versorgt werden - beispielsweise mit Wetterdaten.

"Beim berühmt-berüchtigten Orkantief Lothar im Herbst vergangenen Jahres gab es zahlreiche Warnmeldungen im Internet - doch kaum jemand hat sie wahrgenommen", erinnert der Fraunhofer-Forscher. Wenn man die Warnungen vor drohenden Unwettern gezielt an Gebäudebesitzer verschicken würde, könnten diese ihre Häuser besser schützen.

Ein solcher Warndienst wäre ein ideales Instrument zur Kundenbindung - speziell für Versicherer, vermuten nicht nur die ISST-Forscher. Die Versicherungskammer Bayern prüft zurzeit, ob ihre Kunden an einem solchen Dienst interessiert wären. "Der Warndienst könnte vor allem Besitzern von Ferienhäusern helfen, Schäden vorzubeugen, die von Unwettern verursacht werden", sagt Klaus Schulze-Neuhoff, der bei dem Münchener Versicherungsunternehmen für Sachversicherungen zuständig ist.

"Das Wetter am Ferienort ist nicht so präsent wie das am Wohnort. Daher könnte ein frühzeitiger Warnhinweis ausreichen, um mal schnell den Nachbarn im Feriendorf zu bitten, die Schlagläden zu schließen", verdeutlich ISST-Forscher Holtkamp den Nutzen. In der Praxis sähe das so aus: Der Kunde gibt auf einer Webseite die gewünschten Wetterprofile für verschiedene Standorte an (z.B. Warnungen vor Orkanen, Hochwasser, starkem Niederschlag). Im Falle einer Unwetterwarnung wird dann automatisch eine Nachricht auf das angegebene Endgerät verschickt.

Ebenfalls als Warndienst ist der Informationsservice gedacht, der Leckagen in Anlagen und Rohrleitungssystemen meldet. Er wird von den Dortmundern gemeinsam mit der Delu AG in Dorsten entwickelt. Das mittelständische Unternehmen hat ein Leckageortungssystem entwickelt, das Klein- und Großleckagen anzeigt und mit dem Internet verknüpft werden kann. Die Leckagemeldungen werden an ein Online-Portal übermittelt, über das mobile Service-Einheiten informiert werden können. "Die Idee: Es wird der Servicetechniker benachrichtigt, der sich in der Nähe der betroffenen Anlage aufhält", erläutert Jürgen Kunze, der bei Delu das Projekt betreut. Die Information wird an einen Pager oder per SMS an das Handy geschickt.

Die ISST-Forscher wollen neben der reinen Ortsbeschreibung, wo die Leckage aufgetreten ist, in Zukunft auch Lagepläne und Materiallisten mitschicken, damit die Wartungsarbeiten noch besser organisiert werden können. Holtkamp: "Dazu muss aber das mobile Internet noch schneller werden und die Empfangsgeräte müssen weiter verbessert werden."

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