Informationslogistik sorgt für Orientierung im Daten-Dschungel
Klasse statt Masse

Der moderne Manager ist ein Meister der Informationsverdrängung. In Zeiten riesiger Unternehmensdatenbestände und des Internets fehlt es dem Entscheider heute nicht mehr an Informationen - er droht im Gegenteil an der Flut von Daten zu ersticken. Einen wachsenden Teil seiner Arbeitszeit verbringt er mit der unproduktiven Trennung der wichtigen von den unwichtigen Informationen. Hilfe bietet da die Informationslogistik. Sie reduziert die Komplexität von Informationsprozessen in und zwischen Unternehmen.

Gast-Kolumne von Guido Alt, Chief Executive Officer der caatoosee AG

Alle menschheitsprägenden Innovationen haben eines gemein: Sie sind Fluch und Segen zugleich. Das war bei der Dampfmaschine so und beim Auto. Und es gilt für den Computer und dessen Vernetzung. Laut einer Studie der Berkeley-University stehen im Internet pro Jahr weltweit zwei Milliarden Gigabytes an Informationen zusätzlich zur Verfügung. Um ihre Datenbestände zu verdoppeln, benötigen Unternehmen in der Regel lediglich sechs bis acht Monate. Viele Unternehmen kranken an einem ungesunden Verhältnis zwischen den Vorzügen und Nachteilen elektronischer Datenverarbeitung: Das zeitaufwändige Erfassen, Kategorisieren und Zuordnen der Informationen frisst einen beträchtlichen Teil der Effizienzgewinne auf, die durch automatisierte Abläufe und Entscheidungsprozesse erschlossen werden.

Die Herausforderung an heutige Computersysteme lautet also, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen sowie Zusammenhänge zwischen strukturierten und unstrukturierten Datenbeständen zu erkennen. Wer Informationen recherchiert, benötigt keine zwei- oder gar dreistelligen Trefferlisten - sondern zwei oder drei qualifizierte Ergebnisse. Nur dann lassen sich schnell und fundiert Entscheidungen treffen. Dieser Informationsqualifizierung widmet sich die Informationslogistik: Forscher und Softwarehäuser entwickeln gemeinsam intelligente Maschinen, die Informationen gezielt aufbereiten, qualifizieren und verteilen. Bereits heute gibt es praxistaugliche Lösungen, die schnell und kostengünstig Sinnzusammenhänge herstellen - auch bei unstrukturierten Daten wie etwa Textdokumenten, Präsentationen und E-Mails, die zur Zeit rund 80 Prozent des Informationsbestandes von Unternehmen ausmachen.

Die drei Fragen der Informationslogistik: Was? Wann? Wo?

Das Ziel der Informationslogistik ist klar definiert: Anwender erhalten schnell und bequem die benötigten Daten - in der gewünschten Form, zur richtigen Zeit und am Ort ihrer Wahl. Die neuen Sinnmaschinen nutzen mathematische Ähnlichkeitsmaße, um Datenbestände sinnvoll zu strukturieren. Das ist die Basis von Suchalgorithmen, die auch auf unvollständige und fehlerhafte Anfragen binnen Sekundenbruchteilen die gewünschten Dokumente finden.

Informationslogistiker arbeiten an praxisorientierten Mechanismen, die automatisch ermitteln: Wo befindet sich ein Anwender derzeit? Welche Informationen benötigt er für seine aktuellen Aufgaben? So entstehen Systeme, die von der ERP-Anwendung bis zum E-Mail-System vielfältige Datenquellen integrieren und zahlreiche Endgeräte einbinden - vom Arbeitsplatz-PC bis zum Internet-fähigen Handy.

Die Einsatzgebiete solcher intelligenter Sinnmaschinen sind vielfältig - zum Beispiel im wachsenden Segment des E-Governments. Bis 2005 will der Bund in Deutschland mehr als 300 Services im Internet anbieten. Wie soll sich der Bürger da auf einem möglichen Service-Portal orientieren? Die fehlertolerante Unterstützung durch Informationslogistik erlaubt selbst rudimentäre Stichworteingaben. Statt eines ?Service unbekannt? erhält der Bürger mehrere Services angeboten, die sprachliche Ähnlichkeiten zu seiner Eingabe aufweisen.

Einer der großen Online-Buchhändler setzt diese Technologie mit Erfolg zur Kundenbindung ein. Gab ein Kunde früher beispielsweise den Titel oder Autorennamen des Buches nur unvollständig ein, zeigte ihm das System ein ?Titel unbekannt? an. Viele Kunden wechselten daraufhin zur Konkurrenz. Heute erhält der Nutzer mehrere Vorschläge, die sich sprachlich an seine Eingabe anlehnen. Ein Wechsel erübrigt sich.

Ein letztes Beispiel aus dem Bankenbereich. Zahlreiche Banken haben derzeit noch Zeit- und Kostenprobleme mit der maschinellen Verarbeitung der vielen handschriftlich ausgefüllten Überweisungsformulare. Zahlreiche Lesefehler zwingen entweder zu teurer Einzelbearbeitung oder führen zu Fehlüberweisungen. Die Informationslogistik senkt diese Fehlerquoten drastisch: Sie gleicht die vom System nur unvollständig gelesenen Bank- und Kontoangaben mit den gespeicherten Besitzernamen ab und kann so eine eindeutige Zuordnung vorschlagen.

Der amerikanische Zukunftsforscher John Naisbitt hat einmal gesagt: " Wir ertrinken in Information, aber wir hungern nach Wissen." Informationslogistik stillt diesen Hunger.

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