Informationspolitik der Unternehmen ist besser geworden
Privatanleger haben häufig das Nachsehen

Die Fälle Enron und Tyco haben das Verhältnis von Unternehmen und Anlegern einmal mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Der Informationsfluss zwischen beiden Parteien war in diesen Fällen zumindest gestört.

DÜSSELDORF. Dabei ist es für Investoren heute leichter denn je, sich Informationen über ein Unternehmen zu beschaffen, auch wenn sich die betreffende Firma wenig auskunftsfreudig gibt. Neben direkten Quellen wie dem Geschäfts- oder Zwischenbericht haben Tageszeitungen, Magazine, Bankinformationen und das Internet den Anlegern vielfältige Informationskanäle eröffnet.

Aber: "Der Anleger muss selbst etwas tun", sagt Rüdiger von Rosen, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts DAI. Bei der Heterogenität der Privatanleger gelte: "Ich kann ihm nicht einfach die gebratenen Tauben hinschicken, er muss auch auf die Tauben zugehen". Von Rosen hat beobachtet, dass sich seit einigen Jahren eine "Veränderung der Unternehmenskultur gegenüber ihren Eigentümern gezeigt hat. Die Denkweisen seien offener und transparenter geworden, nicht zuletzt wegen einer verbesserten Rechtslage mit schärferen Transparenz- und Publizitätsvorschriften. Die Unternehmen hätten erkannt, dass es durchaus im eigenen Interesse sei, die Aktionäre "richtig und schnell" zu unterrichten.

Zu den schnellsten Wegen der Informationsbeschaffung zählt für von Rosen das Internet. Allerdings verlange es von den Anlegern Eigeninitiative. Die Gesellschaften des Deutschen Aktienindex Dax und die meisten Gesellschaften des MDax der mittelgroßen Werte stellten sich dort ausführlich vor.

Das DAI hat in einer Studie zudem die Bedeutung der Internet- Portale für kleinere und mittlere Unternehmen untersucht. Das Ergebnis: Der "Teufelskreis mangelnder Beachtung, mangelnder Umsätze und mangelnder Liquidität" lasse sich nur durch eine erhöhte Aufmerksamkeit der Anleger durchbrechen. Diese sei aber nicht nur von den Investor-Relations-Anstrengungen (IR) der Unternehmen abhängig, sondern eben auch von dem Willen der Anleger, sich selbst zu informieren.

Der Studie zufolge ist das Internet-Angebot bei kurzfristigen Nachrichten besser und reichhaltiger als bei Grundlagendaten. Dies spiegle die Nachfrage der Internetnutzer wider, die sich meist als aktivere Anleger erwiesen als Aktionäre, die sich nicht oder wenig auf das Internet stützen. Gleichzeitig sind nicht alle Portale ohne weiteres in der Lage, detaillierte Unternehmensdaten in ihr Angebot aufzunehmen.

Kritik kommt auch von anderer Seite. Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre bemängelt: "Es gibt immer noch Firmen, die eine nur klägliche Investor-Relations-Website haben". Dabei hätten die Unternehmen gegenüber den Aktionären eine "Bringschuld".

Eine besondere Möglichkeit der Kontaktaufnahme eröffnen laut Keitel beispielsweise die Namensaktien. Hier seien die Unternehmen aber nur an Kontakt zu den großen institutionellen Investoren interessiert. Die Kleinanleger würden dagegen von vielen Unternehmen nicht besonders angesprochen.

Dieses noch "ungelöste Kernproblem" sieht auch Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der zentrale Punkt sei eine "Gleichberechtigung von institutionellen und privaten Anlegern". Institutionelle würden unter anderem in Analystenkonferenzen mit früheren und besseren Informationen, mit Risikoeinschätzungen und Prognosen versorgt. Selbst wenn diese Informationen - meist zeitlich verzögert - publik gemacht würden, seien sie nicht unbedingt jedem privaten Anleger zugänglich und verursachten oft zusätzliche Kosten, sagt Krüll. Dies deckt sich mit den Ergebnissen des letztjährigen Investor-Relations-Monitor des Handelsblatts. Danach hatten Privataktionäre nur für ein gutes Drittel der Aktiengesellschaften eine vergleichbare Priorität wie das Fachpublikum.

Petra Krüll rät den Anlegern, sich "intensiv mit dem Geschäftsmodell eines Unternehmens" auseinanderzusetzen. Er müsse verstehen, womit und in welchem Marktumfeld sich das Unternehmen beschäftigt. Erst dann sei er fähig, Risiken zu erkennen und die Relevanz von Berichten oder Kommentaren einzuschätzen. Auch die Kontaktaufnahme zum Unternehmen werde unkomplizierter.

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