Informationspolitik von Interpublic in der Kritik
Werbeholdings verschrecken Investoren

Dass Interpublic die Veröffentlichung seiner Quartalszahlen verschiebt, macht Investoren nervös. Auch beim Konkurrenten Omnicom gibt es Fragen zu den Bilanzen.

HB/siri SAN FRANCISCO. Die Nachricht hätte kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können: Die weltgrößte Werbeholding, Interpublic Group of Companies Inc., veröffentlicht ihre Ergebnisse für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres auf Wunsch des Buchprüfungskomitees erst eine Woche später als geplant, am 13. August. Die Investoren reagierten panisch: Der Aktienkurs rauschte zwischenzeitlich um mehr als 25 % in die Tiefe und erreichte den Stand von 1996. Nach den Finanzskandalen von Worldcom und Enron gilt jeglicher Hinweis auf Ungereimtheiten in den Bilanzen als klares Verkaufssignal für Anleger.

Analysten sind skeptisch

Auch die Analysten sind mangels genauer Informationen über den Grund für die Verschiebung skeptisch: Die Ratingagenturen Standard & Poor?s und Moody?s prüfen derzeit, ob sie die Kreditwürdigkeit von Interpublic herunterstufen werden. "Es gibt eine gewisse Unsicherheit, ob das Unternehmen die erwarteten Gewinne ausweisen kann", schrieb S&P-Analystin Alyse Michaelson zur Begründung. Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit könnte die Kosten für Kredite erhöhen. Zum Ende des ersten Quartals hatte Interpublic Schulden in Höhe von 2,89 Milliarden Dollar angehäuft.

William Bird, Analyst beim Investmenthaus Salomon Smith Barney, stufte die Interpublic-Aktie von "Kaufen" auf "Halten" herunter. Es sei nicht sicher, ob das Unternehmen nur mehr Zeit brauche, um die Buchführung abzuschließen, oder ob es spezifische Probleme gebe. "Immer wenn es Informationslücken gibt, ist das ein Grund zur Sorge", kommentiert Alexia Quadrani, Analystin beim Investmenthaus Bear Stearns.

In einer Stellungnahme verwies Interpublic lediglich darauf, dass das Buchprüfungskomitee seine Arbeit erst beenden müsse, bevor das Management den Abschluss für das zweite Quartal zertifizieren könne. Dies ist eine Reaktion auf neue Bilanzregeln: Infolge der jüngsten Finanzskandale fordert die US-Börsenaufsicht SEC, dass das Top-Management von Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 1,2 Milliarden Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr persönlich für die Richtigkeit der Bilanzen haftet. Stichtag für die neue Regelung ist der 14. August, ein Tag nachdem Interpublic die Quartalszahlen bekannt gibt.

Buchhaltung wurde immer komplexer

Interpublic, zu deren Kunden unter anderem Coca-Cola, Nestlé und General Motors zählen, ist in den vergangenen Jahren hauptsächlich durch Akquisitionen gewachsen. Dadurch wurde jedoch auch die Buchhaltung immer komplexer.

Im Jahr 2001 strukturierte sich das New Yorker Unternehmen um, nachdem es die kleinere Werbeholding True North Communications für 1,68 Milliarden Dollar gekauft hatte. Nach den neuen SEC-Regeln muss das Management auch die Richtigkeit der Buchhaltung bei der Umstrukturierung bestätigen.

Auch Omnicom unter Druck

Schon vor einigen Monaten gerieten die Werbeholdings wegen ihrer Bilanzierungspraktiken unter Druck. Damals hatte das "Wall Street Journal" berichtet, dass bei Interpublics direktem Konkurrenten, Omnicom Group Inc., die Kosten für Akquisitionen mit Verzögerung in den Büchern auftauchten. Omnicom sagte allerdings, das Top-Management könne die Bilanzen ohne Einschränkung zertifizieren.

Die Diskussion um mögliche Probleme in den Bilanzen kommt zu einer Zeit, in denen die Werbeholdings unter dem schlechten wirtschaftlichen Klima leiden. Marktbeobachter erwarten, dass der Umsatz Branche erst 2004 wieder nennenswert steigt.

Analysten rechnen damit, dass Interpublic in der kommenden Woche einen Umsatz von 1,57 Milliarden Dollar bekannt gibt - 10 % weniger als im Vorjahresquartal. Der Gewinn soll laut Prognosen 39 Cents je Aktie betragen.

Beim Konkurrenten Omnicom entsprach das Quartalsergebnis den Erwartungen der Analysten. Die New Yorker Werbeholding erwirtschaftete einen Nettogewinn von 187,3 Millionen Dollar oder 1 Dollar pro Aktie. Der Umsatz stieg um 9,7 % auf 1,9 Milliarden Dollar. Dieses deutliche Plus war nach Ansicht von Branchenkennern insbesondere dadurch möglich, dass Omnicom im vergangenen Jahr mehrere kleinere Agenturen übernommen hatte.

Quelle: Handelsblatt

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