Informationstechnik steuert Abläufe im Krankenhaus
Software steigert Effizienz von Kliniken

Nach den Industrieunternehmen setzen nun auch Krankenhäuser auf Workflow- und Wissensmanagementsysteme. Per Computer werden Abläufe in den Kliniken gesteuert und das medizinische Know-how in Datenbanken gesammelt. Von der Rechnervernetzung profitieren Patient und Klinik.

DÜSSELDORF. Spätestens mit der Einführung des Fallpauschalensystems wird die vernetzte Computertechnik Einzug in deutsche Krankenhäuser halten. Denn wenn sich die Abrechnung mit den Krankenkassen nicht mehr wie bisher an der Liegedauer der Patienten orientiert, sondern an den tatsächlich erbrachten Leistungen, ist ein effizientes Datenmanagement unerlässlich.

In einigen Häusern zum Beispiel im Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt wird das Personal bereits darauf trainiert, über jede Handlung am Patienten Buch zu führen. "Das ist bei der Betreuung von über 1 300 Betten nicht mit Kugelschreiber und Papier zu bewerkstelligen", veranschaulicht die kaufmännische Direktorin Irmtraut Gürkan.

Krankenhaus mit PC vernetzt

Doch die Informationstechnologie kann vielerorts defiziär arbeitenden Krankenhäusern noch weit mehr Vorteile bringen. Im zentralen Rechner werden von der Personalplanung über die Materialwirtschaft bis hin zur Belegplanung die Informationen über alle optimierbaren Prozesse gespeichert und so die Grundlage für ein effizientes Wirtschaften geschaffen. "Der medizinische und administrative Workflow beginnt bei der Aufnahme und steuert von da an die gesamten Abläufe in der Klinik", erläutert Susanne Laprell, Leiterin EDV- und Organisation am Lubinus Clinicum in Kiel. Das 180 Betten zählende Unfallkrankenhaus hat den Weg in die Zukunft schon beschritten und die Klinik im Laufe der vergangenen zwei Jahre nach und nach vernetzt.

Das kleine Unfallkrankenhaus in der Hauptstadt Schleswig-Holsteins nutzt die im System gespeicherten Daten bereits dafür, automatisch Bestellungen auszustoßen, wenn die Vorräte an Verbandsmaterialien, Medikamenten oder Labormaterialien knapp werden. Über das gleiche System erfolgt auch der Datenaustausch mit den Krankenkassen. Sobald der Klinikarzt einen Behandlungsplan erstellt hat, wird Laprell zufolge automatisch ein Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse.

Neben einer Kostenreduzierung birgt die Vernetzung im Krankenhaus aber auch die Chance auf Qualitätsverbesserung. Außer den Daten des Patienten lassen sich auch die Labor- und Untersuchungsergebnisse in der elektronischen Patientenakte speichern. Wird ein Patient während seines Krankenhausaufenthaltes in eine andere Abteilung verlegt, haben alle behandelnden Ärzte Zugriff auf seine Daten in der jeweils aktualisierten Fassung.

Unter den verschiedenen Softwareangeboten, die miteinander konkurrieren, hat sich die Klinik in Kiel für das Patientenmanagmentsystem Orbis von GWI entschieden. Dabei handelt es sich um ein speziell für Krankenhäuser entwickeltes Programm, das modular aufgebaut ist und alle Bereiche der Klinik in einem System integriert.

Ähnliche Krankenhausinformationssysteme, die aus verschiedenen Bausteinen bestehen und nach und nach in das Rechnernetz der Krankenhäuser integriert werden können, bieten Hersteller wie Fliegel Data, die Boss AG, Siemens oder auch die Micon GmbH an. Aber auch Softwarehersteller wie SAP haben Erweiterungen für das Krankenhausmanagement im Programm. Vor allem Krankenhäuser wie die auf Neurologie, Orthopädie und Psychosomatik spezialisierte Unternehmensgruppe Schön Kliniken, die ihre über sieben Standorten verteilten Häuser schon vor Jahren mit Software für die Finanzbuchhaltung vernetzt haben, nutzen die Chance, die SAP-Software mit speziellen Zusatzprogrammen zu ergänzen und so eine durchgängige Informationsverarbeitung in der Klinik zu realisieren.

Verband definiert Standardsschnittstellen

Um die gespeicherten Daten auch zwischen Kliniken und Ärzten sowie mit Krankenkassen oder Apotheken austauschen zu können, bedarf es einheitlicher Schnittstellen. Die meisten Programme sprechen ihre eigene Computersprache. "Daher sind heute noch oft aufwendige Anpassungen notwendig, wenn man verschiedene Systeme miteinander verknüpfen möchte", sagt Jörg Haas, Mitbegründer der GWI in Bonn. Haas ist gleichzeitig Vorsitzender des Vorstandes im Verband der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen (VHITG) in Berlin. Der Verband, in dem sich die Anbieter auf dem deutschen Markt organisiert haben, will nun Standards schaffen, die einen reibungslosen Datentausch zwischen verschiedenen Computersystemen sicher stellen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir da recht bald zu Vereinbarungen kommen", sagt Haas.

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