Informationstechnologie erwartet erst im kommenden Jahr steigende Nachfrage
Für IT-Branche kaum Trost in Sicht

Die Unternehmen der IT-Branche müssen sich auf weitere magere Monate einstellen. Die Anschläge in den USA haben der zart keimenden Hoffnung, dass sich das Geschäft in diesem Halbjahr besser werde, den Rest gegeben.

scc HB FRANKFURT/M. Die erhoffte Belebung, die sich viele Unternehmen der Informationstechnologie- (IT) und Software-Branche im zweiten Halbjahr erhofften, wird sich nach jüngsten Schätzungen wohl ins neue Jahr verschieben. Verzögerte oder zurückgestellte Abschlüsse, die sich nach den Anschlägen in den USA häuften, haben dazu geführt, dass etliche Unternehmen ihre Prognosen nach unten schraubten. Das in der IT-Branche traditionell starke vierte Quartal werde in diesem Jahr "eher durchschnittlich" ausfallen, erklärte beispielsweise die Münchener Computerlinks AG. Die nach wie vor geringe Investitionsneigung der Industrie deute darauf hin.

Mit der am Freitag Abend veröffentlichte Gewinnwarnung hatte Computerlinks für Aufsehen gesorgt. Der IT-Vermarkter hatte Anfang September gegenüber den Analysten von Independent Research noch eine steigende Gewinnmarge in Aussicht gestellt. Für 2001 rechnen die Analysten nunmehr mit einem Umsatz von 161,2 Mill. Euro (vorher: 175,8 Mill. Euro) und einem Ergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda) von 11,3 Mill. Euro (vorher: 16,9 Mill. Euro). Die Aktie verlor gestern zeitweise über 35 %.

Ähnliche Probleme hat auch die SER Systems AG aus Neustadt/Wied. Dem Software-Haus für Dokumenten-Management macht zudem die unsichere wirtschaftliche Entwicklung seiner US-Tochter zu schaffen. Viele der für September geplanten Abschlüsse seien verzögert oder zurückgestellt worden, weswegen SER-US seinen Planumsatz im dritten Quartal um 6,5 Mill. Euro verfehlt hat. Der September-Umsatz lag lediglich auf Höhe des August-Umsatzes, dem traditionell schwächsten Monat im Jahr. Die jetzige Umsatz-Reduzierung könne nach derzeitigen Schätzungen erst im ersten Quartal 2002 ausgeglichen werden. Vom Erreichen schwarzer Zahlen ist SER damit jedenfalls wieder weit entfernt. Derzeit sei es der Einfluss auf das Ergebnis nicht absehbar, hieß es.

Ähnliche Auswirkungen spürt auch CE Consumer. Nach den Anschlägen in den USA schließt der Münchener Chip-Broker rote Zahlen beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) jetzt nicht mehr aus. Zuvor war CE Consumer noch von einer Ebit-Marge von 1,8 % ausgegangen. Vor allem über den Chip-Markt in den USA lasse sich derzeit überhaupt keine Aussage treffen, erklärte ein Sprecher. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) soll aber auf jeden Fall noch positiv ausfallen. Diese Ankündigung und auch das gestrige Minus von etwa 14 % für die Aktie hielt die Analysten von SES Research jedoch nicht davon ab, die Aktie weiterhin als "Outperformer" einzustufen, ihr also eine bessere Entwicklung als dem Gesamtmarkt zuzutrauen. Im kommenden Jahr rechnen sie mit einer deutlichen Belebung des Halbleitermarktes.

Bis es soweit ist, ist allerdings Vorsicht angesagt. Die Mühl Product & Services AG, ursprünglich Baustoff-Lieferant und seit vergangenem Jahr über die Elogistic24 AG auch im Logistik-Bereich tätig, möchte die Tochter am liebsten abstoßen. Durch den erhofften Gewinn von geschätzten 50 Mill. DM könne man am Jahresende ein positives Ergebnis erzielen. Um Bewertungsrisiken bei IT-Beteiligungen abzudecken, wurden vorläufige Rückstellungen von 20 Mill. DM gebildet.

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