Informationstechnologie soll für reibungsloses Energiemanagement sorgen
Das Stromnetz wird interaktiv

Die Experten sind sich einig: Der Anteil von kleinen, dezentralen Stromerzeugungs-Anlagen wird in Zukunft immer größer. Messebesucher in Hannover können schon heute staunen über 1,40 Meter hohe Brennstoffzellen für daheim, die bequem in jeden Kohlenkeller passen. Immer drängender stellt sich die Frage, wie solche Stromquellen effizient in das Energienetz integriert werden können.

HANNOVER. Die Entwicklung und der Aufbau eines virtuellen Kraftwerkes sind denn auch das Ziel eines EU-Projektes mit insgesamt 52 Brennstoffzellenkraftwerken von Vaillant, an dem sich neben Ruhrgas, EWE oder Eon Energie auch der niederländische Gaskonzern Gasunie beteiligen. EWE hat darüber hinaus ein eigenes Projekt gestartet, bei dem insgesamt über 300 Brennstoffzellenkraftwerke von Sulzer Hexis und Vaillant bei Kunden installiert und so unter realen Einsatzbedingungen getestet werden.

Der Vorteil der in Kellern installierten Brennstoffzellen: Sie liefern nicht nur Heizwärme, sondern auch Strom. Überschüssige Energie wird dabei in das Netz des örtlichen Versorgers eingespeist. Während Windkraftwerke oder Photovoltaikanlagen abhängig von der Wetterlage Strom ins Netz einspeisen, können Kraftwerke aus Brennstoffzellen aktiv zur Stromproduktion eingesetzt werden. Die Energieversorger möchten die Brennstoffzellen (von denen jede nur eine elektrische Leistung von 1 bis 5 Kilowatt aufweist) ihren Kunden per Contracting in den Keller stellen - sie also finanzieren, warten und zentral steuern.

Laut Andreas Ballhausen, Projektleiter Brennstoffzelle bei EWE, sollen die kleinen Kraftwerke an ein dezentrales Energiemanagementsystem (DEMS) angeschlossen werden. Damit können die dezentralen Stromerzeuger gesteuert und überwacht werden. Koordiniert mit Stromverbrauchern und dem Strombezug aus dem übergeordneten Versorgungsnetz soll das DEMS für ein optimiertes Strommanagement im EWE-Netz sorgen.

Nach Einschätzung von RWE-Vorstand Manfred Remmel wird sich der Anteil dezentraler Stromerzeugungsanlagen von derzeit rund 15 % bis zum Jahr 2015 auf 30 % verdoppeln. Brennstoffzellen könnten daran mit einem Drittel beteiligt sein, sie würden dann immerhin 10 % des Strombedarfs in Deutschland abdecken.

Eine Untersuchung der Stadtwerke München hat ergeben, dass ein aus tausenden kleiner Brennstoffzellen gebildetes virtuelles Kraftwerk, wenn es über ein Kommunikationssystem gesteuert wird, zum Ersatz von Trafostellen oder zum so genannten Spitzenlastmanagement beitragen kann. Ein Netzbetreiber hat dann theoretisch die Möglichkeit, die Stromproduktion der Brennstoffzellen dem aktuellen Marktbedarf anzupassen. Dafür braucht er aber den Zugriff auf die Anlage, die mit Kommunikationsschnittstellen versehen sein muss. Dafür gibt es noch keine entsprechenden Normen und Standards.

Für die Einbindung in ein DEMS wird eine komplexe Kommunikationstechnik benötigt, um jede Anlage individuell ansprechen zu können. Als Kommunikationswege bieten sich die Telefonnetze oder auch das Stromnetz selber an. "Gekoppelt mit einem Prognosesystem für die wesentlichen Einflussgrößen, wie Benutzerverhalten, Temperatur und Wind, werden Einsatzpläne für die dezentralen Einheiten errechnet und der Strombezug aus dem übergeordneten Netz optimiert", so Ballhausen.

Auch das neue EU-Forschungsprojekt "Dispower", an dem europaweit 37 Partner aus Forschung, Industrie und Energieversorgung beteiligt sind, widmet sich dem Thema. Projektleiter Prof. Jürgen Schmid, Vorstandsvorsitzender des Instituts für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) in Kassel, sieht eine Chance, zu einer neuen Qualität in der Energieversorgung zu kommen.

Prognosemodelle könnten helfen, die Menge der in den kommenden Stunden und Tagen eingespeisten Wind- und Sonnenkraft besser vorhersagen zu können. Und mit Hilfe neuer Informationstechniken werden die Brennstoffzellenkraftwerke nicht nur bei steigender Stromqualität in das Netz integriert: Das Netz - das bisher einer Einbahnstraße gleicht - wird zu einem Energiemarkt, auf dem Abnehmer sowohl zu Anbietern und Produzenten als auch zu Nachfragenden werden können, blickt Schmid in die Zukunft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%