Informationswirtschaft warnt Kleinbetriebe vor verspäteter Währungsumstellung
Das dicke Ende könnte noch kommen

Zwei Wochen bleiben noch, um die Euro-Umstellung zu beenden. Während Banken, Handel und Verwaltung meinen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben, warnen Softwareberater vor Tücken im System.

HB DÜSSELDORF. In Zahlen liest sich das Mammutprojekt Euro-Umstellung so: In Deutschland müssen 2,6 Mrd. Scheine und 11 Mrd. Münzen auf knapp 60 000 Bankfilialen verteilt werden. Die Kosten belaufen sich nach Schätzungen des Bundesverbandes deutscher Banken auf rund 3,5 Mrd. Euro. In der gesamten Euro-Zone geht es sogar um 15 Mrd. Scheine und 50 Mrd. Münzen.

So weit, so gigantisch. Hinter den Zahlen steckt jedoch noch jede Menge Arbeit. In zwei Wochen muss das Projekt abgeschlossen sein. Und längst haben nicht alle ihre Hausaufgaben gemacht. Die Softwareindustrie zum Beispiel warnt den Mittelstand vor Engpässen bei Unternehmen, die auf den letzten Drücker umstellen: "Ich bin entsetzt, wenn ich sehe, dass beispielsweise auf Eingangsrechnungen oder gar in Verträgen immer noch DM-Beträge ausgewiesen sind", sagt Anja Olsok, Finanzreferentin beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Wer erst jetzt umstelle, müsse bei externen Softwareberatern mit langen Wartezeiten rechnen.

Der Präsident der Vereinigung der mittelständischen Wirtschaft (VMU), Jürgen Bock, glaubt, dass Bitkom nur die Pferde scheu mache. "Ich kenne kein Unternehmen unserer rund 500 Mitglieder, das sich noch nicht vorbereitet hat." Auch für den Einzelhandel treffe die Warnung der Bitkom nicht zu, meint der Chefvolkswirt des Hauptverbands Deutscher Einzelhandel (HDE), Robert Weitz: "Bei den mittelständischen Händlern ist alles gelaufen. Bei kleineren Einzelhändlern stehen Termine für die Umstellung fest." Auch der Zentralverband Deutsches Handwerk (ZDH) zeigt Vertrauen in seine Mitglieder: "Wir erwarten, dass zum Jahresende alle Betriebe bereit sind", sagt Präsident Dieter Philipp.

Zumindest an Bargeldmangel wird der Start ins Euro-Zeitalter nicht scheitern, versichern die Banken unisono. Die Belieferung mit dem Euro liege voll im Zeitplan. Alle bestellten Münzen und rund 80 % der Banknoten seien bereits ausgeliefert, berichtet Reinhold Rickes, der Euro-Beauftragte des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Die Banken haben das gelieferte Geld auch schon weitgehend an ihre Filialen verteilt. Sämtliche 170 Geschäftsstellen seien bereits mit dem neuen Geld versorgt, heißt es beispielsweise bei der Nassauischen Sparkasse. "Wir sind durch, alle Bestellungen sind ausgeliefert", bestätigt auch Herbert Walter, Chef der Deutschen Bank 24 (DB24).

Als letzte Herausforderung müssten jetzt noch die 1 700 Geldautomaten des Instituts fit für den Euro gemacht werden. Engpässe erwartet Walter hier nicht. "Die Füllung vom Silvester-Tag wird bis zum 2. Januar reichen", ist sich Walter sicher. In dieser Planung sei bereits eine erheblich höhere Nachfrage als üblich berücksichtigt. Zuletzt hatte Bundesbank-Präsident Ernst Welteke vor ernsten Engpässen an den Geldautomaten gewarnt.

Auch die öffentlichen Verwaltungen sehen sich trotz mancher Widrigkeiten bei der Euro-Umstellung im Zeitplan. Zu den Widrigkeiten zählen zum Beispiel die krummen Beträge, die beim Umrechnen herauskommen. Sie sind Leuten wie Peter Heine, Euro-Beauftragter der Stadt Frankfurt, einfach zuwider: "Überlegen Sie mal, ob Sie einen Falschparker vors Gericht zerren, bloß weil er 20 Euro zahlt und nicht 20,45 Euro, wie es auf dem Knöllchen steht? Da verzichten Sie doch lieber gleich auf die 45 Cent!"

Frankfurt und andere Städte haben das dann auch getan. Bußgelder und viele kommunale Gebühren werden einfach im Verhältnis 2:1 umgestellt. Durchschnittlich 2 % sparen Bürger dadurch - die Kommunen aber kommt der Euro teuer zu stehen. Heine hat ausgerechnet, dass die Änderung des Bußgeldkatalogs auf Euro ein Loch von rund 600 000 DM pro Jahr in die Stadtkasse reißt. Voraussetzung für viele Umstellungen sind für alle Kommunen die jeweiligen Euro-Einführungsgesetze von Bund und Ländern - womit die zweite Widrigkeit genannt wäre. Manche Bürgermeister haben nämlich lange warten müssen, bis sie einzelne Verwaltungsbereiche endlich umstellen konnten. So ist das 6. Euro-Einführungsgesetz, durch das zahllose DM-Beträge im Ausländer- und Dienstrecht umgerechnet werden, erst am 7. Dezember verkündet worden.

Verglichen mit der Umstellung der Vorschriften war die Neufassung der Formulare Routine. "Die meisten Rechnungen und Briefe kommen inzwischen aus dem PC", heißt es aus der Stadtverwaltung Düsseldorf. Dort sieht man es mit der Umstellung allerdings auch nicht so eng. Formulare, auf denen noch "DM" stehe, würden weiter benutzt, und nur das Währungszeichen handschriftlich ausgetauscht. Viele alte Formulare sind aber nicht mehr übrig, da die Behörden seit Januar 1999 die Möglichkeit hatten, in ihren Bescheiden Euro-Beträge auszuweisen - was die meisten nutzen.

Keine Panik also? VMU-Präsident Jürgen Bock zieht den "historischen" Vergleich: "Neujahr 2000 haben auch alle vor Computerstillständen gewarnt, und passiert ist nichts."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%