Inhaber und Chef des Schuhherstellers Geox
Mario Moretti Polegato: Die neue Karriere des Prosecco-Königs

Bei einer Wanderung kam ihm die Idee vom "atmenden" Schuh. In nur zehn Jahren schaffte es der erfahrene Winzer, zu Italiens größtem Schuhhersteller aufzusteigen.

MONTEBELLUNA. Manchmal kann Mario Moretti Polegato seine Geschichte selbst nicht fassen. In solchen Augenblicken schaut er träumerisch in die Luft und sinniert: "Das ist alles wirklich sehr beeindruckend!" Doch diese Momente der Reflexion dauern bei dem 49-Jährigen nie lange. Schnell taucht der hoch gewachsene, schlanke Italiener wieder ein in die Welt der harten Fakten, um seinen Erfolg Zahl für Zahl zu dokumentieren.

"Unsere Mission ist, alle normalen Gummisohlen verschwinden zu lassen."

In zehn Jahren hat Polegato aus dem Nichts den größten Schuhhersteller Italiens geschaffen. Weltweit rangiert seine Firma Geox aus Montebelluna im Hinterland Venedigs schon auf Platz neun. In einem stagnierenden Markt wächst sein Unternehmen mit jährlichen Raten von 40 bis 60 Prozent. Die Umsatzrendite von sieben Prozent ist im Vergleich zum Rest der Branche außerordentlich hoch.

Von Schweiß keine Spur

Das Geheimnis seines Erfolgs ist ein besonderer Schuh - ein Schuh, der atmet. "Ich nahm ein Messer, zerlöcherte damit die Gummisohle und lief los. Lediglich an einem Bach, den wir bei der Wanderung in den Rocky Mountains überqueren mussten, wurden meine Füße nass - von Schweiß aber keine Spur", erzählt Polegato von der Bergwanderung, die ihn auf die Schuhidee brachte, die sein Leben veränderte.

Prosecco-Marktführer in Deutschland

Bis dato hatte sich der verheiratete Vater eines Sohnes ausschließlich um die Weingüter der Familie, La Gioiosa und Villa Sandi, in Venetien, dem Hinterland zwischen Venedig und den Alpen, gekümmert. Sie gehören mit einer Produktion von fünf Millionen Flaschen pro Jahr zu den größten Kellereien des Landes und sind mit einem Anteil von über 50 % Marktführer für Prosecco in Deutschland.

Dennoch fiel es dem italienischen Prosecco-König vor zehn Jahren leicht, sich von der Herstellung prickelnder Schaumweine zu verabschieden und sich fortan mit dem Problem der Schweißfüße zu beschäftigen. "Achtzig Prozent der Menschheit trägt Schuhe mit Gummisohlen, und alle leiden darin. Ihnen zu helfen ist mir ein echtes Bedürfnis", verkündet Polegato in seinem Büro in Montebelluna und klingt dabei ein bisschen wie ein Weltverbesserer.

Idee in über 100 Ländern patentrechtlich geschützt

In einem Anflug von "ingegno", jenem Einfallsreichtum, der den Menschen dieses italienischen Landstrichs eigen ist, setzte er sich damals mit dem Museum für Raumfahrt in Houston in Verbindung. Er fand die Lösung seines Problems: spezielle Membrane, die von der Weltraumforschung entwickelt wurden - durchlässig für Schweiß, nicht aber für Regentropfen. "Ich musste also nur noch die beiden Dinge kombinieren: die Löcher in der Sohle mit der Membran." Die Idee ließ sich Polegato in über 100 Ländern patentrechtlich schützen.

Anfangs dachte der erfahrene Winzer nicht im Traum daran, seine Anti-Schweiß-Schuhe selbst herzustellen. Er wollte seine Erfindung an die Großen der Branche wie Adidas, Puma und Nike verkaufen. Doch die ließen ihn abblitzen. Polegato war zunächst beleidigt. Doch dann wollte es der Unternehmer aber wissen und stieg als Außenseiter in die hart umkämpfte Schuhbranche ein.

Mit Erfolg: In diesem Jahr will er den Umsatz um mehr als die Hälfte auf über 230 Millionen Euro und das operative Ergebnis auf 16 Millionen Euro steigern. Fünf Millionen Paar "atmender" Schuhe wird er voraussichtlich produzieren, davon etwa ein Drittel in Lizenz. Im kommenden Jahr sollen es bereits 7,5 Millionen Paar sein.

Die Schuhe sind alles andere als billig: Sie kosten zwischen 200 und 350 Mark. Ähnlich wie einige Konkurrenten setzt Polegato beim Vertrieb auf eigene Geschäfte. So hat er innerhalb von wenigen Monaten 74 Geox-Läden eröffnet, die von Franchise-Partnern betrieben werden. Im kommenden Jahr will er die Zahl verdoppeln und sich mit vier Geschäften sogar auf den deutschen Markt wagen.

Für die Zukunft möchte er nichts ausschließen, auch nicht einen Börsengang. "Unsere Mission ist, alle normalen Gummisohlen verschwinden zu lassen. Wir stehen also erst ganz am Anfang."

Trotz seiner großen Mission bleibt Polegato noch Zeit, sich um seine Pferde und seine Sammlung alter Autos zu kümmern, zu denen einige wertvolle Ferraris gehören. Manchmal greift Mario Moretti Polegato sogar selbst zum Schraubenschlüssel und legt sich unter einen Oldtimer.

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