Initiative D21 stellt Studie vor
Warnung vor sozialer Spaltung durch das Web

Das Internet wird einer Studie zufolge ohne staatliche Eingriffe die sozialen Gegensätze in Deutschland vergrößern. Rund ein Viertel der Bevölkerung werde auch in absehbarer Zukunft wegen der Kosten und mangelnder Kenntnisse keinen Netz-Zugang haben, heißt es in einer von der "Initiative D21" in Auftrag gegebene Studie , die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Reuters BERLIN. Die Initiative ist ein Zusammenschluss von Unternehmen zur Förderung der Informationsgesellschaft in Deutschland. Langfristig werde es in Deutschland rund 21 Mill. Menschen ohne Zugang zum Internet geben, prophezeit die Studie, die von der Unternehmensberatung Booz, Allen & Hamilton erstellt wurde.

Diesen Nicht-Nutzern würden Nachteile auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und beim Bezug von Dienstleistungen drohen, sagte der Autor der Studie, Rainer Bernnat. Von der Ausgrenzung seien bereits heute Menschen mit einer geringen Schulbildung und Senioren, aber auch Arbeitslose, Frauen sowie Menschen aus ländlichen Gegenden betroffen. Diesen Menschen müsse beispielsweise durch mehr Internet-Einführungskurse oder durch billigere Web-Zugänge die Scheu vor der neuen Technik genommen werden. "Ein Großteil der Bevölkerung kann durch private Initiativen erreicht werden, aber der Staat muss helfen, eine Internet-Gerechtigkeit zu schaffen", forderte Bernnat.

Bund und Länder sollten verstärkt mit privaten Unternehmen zusammenarbeiten, sagte Erwin Staudt, der Vorsitzende der "Initiative D21" und Chef von IBM Deutschland. Die deutsche Bundesregierung könne sich die USA oder Großbritannien zum Vorbild nehmen, wo der Staat bei der Förderung des allgemeinen Online-Zugangs eine zentrale Rolle einnehme. "Wir schreien nicht nach dem Staat, sondern suchen nach neuen Modellen", sagte Staudt.

Um der sozialen Ausgrenzung bei der Internet-Nutzung entgegenzuwirken, haben die deutschen Volkshochschulen, die Bertelsmann-Stiftung und das Magazin "Stern" am Donnerstag die Bildungsinitiative "Internet für Einsteiger" ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser Aktion soll jede zweite Volkshochschule in Deutschland ab September einen Online-Einführungskurs anbieten. Zudem wurde angekündigt, dass der "Stern" rund 1,5 Mill. CD-Roms mit einem Internet-Einsteigerkurs verteilen werde. Deutschland liegt nach Angaben der Studie von "Initiative D21" bei der Nutzung und Anwendung des Internets bisher im Mittelfeld. Derzeit sind rund 16 Mill. Bundesbürger online. Diese Zahl wird sich den Angaben zufolge bis 2003 verdoppeln.

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