Inlandsnachfrage bleibt Schwachstelle
Auftragsminus belegt verhaltene Erholung

Der unerwartete Rückgang der Auftragseingänge in der deutschen Industrie hat nach Einschätzung von Volkswirten die Erwartung einer schnellen Erholung der Konjunktur gedämpft.

Reuters FRANKFURT. Die Aufträge hätten bei einem unterdurchschnittlichen Volumen von Großaufträgen wie schon im Januar saison- und kalenderbereinigt um 1,0 Prozent abgenommen, teilte das Bundesfinanziministerium (BMF) am Freitag in Berlin mit. Die Daten lassen Volkswirte für die erste Jahreshälfte nur ein moderates Wirtschaftswachstum in Deutschland erwarten. Die Analysten gehen jedoch weiter von einem Aufschwung ab Sommer dieses Jahres aus.

Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg um 1,1 Prozent gerechnet, wobei die niedrigste Prognose nur bei einem Minus 0,7 Prozent gelegen hatte. Im Vergleich zur Vorjahresfrist nahm nach Reuters-Berechnungen das Auftragsvolumen um 5,3 Prozent ab. Volkswirte hatten hier nur ein Minus von 3,4 Prozent prognostiziert.

Inlandsnachfrage bleibt Schwachstelle

Wie das BMF mitteilte, beruhte der Orderrückgang im Februar ausschließlich auf einer Verringerung der Bestellungen aus dem Inland um 2,1 Prozent, während sich die Auslandsaufträge leicht um 0,3 Prozent erhöhten. "Das passt nicht wirklich in das Bild, das die EZB gezeichnet hat, derzufolge vorwiegend die Binnenkräfte die erwartete Erholung (in der Euro-Zone) tragen werden", sagte Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank. Die Inlandsnachfrage bleibe weiter die Schwachstelle. EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte am Donnerstag gesagt, von der Binnennachfrage würden in der Euro-Zone stärkere Impulse für eine Erholung ausgehen als vom Export.

Allerdings hinkt Deutschland offenbar den anderen Ländern der Euro-Zone in der Wirtschaftsentwicklung hinterher. Während der Frühindikator der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für die Euro-Zone im Februar um 0,5 Punkte stieg, nahm der Wert für Deutschland um 0,1 Zähler ab.

BHF-Bank-Volkswirt Gerd Haßel sah in der gesunkenen Inlandsnachfrage ein speziell deutsches Muster. "Dass die Bestellungen aus dem Inland so schwach waren, ist ein typisches Phänomen für Deutschland. Die Bewegungen kommen erst von der Exportnachfrage", sagte Haßel.

Fragezeichen hinter Stärke der erwarteten Erholung

Die Auftragszahlen sprechen für die Volkswirte zwar nicht gegen eine beginnende Erholung in Deutschland, wie sie die jüngst deutlichen gestiegenen Frühindikatoren signalisierten, erhöhen jedoch die Unsicherheit über die Dynamik des Aufschwungs. "Das stellt schon ein Fragezeichen hinter die bisherige Entwicklung der Erwartungskomponente bei den Frühindikatoren, bestätigt aber die Entwicklung der Lageeinschätzung beim Ifo-Index", sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen hatten erst bei der März-Umfrage ihre derzeitige Lage geringfügig besser als im Vormonat beurteilt, während sie seit Monaten immer optimistischer in die Zukunft blicken.

Aufschwung weiter ab Sommer erwartet

Wie andere Volkswirte geht Bielmeier weiter davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft vorerst nur langsam erholt und erst im zweiten Halbjahr wieder an Fahrt gewinnt. Als ermutigendes Signal wertete Bielmeier den kräftigen Anstieg um 3,5 Prozent der Orders bei den Produzenten von Vorleistungsgütern. Dies könnte trotz allem auf eine positive Produktionsentwicklung hindeuten, sagte Bielmeier. Im Januar hatte die deutsche Industrie mit einem Plus von 0,4 Prozent den zweiten Monat in Folge mehr als im Vormonat produziert.

Plus im Osten - Rückgang im Westen

Regional betrachtet entwickelten sich die Ordereingänge in Deutschland entgegengesetzt. In Westdeutschland gingen die Auftragseingänge den Ministeriumsangaben zufolge um 1,2 Prozent zurück, wogegen das Auftragsvolumen in Ostdeutschland um 1,0 Prozent zunahm. Die gesamte deutsche Industrie verzeichnete im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Januar/Februar zu November/Dezember eine Zunahme der Aufträge um 0,3 Prozent.

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