Innovationen in Israel
Bibel, Christentum & ICQ

Der kleine israelische Markt zwingt Unternehmer, global zu handeln - Jungunternehmer müssen lernen, wie sich mit guten Ideen ausländische Investoren anziehen lassen. Was aber ist eine gute Idee? Yossi Vardi hat es vorgemacht.

TEL AVIV. Es war eine Sensation: Die kleine israelische Firma Mirabilis, die in einem Kellergeschoss mit einer Handvoll Mitarbeitern das Chatprogramm ICQ entwickelt hatte, wurde für 400 Mill. Dollar an den Giganten AOL verkauft. Das war 1998 - gerade mal zwei Jahre nach Gründung von Mirabilis. Der Mann hinter der Cinderella-Firma: Yossi Vardi. Zusammen mit seinem Sohn hatte der israelische "startup guru" (Business Week) die Internetsoftware entwickelt, mit der er urplötzlich reich - und weltweit bekannt wurde.

Inzwischen gilt Mirabilis als Vorbild für israelische Technologiefirmen, die innovative Produkte entwickeln, beim Vertrieb dann aber auf eine potente amerikanische Gruppe angewiesen sind. Der kleine israelische Markt zwingt Unternehmer, global zu handeln - und Vardi hat den Jungunternehmern vorgemacht, wie sich mit guten Ideen ausländische Investoren anziehen lassen.

Was aber ist eine gute Idee? Geben Business-Pläne darüber Auskunft? "Nein", sagt Vardi. Bei der Prüfung neuer Investitionsidee geht er eher unkonventionell vor. Business-Pläne seien für ihn nicht relevant, ebenso wenig wie Power Point-Präsentationen, gibt er zu Protokoll: "Sie sind nutzlos." Den Wert einer Idee könne man schließlich nicht beurteilen. "Ich halte lieber nach talentierten Menschen Ausschau, die einen guten Charakter haben, schnell denken und auf eine Idee fokussiert sind."

Obwohl Vardis Know how weltweit gesucht ist - er hat den Vorsitzenden von AOL beraten, Siemens und Amazon - ist er bescheiden geblieben. Sein Büro liegt nach wie vor im Untergeschoss seines Hauses in einem Tel Aviver Vorort, von wo er ohne Allüren sein kleines Imperium steuert. Der 66jährige verzichtet auf eine Sekretärin. Lieber stützt er sich bei seiner Terminplanung auf Papier und Kästchen, die er sich darauf notiert. Seine Karriere begann Vardi als Beamter: Als 27jähriger wurde er Generaldirektor des israelischen Entwicklungsministeriums, später erhielt er einen vergleichbaren Job im Energieministerium. Nachdem er den öffentlichen Dienst quittiert hatte, leitete oder gründete er in der Folge rund 60 Firmen - darunter Israel Chemicals oder ITL Optronics. Zudem engagierte er sich in einem Bereich, für den sich seine Hightech-Kollegen sonst nicht interessieren: Politik. Er beriet Politiker in Nahostfragen und leitete die Wirtschaftskooperationsverhandlungen mit Jordanien, Syrien und den Palästinensern.

Der promovierte Ingenieur sorgt sich trotz aller Erfolge um die wirtschaftliche und soziale Zukunft des Landes. Denn die Hochtechnologie sei zu stark auf Tel Aviv konzentriert, lebe in einer Blase, die gegenüber dem Rest des Landes zunehmend ein Eigenleben führe. Statt wie bisher vorwiegend im Hightech-Sektor zu investieren, sollte der Staat seine Forschungsausgaben vermehrt auch den traditionellen Industrien zukommen lassen. Als er vor einem Jahr den Industriepreis Israels erhielt, forderte er von der Regierung neue Prioritäten beim Einsatz der Forschungsgelder.

Denn Vardi weiß, dass das Internet die Welt bereits verändert hat. In Israel, so lässt sich Vardi gern zitieren, wurden drei bedeutende Marken entwickelt: Die Bibel, das Christentum und ICQ. Alle drei hätten sich auf Mund-zu-Mund-Propaganda beschränkt, um populär zu werden. Das Alte Testament brauchte dazu 2 700 Jahre, das Christentum 2 000 Jahre - ICQ aber weniger als zehn Jahre.

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