Innovative Software AG auf Wachstumskurs
Teledata ist eine heimliche Größe

Die Innovative Software AG (IS) ist ein eher unbekanntes Unternehmen. Dabei hat sie sich als Lieferant von Finanzinformationen unter dem Namen IS Teledata nicht nur in Deutschland etabliert. Auf der Kundenliste stehen Wettbewerber wie Comdirect und Bank 24, T-Online und AOL, die Internetangebote von Frankfurter Allgemeiner Zeitung, Handelsblatt oder Financial Times Deutschland. Auch im Ausland ist IS aktiv und gerät damit zunehmend mit Reuters ins Gehege.

jgo DÜSSELDORF. Der Markt für Finanzinformationen ist ein Wachstumsfeld. Die Abfrage von Börsenkursen auf Internetseiten gilt mittlerweile als Standard. Umfangreiche Charts, Analyse-Instrumente und Depotverwaltungen sind für Finanzseiten im Internet eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht alle profitieren gleichermaßen. Während die Medienangebote von der Flaute am Online-Werbemarkt zurzeit kräftig gebeutelt werden und Online-Banken über geringere Ordervolumina ihrer Kunden klagen, geht es dem Frankfurter Software-Unternehmen Innovative Software AG unverändert gut. Unter der Marke IS Teledata beliefert das Unternehmen die gesamte Branche mit aufbereiteten Daten.

Neutralität als Erfolgsfaktor

"Wir machen unseren Kunden nicht selbst durch ein eigenes Portal Konkurrenz und wir liefern zu Festpreisen", sagt Stephan Wolf, Vorstandsvorsitzender des 1989 gegründeten Unternehmens. Patricia Neuhaus vom Marktforschungsunternehmen Jupiter MMXI Europe hält den Ansatz für viel versprechend: "IS Teledata hat eine sehr klare Ausrichtung des Geschäftsfeldes. Weil kein eigenes Portal unterhalten wird, hat sich das Unternehmen zudem hohe Marketingaufwendungen gespart. Das dürfte sich auszahlen."
Wolf hält es sich heute vor allem zu Gute, mit keinem Kunden einen Vertrag mit einer Erlösbeteiligung abgeschlossen zu haben. "Wir verdienen nicht an Bankdienstleistungen oder Transaktionen, unser Geschäft läuft unabhängig vom Erfolg der Anbieter." Der Vorstandsvorsitzende kann es sich leisten, darauf hinzuweisen, wen das Unternehmen nicht beliefert: Pulsiv, Systracom und Advance Bank stünden nicht auf der Kundenliste, sagt er.

Weitere Übernahmen geplant

IS ist mit dem Börsenboom groß geworden. Mit dem Java Trader genannten ersten Marktinformationssystem legten einige Programmierer 1996 den Grundstein. "1997 waren wir 12 Mitarbeiter", sagt Wolf. Keine vier Jahre später beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben 300 Mitarbeiter in Europa, darunter 230 in Deutschland. 1999 überschritt der Umsatz die 10-Millionen-Grenze; die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Teledata wurde im folgenden Jahr beendet: IS schluckte den Partner.
Mit der Schweizer Cowero AG hat das Unternehmen Anfang des Jahres bereits eine weitere Übernahme hinter sich gebracht, und die dürfte nicht die letzte gewesen sein. Auch in Zukunft werde IS sich durch Akquisitionen weiter verstärken, kündigt Wolf im Gespräch mit Handelsblatt.com an. Das Unternehmen finanziere die Expansion stets aus dem Cashflow, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Börsengang ist derzeit kein Thema

IS ist gewachsen wie ein Wachstumstitel aus dem Neuen Markt. 1999 überschritt der Umsatz die 10-Millionen-DM-Grenze. In diesem Jahr sind 60 Mill. DM bereits fest veranschlagt. "Es wird sicherlich mehr werden", sagt Wolf. Ein Börsengang hätte die Expansion krönen können. Zum 1.1.2000 nahm IS die Rechtsform einer AG an. 148 000 Aktien zu einem Euro gab das Unternehmen aus. Die Mitarbeiter halten die überwiegende Mehrheit, und an dieser Konstellation wird sich so schnell nichts ändern. An einen Börsengang sei im derzeitigen Marktumfeld überhaupt nicht zu denken, sagt Wolf. "Wir sind darauf aber auch nicht angewiesen."

Statt dessen will IS zunächst die Expansion ins Ausland weiter voran treiben. Schon jetzt ist das Unternehmen mit Realtime-Börsenkursen, Charts, News und Analyse-Instrumenten auf 1600 Internetsites in Europa vertreten. Bereits seit 1998 ist Teledata in Großbritannien aktiv und dort nach eigenen Angaben vor allem in Intranets erfolgreich; auch in Italien und in der Schweiz gibt es eigene Niederlassungen. In diesem Monat wird ein Büro in Paris bezogen, bis Ende des Jahres sollen dort 15 Mitarbeiter beschäftigt werden. Niederlassungen in Spanien und Finnland sind noch in diesem Jahr vorgesehen. Auch in die aufstrebenden osteuropäischen Märkte Ungarn, Tschechien und Polen hat IS die Fühler bereits ausgestreckt.

Der Wettbewerb wird härter

Dabei sieht sich IS auch auf heimischem Terrain zunehmender Konkurrenz ausgesetzt. Portalbetreiber, die die Erfahrung gemacht haben, dass sie von Werbe-Einnahmen und geringen E-Commerce-Erlösen nicht leben können, drängen in den Handel mit den aufbereiteten Finanzdaten, andere bauen ihr Engagement weiter aus.
Das börsennotierte Unternehmen Onvista untermauert die Auslandspräsenz in Großbritannien seit April auch mit einem eigenen Internetportal, will aber vor allem im B2B-Geschäft weiter zulegen.
Vertriebsvorstand Fritz Oidtmann sieht Teledata im Lizenzgeschäft als Hauptwettbewerber. Wolf hält das für zu hoch gegriffen. IS selbst nehme als Wettbewerber nur Reuters richtig Ernst, sagt er, räumt aber ein, dass der Markt in den vergangenen Monaten noch stärker gewachsen ist als IS selbst. Nach seinen Worten beläuft sich der Markt für Finanzinformationen im Internet und in Intranets auf 2,0 Mrd. DM.

Service als Alleinstellungsmerkmal

Um sich dauerhaft eine Stellung sichern zu können, schmieden die Unternehmen Bündnisse. Sowohl Onvista als auch IS sind mit der Deutschen Börse eine Kooperation eingegangen, während Onvista aber mit Reuters bei den Nachrichten einen sehr namhaften Partner gefunden hat, blieb für IS bislang nur die vergleichsweise kleine Agentur dpa-afx übrig.

Nach Einschätzung von Internet-Analystin Neuhaus hat IS im Wettbewerb dennoch gute Karten. Sie lobt vor allem den umfangreichen Service, der den Datenabnehmern eine Auswertung der Seiten anhand von bis zu 30 Kennziffern ermögliche. Das erlaube es beispielsweise Direktbanken, ihr Internetangebot besser an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Auch mit den garantierten Serverleistungen mache das Unternehmen Punkte. Schließlich gleiche der Kontakt zu den Nutzern, den sich IS über eigene Call Center erschließe, das Manko des fehlenden Portals aus. Ihrer Auffassung nach hat IS "mit die besten Chancen, sich im europäischen Markt durchzusetzen."

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