Insead, Fontainbleau, Frankreich: Lars Kreutzmann

Insead, Fontainbleau, Frankreich
Lars Kreutzmann

Ich komme aus Hamburg und habe nach Abi/Wehrdienst in 1992 ein duales dreijähriges Studium/Ausbildung an der Wirtschaftsakademie Hamburg gemacht (vergleichbar mit Berufsakademien in anderen Bundesländern). Ziel war der anschließende Einstieg in den Familienbetrieb.

Zu meiner Person:

Ich komme aus Hamburg und habe nach Abi/Wehrdienst in 1992 ein duales dreijähriges Studium/Ausbildung an der Wirtschaftsakademie Hamburg gemacht (vergleichbar mit Berufsakademien in anderen Bundesländern). Ziel war der anschließende Einstieg in den Familienbetrieb. Aufgrund geänderter Voraussetzungen habe ich allerdings im Anschluss ein eineinhalbjähriges Aufbaustudium an einer privaten FH besucht (Abschluss: Diplom-Kaufmann (FH)) und parallel dazu in der Werbebranche gearbeitet. 1997 bin ich dann für ein Jahr nach Mexiko gegangen. Zurück in Deutschland war ich dann für knapp viereinhalb Jahre für eine Unternehmensberatung in Deutschland tätig, bevor ich Anfang 2003 aus persönlichen Gründen wieder nach Mexiko zurückgekehrt bin. Dort habe ich eine Firma gegründet die allerdings momentan "auf Eis" liegt. Seit dem fünften Januar bin ich jetzt in INSEAD.

Warum ein MBA?

Das erste mal intensiv über einen MBA nachgedacht habe ich bereits 1995 nach Abschluss meines ersten Studiums, als ich feststellte, dass der Familienbetrieb keine Option mehr für mich darstellte und ich das Gefühl hatte, einen "höheren" akademischen Titel für meine Karrierepläne zu brauchen. Damals habe ich eine MBA-Fair in Frankfurt besucht. Allerdings hatte ich das Gefühl, kaum Chancen zu haben, bei einer der Top-Schulen angenommen zu werden, und entschied mich deswegen für die FH.

Im Laufe der folgenden Jahre stellte ich fest, dass ich in den Bereichen Berufserfahrung sowie Auslandserfahrung vielen gleichaltrigen Arbeitskollegen etwas gegenüber voraus hatte, allerdings von der akademischen Seite eher zurücklag. Da ich das Gefühl habe, daß dies in bestimmten Firmen ein Nachteil sein könnte, entschied ich mich diesen "Makel" durch einen MBA zu beseitigen. Ein zweiter Grund ist, dass meine weitere Karriere möglicherweise im Ausland stattfinden wird, wo ein MBA noch wesentlich anerkannter/wichtiger ist als in Deutschland. Last but not least gibt mir der MBA noch einmal die Chance, etwas komplett anderes zu machen und sehr viele Erfahrungen zu sammeln.

Warum diese Schule?

Obwohl ich bereits seit einer Weile mir vorgenommen hatte mich zu bewerben, habe ich damit erst im Januar 2003 gestartet. Damit schieden die meisten amerikanischen Schulen sowieso aufgrund der Bewerbungsfristen für mich aus. Allerdings war ich von vornherein eher an einem europäischen Programm interessiert aufgrund der höheren Internationalität, sowie der kürzeren Programmdauer.

Ich war mir ziemlich sicher, dass meine Berufs- und Auslandserfahrung für die TOP-Schulen ausreichend sein würde, allerdings war ich mir eher unsicher, wie meine akademischen Fähigkeiten sowie mein Abschluss bewertet würden (In vielen MBA Guides steht "Hochschulabschluss" als Zulassungsvoraussetzung). Daher hatte ich mir ursprünglich vorgenommen mich bei acht Schulen zu bewerben (Oxford, Cambridge, RSM, IESE, IMD, LBS, Columbia und INSEAD) um meine Chancen zu erhöhen. Ich stellte relativ schnell fest, dass ich mir ziemlich viel Arbeit vorgenommen hatte, gerade die Essays von Oxford, Cambridge, IMD und Columbia waren extrem umfangreich und sehr unterschiedlich, so dass es kaum Synergien gab.

Als ich im März meinen TOEFL und GMAT präsentierte und letzterer sehr positiv ausfiel, entschied ich daraufhin auf Oxford und Cambridge zu verzichten. An die anderen Schulen schickte ich meine Bewerbungen, und mit Ausnahme von IMD erhielt ich von allen eine Zusage. Da dies zeitlich sehr versetzt erfolgte, war es ein relativ nervenaufreibender Prozess, da ich mich für einige Schulen schon entscheiden musste, bevor ich die Zusage anderer Schulen hatte. Meine beiden Favoriten INSEAD und Columbia sagten als letzte zu.

Die Entscheidung war nicht einfach, da ich auf der einen Seite ein recht großes Interesse an "Finance" habe, was zusammen mit New York klar für Columbia sprach. Auf der anderen Seite stand ein kürzeres, stärker internationales, europäisches Programm mit der Chance, eine Fremdsprache (Französisch) zu vertiefen. Letztendlich fiel meine Entscheidung auf INSEAD, da ich auch mein zukünftiges Tätigkeitsfeld eher in Europa als Amerika sehe.

09.01.2004

Die erste Woche ist jetzt fast vorbei und ich habe mich schon recht gut eingelebt. Montag und Dienstag bestanden hauptsächlich aus administrativen Sachen, wie Registrierung, Bankkonto eröffnen, Telefon kaufen, Laptop konfigurieren und natürlich jede Menge Leute kennenlernen. Am Dienstag abend gab es die offizielle Eröffnungsfeier mit einigen Reden (Dean, Speaker of Board, Alumni etc.), war recht spannend, da es einiges über die Gründungsgeschichte von INSEAD zu hören gab.

Mittwoch morgen gibt es gleich die nächste Session, jetzt spezifischer zum MBA Programm. Gleichzeitig gibt es noch ein wenig Eigenlob über INSEAD, und wir werden bekräftigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Außerdem wird erzählt, wir wären der beste Jahrgang den es jemals gegeben hätte aufgrund eines neuen höchsten GMAT Durchschnitt von 707 Punkten. Mir kam das eher wie eine Ego Bestätigung für INSEAD als für uns rüber. Mittwoch, Donnerstag und Freitag gibt noch einige Informationsveranstaltungen zu unterschiedlichen Themen, und wir lernen unsere Sections und Gruppen kennen in den ersten Einführungsvorlesungen.

Hier fühle ich mich in meiner Entscheidung für INSEAD absolut bestätigt. Ich glaube kaum, dass es einen internationaleren MBA gibt. Meine Gruppe besteht aus einem Amerikaner, einem Polen, einem Chinesen, einem Libanesen und mir. Alle mit komplett unterschiedlichem Background. Die Vorlesungen sind sehr gut, vor allem die Professoren sind eine Klasse für sich. Eine der wirklich positiven Nachrichten ist, dass der Unterricht fast ausschließlich von den Professoren und nicht von ihren Assistenten geleitet wird, wie teilweise anderswo üblich. Generell ist mein Feedback über die erste Woche sehr positiv, vor allem die Leute in meiner Promotion.

17.10.2004

Am Samstag nach meinem letzen Beitrag hatten wir unseren "Outward Bound". Hierbei handelt es sich um einen Tag in den Wäldern von Fontainebleau garniert mit Übungen zur Stärkung der Gruppendynamik. Das Wetter spielte einigermaßen mit. Es war halbwegs sonnig und nicht zu kalt, das Programm soll allerdings wohl auch im strömenden Regen durchgezogen werden. Gut war, dass jeweils zwei Arbeitsgruppen ein Team bildeten, so lernt man schnell weitere Leute kennen. Abends waren alle müde, es gab allerdings keine Ausrede, denn es fand eine der größten Parties des Jahres in einem der umliegenden Chateaus statt. Die Party war entsprechend der Reputation die INSEAD diesbezüglich besitzt, sehr gut.

Am Montag begann der eigentliche Studienbetrieb. In der ersten Periode haben wir fünf Kurse und zwar: Financial Accounting, Financial Valuation, Uncertainty and Data Judgement, Prices and Markets und Leading Organisations. Die Professoren kommen genauso wie die Studenten aus aller Herren Länder. Hier sind jetzt schon einige Unterschiede festzustellen. Einige Professoren können den Stoff wesentlich interessanter rüberbringen als andere. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal sagen würde, dass der Statistik Kurs interessanter ist als der VWL Kurs. Mittlerweile haben wir auch festgestellt, dass die Professoren der letzen Woche zu den absoluten Highlights in INSEAD zählen.

Vieles ist mir zwar schon bekannt aus meinen vorherigen Studien, aber der Rhythmus ist hier ein ganz anderer. Die Professoren setzen voraus, dass wir denn Stoff bereits vorher gelesen haben und auch Übungen dazu gemacht haben, so dass in der Vorlesung der Stoff sehr schnell abgehandelt werden kann. Es gibt allerdings einmal pro Woche für fast jedem Kurs ein Tutorial (meist Samstags), was den Leuten helfen soll, die in der Vorlesung nicht mehr mit kommen. Momentan nimmt das wohl noch keiner in Anspruch, aber das wird sich wahrscheinlich in den nächsten Wochen stark ändern.

Durch die Vorbereitung auf die Kurse (Fallstudien, Lektüre, Übungsaufgaben etc.) ist man mit Arbeit schon recht gut eingedeckt. Es ist momentan aber noch zu bewältigen, allerdings kommt hinzu, dass man noch andere Aktivitäten hat. Diese Woche mussten sich bereits alle Interessierten für die Events der Investmentbanken bewerben. Nächste Woche kommen fünf Banken nach Fontainebleau (GS, Lehman, Citicorp, Morgan Stanley und Bank of America) und am Freitag dürfen 60 Leute nach London zur Deutschen Bank. Alle diese Events haben limitierte Plätze, daher wünschen die meisten Banken einen CV, um eine Vorauswahl zu treffen. Bei diesen Events handelt es sich um Firmenpräsentationen oder Case Studies, sowie Networking events. Es soll einen ersten Eindruck über die jeweilige Firma geben. Die Woche darauf müssen dann die Bewerbungen für die Summerjobs abgeschickt werden und Anfang Februar finden die ersten Interviews on Campus statt. Es gibt also außerhalb der Studienaktivitäten noch viele andere Sachen zu tun.

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