Inselstreit
Spanien fordert Rückzug Marokkos

Spanien hat Marokko am Freitag zum Rückzug von einer von beiden Staaten beanspruchten Insel aufgefordert, auf der am Vortag ein Dutzend marokkanischer Soldaten gelandet waren. Die Europäische Union (EU) erklärte, der Zwischenfall könne die Beziehungen zwischen der EU und Marokko belasten und drang auf eine schnelle Lösung.

Reuters MADRID. Die spanische Außenministerin Ana Palacio bezeichnete die Situation als "sehr ernst". Die Besetzung der kleinen Insel Perejil sei ein Vertragsbruch. In einer Erklärung der Europäischen Komission hieß es, Außenkommissar Chris Patten habe sich an den marokkanischen Botschafter gewandt und Besorgnis über die Lage geäußert. Zwischen der EU und Marokko existiert ein Abkommen, das regelmäßige politische Konsultationen, die schrittweise Liberalisierung des Handels und ein gemeinsames Vorgehen gegen illegale Einwanderung von Nordafrika nach Europa vorsieht.

Perejil liegt bei der spanischen Enklave Ceuta an der Nordküste Marokkos. Seit dem 17. Jahrhundert gehört die Insel zu Spanien, wird aber von Marokko beansprucht. Die marokkanischen Soldaten haben nach Regierungsangaben auf der Insel, die Marokko Leila nennt, einen Beobachtungsposten eingerichtet, um so Terrorismus und illegale Einwanderung in der Straße von Gibraltar zu bekämpfen. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte der amtlichen Nachrichtenagentur MAP, die Insel sei 1956 zum Ende des spanischen Protektorats befreit worden. Wann immer dies in der Vergangenheit notwendig gewesen sei, seien Sicherheitskräfte dorthin entsandt worden.

Der Streit um die Insel geht zurück auf die 50er Jahre, als Frankreich und Spanien ihre Protektorate in Nordafrika aufgaben. Spanien behielt auf Grund einer Vereinbarung aus dem Jahr 1956 die an der Küste gelegenen Enklaven Ceuta und Melilla. Marokko bestreitet jedoch die spanische Herrschaft über mehrere Inseln. Auf den Chafarinas-Inseln verstärkte das spanische Militär seine Präsenz. Die Inseln liegen nahe der marokkanischen Grenze zu Algerien an der Küste Nordafrikas.

Der Inselstreit ist eine weitere Belastung für die bereits gespannten spanisch-marokkanischen Beziehungen. Im Oktober hatte Marokko seinen Botschafter aus Spanien zurückgerufen. Die Beziehungen sind unter anderem wegen Meinungsverschiedenheiten über die Bekämpfung des Drogenhandels in der Straße von Gibraltar belastet. An der 20 Kilometer breiten Wasserstraße zwischen Europa und Afrika treffen Mittelmeer und Atlantischer Ozean zusammen.

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