Insgesamt 150 Erkrankte weltweit
Immer mehr Fälle der Lungenentzündung

Die mysteriöse Lungenentzündung löst weltweit Besorgnis aus. In Deutschland gab es am Montag vier weitere Verdachtsfälle.

HB/dpa/rtr FRANKFURT/GENF/HONGKONG. Die schwangere Ehefrau des auf einer Frankfurter Isolierstation liegenden Arztes aus Singapur und zwei Patienten in Leipzig, die mit derselben Maschine aus New York gekommen waren, haben entsprechende Symptome. Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit teilte am Montagabend mit, ein 1974 geborener Berliner, der am Sonntag von einer Shanghaireise zurückgekehrt sei, werde wegen Verdachts auf SARS behandelt. Auch in Kliniken von Großbritannien, Frankreich und Slowenien liegen Patienten mit Verdacht auf das Schwere Akute Atemwegssyndrom (Severe Acute Respiratory Syndrome/SARS). In Hongkong hat ein sprunghafter Anstieg der Verdachtsfälle neue Ängste vor der lebensgefährlichen Krankheit ausgelöst.

Es sei anzunehmen, dass die schwangere Frau des Arztes dieselbe Infektion habe wie der 32-Jährige, sagte die Infektionsexpertin des hessischen Gesundheitsministeriums, Angela Wirtz, in Wiesbaden. Der Ehemann und seine ebenfalls erkrankte Schwiegermutter seien in stabilem Zustand. Bei den seit Samstag auf der Frankfurter Isolierstation behandelten Patienten erhärtete sich der Verdacht auf eine Infektion mit SARS, da nahezu alle anderen Möglichkeiten inzwischen ausgeschlossen worden seien, sagte Wirtz. 83 Passagiere, die mit in dem Flieger saßen, sollen bis Samstag ihr Haus nicht verlassen.

Zwei Menschen, die Kontakt zu dem infizierten Arzt hatten, werden in Leipzig im Kompetenzzentrum für hochkontagiöse Erkrankungen untersucht. Bei ihnen seien Symptome wie starker Husten und hohes Fieber aufgetreten, sagte Christoph Lübbert am Montag im Städtischen Klinikum St. Georg. Beide saßen im Flugzeug, mit dem der Singapur- Reisende nach Frankfurt kam. Deshalb bestehe der Verdacht, dass sie an SARS erkrankt seien.

Die Berliner Gesundheitsbehörde berichtete, der am Sonntag aus Asien zurückgekehrte Mann leide unter Krankheitssymptomen wie Fieber, Muskel- und Halsschmerzen. Der behandelnde Arzt habe den Mann in seiner Praxis sofort isoliert. Der Patient sei am Abend mit einem Spezialfahrzeug in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Kontaktpersonen des 29-Jährigen seien in häuslicher Quarantäne.

In Großbritannien liegt ein Mann mit SARS-Verdacht im Krankenhaus, der am Sonntag aus Hongkong zurückgekommen war. Es ist nach Auskunft britischer Behörden noch nicht sicher, ob der Fall mit den Erkrankungen in Asien zusammenhängt. In Frankreich stünden zwei Patienten mit entsprechenden Symptomen wegen Verdachts, sich angesteckt zu haben, in Kliniken unter Beobachtung, berichteten französische Behörden. Es habe aber noch keinen bestätigten Fall gegeben. Weitere Details wie Ortsangaben wurden weder in Frankreich noch in Großbritannien gemacht. Im slowenischen Ljubljana wurde eine Frau mit Verdacht auf SARS behandelt.

Insgesamt stehen rund 150 Menschen unter anderem in Hongkong, Vietnam und Singapur unter Quarantäne. Allein in Hongkong stieg die Zahl der mit SARS-Verdacht in Krankenhäuser gebrachten Menschen am Montag von 41 auf 95, berichteten die Behörden.

Am Flughafen von Hongkong trugen einige ankommende Passagiere am Montag Atemschutz-Masken, um eine Ansteckung zu vermeiden. Auch Bus-Unternehmen forderten ihre Fahrer auf, einen Mundschutz zu tragen. "Ich habe solch eine Angst", sagte ein Taxi-Fahrer und deutete auf die Atemmaske auf dem Armaturenbrett seines Wagens. "Ich habe sie bisher nicht benutzt, aber ich wollte zumindest irgendwie vorbereitet sein". Fachleute gehen davon aus, dass sich die Krankheit durch Tröpfchen-Infektion überträgt. Zahlreiche Fluggesellschaften forderten ihr Personal auf, Passagiere mit klaren Krankheits-Symptomen nicht an Bord zu lassen.

In Kanada hat sich die Zahl der Infizierten nach Presseberichten unterdessen auf zehn erhöht. Ein Fall wird nach Rundfunkberichten in Australien untersucht. Bei zwei Asienreisenden auf dem Genfer Flughafen bestätigten sich entsprechende Befürchtungen dagegen nicht.

Auch in Österreich gibt es inzwischen einen ersten Verdacht auf eine Infektion mit der SARS-Lungenentzündung. Eine 51-jährige Frau, die am Sonntagabend aus China nach Österreich zurückgekehrt war, sei am Montagabend in ein Wiener Krankenhaus gebracht worden, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden der Stadt.

Die Frau sei über Frankfurt aus Shanghai gekommen und am Flughafen Wien-Schwechat durch Informationsblätter über die Symptome des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS) aufgeklärt worden. Die Patientin, die unter hohem Fieber gelitten habe, sei mit Antibiotika behandelt worden.

Mediziner der betroffenen Länder und Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) suchen mit Hochdruck nach der Ursache für das SARS. Die WHO schätzt die Krankheit als weltweite Bedrohung ein. Sie riet vor allem Asien-Reisende, auf Anzeichen wie Fieber, Muskelschmerzen, Heiserkeit, Atemnot und Husten zu achten. Die Organisation sieht aber keinen Anlass, Reisebeschränkungen nach Asien zu empfehlen.

Unklar sei aber noch, ob die bisher bekannten Fälle auf denselben Erreger zurückzuführen sind. Auch ein Zusammenhang mit der Infektionswelle in der südchinesischen Provinz Guangdong Mitte Februar könne noch nicht nachgewiesen werden, sagte der WHO-Vertreter Henk Bekedam am Montag in Peking. Der WHO liegt nun ein Bericht der Behörden aus China über die Lungenentzündung vor. Er enthält die Diagnose und das Behandlungsverfahren von rund 300 Fällen. Fünf Menschen waren in China an atypischer Lungenentzündung gestorben. Vier weitere Infizierte starben in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, in Hongkong und nach einer Asienreise in Kanada.

Nach Angaben des hessischen Sozialministeriums werden Proben aus Frankfurt derzeit in drei deutschen Hochsicherheitslabors untersucht: an der Universität Marburg, am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin und am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg.

RKI-Präsident Reinhard Kurth kritisierte das Verhalten des erkrankten Arztes. Es sei unprofessionell gewesen, ins Flugzeug zu steigen, sagte Kurth im ZDF-Morgenmagazin. Der Infektionsspezialist aus Singapur hatte in seiner Heimat Anfang März mit zwei Patienten aus Hongkong Kontakt, die an der Krankheit litten. Danach reiste der Arzt nach New York zu einem Kongress. Auf dem Rückflug nach Singapur über Frankfurt bekam er im Flugzeug plötzlich hohes Fieber und Schmerzen. Die Gesundheitsbehörde in New York prüft nach CNN-Angaben derzeit die Kontakte des Mannes in der Stadt.

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