Insgesamt 79 nordrhein-westfälische Kliniken bilden Med4com
Krankenhäuser kaufen gemeinsam ein

Die bevorstehende Einführung des Fallpauschalensystems für die Abrechnung von medizinischen Leistungen im Krankenhaus erhöht den Kostendruck auf die Kliniken in Deutschland.

FRANKFURT/M. Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, aber auch die bevorstehenden Einführung des Fallpauschalensystems, zwingt die rund 2 200 Krankenhäuser in Deutschland zu mehr Wirtschaftlichkeit. Um Sparpotenziale auszuschöpfen, schließen sie sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammen, die dank gebündelter Marktmacht bessere Preise aushandeln wollen. In Nordrhein-Westfalen wird mit Med4com eine der größten Einkaufsgemeinschaften im Krankenhaussektor entstehen. Gestern unterzeichneten die Essener Agkamed Kelm GmbH und die genossenschaftlich organisierte Klinikeinkauf Niederrhein-Westfalen einen Kooperationsvertrag, der auf einen späteren Zusammenschluss abzielt.

Schon jetzt bündeln die beiden Partner die Einkaufsaktivitäten von 79 Kliniken mit fast 30 000 Betten. "Wir können der Industrie konkrete Mengenzusagen machen und das schlägt sich positiv auf die Einkaufspreise nieder", sagt Agkamed-Geschäftsführer Ulrich Schiedek. Die angeschlossenen Kliniken bezahlten 0,64 % ihres Umsatzes als Beitrag. Die Einkaufsgemeinschaft, der bislang nur Häuser in öffentlicher und in kirchlicher Trägerschaft angehören, sei auch privat betriebene Kliniken zugänglich.

Da ein gemeinsamer Einkauf die Standardisierung der verwendeten Produkte voraussetzt, beschränkt sich die Zusammenarbeit der beiden nordrheinwestfälischen Gemeinschaft zunächst auf den medizinischen Bedarf der kardiologischen, chirurgischen, orthopädischen und radiologischen Abteilungen. Das Einkaufspotenzial für diese beziffert Schiedek auf bis zu 350 Mill. Euro. Würden sich alle Abteilungen an der Gemeinschaft beteiligen, würde das Potenzial auf 1,1 Mrd. Euro steigen. Zunächst werde geprüft, ob sich der Einstieg in den gemeinsamen Pharma-Einkauf realisieren lässt. Das würde das Marketing der Pharmafirmen, deren Referenten durch die Lande ziehen, um die Ärzte von den Vorzügen bestimmter Medikamente zu überzeugen, vor eine neue Herausforderung stellen.

"Für kleinere Krankenhäuser ist der Anschluss an eine schlagkräftige Einkaufsgemeinschaft schon heute zur Existenzfrage geworden", sagt Stefan Drauschke, Gründer der auf das Gesundheitswesen spezialisierten Unternehmensberatung GÖK Consulting aus Berlin. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts geben deutsche Kliniken pro Jahr mehr als 17 Mrd. Euro für Sachkosten aus. Wenn die medizinische Qualität nicht leiden solle, ist es Drauschke zufolge leichter, an diesem Drittel der gesamten Ausgaben im Krankenhausbereich zu sparen, als an den Personalkosten. Die Voraussetzung sei jedoch eine effiziente Krankenhauslogistik. "Die heutigen Einkaufsgemeinschaften müssen sich zu zentralen, strategischen Einkaufsorganisationen entwickeln", fordert er. Dafür seien jedoch heftige Widerstände zu überwinden in vielen Häusern, die ihre Einkaufskompetenz nicht abgeben wollten.

Außer der neugegründeten Med4com gibt es in Deutschland noch etwa zehn Einkaufsgemeinschaften, die über die ausreichende Größe verfügen, um gute Preise auszuhandeln. Zu ihnen zählen neben der in genossenschaftlichen PEG in München, der Einkaufsgesellschaft für Kommunale Krankenhäuser (EKK) des Deutschen Städtetages und der Einkaufsgemeinschaft der Universitätskliniken Magdeburg, Hamburg, Lübeck und Hannover auch der zentrale Einkauf größerer privater Betreibergesellschaften wie der Asklepios GmbH-Kliniken und Sana GmbH. -Kliniken

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