Inside Wall Street
Das tut weh: Der Verbraucher macht nicht mehr mit

Der Anleger ist nicht nur Teil des Marktes, der Markt ist auch Teil des Anlegers. Als schwache Verbraucherdaten die Wall Street am Donnerstag erneut in den Keller schickten, die Gewinne des Vortages binnen einer halben Stunde ausradierten, und die Verluste dreistellig wurden - da tat es weh.



New YORK. So fanden sich Käufer, die den lädierten Markt wieder einmal stützen wollten, und es gelang: Statt den Dow unter die 9500-Punkte-Marke zu drücken, katapultierte man ihn noch einmal über 9600 Zähler.

Wie nachhaltig dieser Auftrieb ist, ist indes fraglich. Denn zum einen ist das Handelsvolumen gering, nachdem es zuletzt vor allem an Verkaufstagen sehr hoch war. Und zum anderen hat das negative Markt-Momentum am frühen Morgen weniger mit Panik zu tun als mit einer einfachen Überlegung. Die schwachen Einzelhandelsverkäufe im Mai - man hatte mit einem Plus von 0,3 % gerechnet und bekam ein Minus von 0,4 % - lassen schwache Konsumentenausgaben erkennen, doch es war ausgerechnet der Verbraucher, der seit Monaten versucht, Markt und Konjunktur einen Weg aus der Krise zu zeigen.

Dass der Verbraucher schwächelt kommt indes nicht ganz überraschend. Die Konjunkturkrise - ja, vieles deutet auf einen Aufschwung hin, aber die Investitionen fehlen - schlägt auf den Arbeitsmarkt durch. Und obwohl die Arbeitslosenquote in der vergangenen Woche nicht wie erwartet auf einem neuen historischen Hoch, sondern bei relativ erträglichen 5,8 % gemeldet wurde, hat diese Auswirkungen.

Weniger über die Ursachen als vielmehr über die Folgen der schwachen Einzelhandelsverkäufe machen sich die Analysten von Salomon Smith Barney Gedanken: Im laufenden Quartal, so die Experten, dürfte die Güternachfrage am Markt um insgesamt 2 % zurück gehen. Dadurch, und verstärkt durch die weiter schwach fallenden Produzentenpreise, dürfte die Notenbank Fed weiter an ihrer Niedrig-Zins-Strategie der letzten Monate festhalten. Dies wiederum dürfte den Dollar belasten.

So beweist der Auftrieb am Mittag letztlich nur eines: Die Investoren hängen an ihrer Börse, sie wollen sich nicht weiter aus dem Markt zurückziehen. Das reicht indes nicht aus, die Kurse zu stärken. Zum guten Willen müssen sich Signale und dann Taten gesellen, dann kommt auch wieder frisches Kapital an die Börse, dann dürften Dow und Nasdaq wieder klettern.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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