Inside Wall Street: Die Börsenkolumne aus New York
4 000 – eine schreckliche Zahl inmitten der Rallye

An vier von sechs Tagen klettert die Wall Street um mehr als 200 Punkte - das ist für viele auf dem Parkett schlichtweg ein Witz. "Das hat mit den Quartalszahlen nichts mehr zu tun", sagt ein Händler am dicht umlagerten Stand von IBM, und nebenan schüttelt einer den Kopf und sagt: "Diese Rally hält nicht an."

wsc NEW YORK. Es gibt viele Zweifler an diesem Donnerstag, einer von ihnen ist der Portfolio Manager von JP Morgan Fleming Asset Management, Henry Cavanna. "Der Markt kann diese Gewinne nicht halten", sagt er. "Die Fundamentaldaten stimmen einfach nicht." Und diese allein seien es nicht einmal, so der Experte mit einem Blick auf die Konjunktur: Schwindendes Verbrauchervertrauen und sinkende Konsumausgaben markieren für ihn eine weitere Talfahrt. Cavanna: "Die Konjunktur zieht nicht an, im Gegenteil, sie wird immer schwächer."

Bestätigt wird er von schlechten Zahlen vom Arbeitsmarkt, von einem katastrophalen Bericht der Philie Fed, der die Aktivitäten im Produzierenden Gewerbe um 13 % gefallen sieht, und von den Quartalszahlen von Sears Roebuck. Die Kaufhauskette schloss im abgelaufenen dritten Quartal deutlich unter den Erwartungen des Marktes, der Verbraucher bleibt offensichtlich schwach.

Langfristiger Optimismus ist also nicht im Markt, das ist nicht zu übersehen. Allerdings unterschreibt auch nicht jeder die pessimistische Prognose von Steve Hochberg, dem Chef-Analysten von Elliott Wave International. Der rechnet nicht nur damit, dass die Wall Street nach einer kurzen Bärenmarkt-Rallye noch einmal unter die Tiefstände vom 10. Oktober fallen wird, sondern auch mit einem Absturz auf fürwahr historische Tiefs. "In den nächsten sechs Monaten wird der Dow mehr als die Hälfte seines Wertes verlieren", sagt Hochberg und nennt eine Zahl, die bei Anlegern Gänsehaut verursachen dürfte: 4 000!

4 000 - und damit nicht genug. Hochberg weiter: "In ein paar Jahren, wenn dieser Bärenmarkt einmal vorbei sein wird, dann werden die Blue Chips irgendwo um 1 000 Punkte notieren." Darüber mag nun mancher genau so lachen wie über die Oktoberrallye, die den Markt gerade fast täglich um 4 % nach oben drückt. Man mag nun die "1 000" als eine Provokation sehen, als ein einfaches Symbol, mit dem Hochberg nicht mehr als einen Trend ausdrücken will. Doch weiß man dem Analysten, dass er nicht irgendeiner Gruppe von Scharlatanen angehört, sondern einer renommierten Firma, die sich seit Jahren intensiv mit Chartbewegungen und den fundamentalen Daten des Marktes beschäftigt.

Elliott Wave International gehörten 1978 zu den ersten, die jene massiven Kursanstiege beschrieben, die die folgenden zwei Jahrzehnte prägen sollten. Das geschah seinerzeit im ersten Buch der Analysten. 1999 hielt CEO Robert Prechter auf einer Investorenkonferenz in New Orleans eine mittlerweile legendäre Rede über den bevorstehenden Bärenmarkt - wiederum als einer der ersten, die einen Trend sahen. Mittlerweile ist das zehnte Werk der Autoren auf dem Markt, es heißt "Conquer the Crash" und beschäftigt sich mit eben jedem Szenario, dass auch auf dem Parkett seit Wochen immer wieder hinter vorgehaltener Hand beschrieben aber nicht laut genannt wird: dem totalen Verfall der Kurse.

Ob der Dow tatsächlich jemals auf 1 000 Punkte fällt, ob er bei 4 000 Punkten einen Boden bildet oder auch irgendwo über diesen Horrormarken - es scheint der Mehrheit der Marktbeobachter sein sicherer Fakt zu sein, dass die aktuellen Kurse immer noch nichts mit der Realität zu tun haben, dass Aktien noch immer zu teuer sind und damit weiteres Potential nach unten haben.

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