Inside Wall Street -Die Börsenkolumne aus New York
Abby Cohen: Lachen über das Glücksbärchi

Hurra - Abby macht dem Markt wieder Mut. Die Chef-Strategin von Goldman Sachs glaubt wohl, durch eine kleine Revidierung ihrer Index-Prognosen ihren Ruf als Cheerleader abzulegen und wieder ernst genommen zu werden. So senkt sie auf Jahresfrist ihre Erwartungen für den Dow auf 10 800 Punkten, bisher hatte sie die Blue Chips bei 11 300 Zählern gesehen. Auch der S&P 500 schaffe höchstens die 1150 Zähler, solle nicht länger 1300 Punkte anpeilen.

Nun, der Schuss von Abby Joseph Cohen geht nach hinten los. Aus dem Parkett wird zwar über ihre Prognose geredet - aber vor allem auch gelacht. Die Kursziele für beide Indizes liegen jeweils mehr als 40 % über den aktuellen Ständen, und der breite Markt macht nicht im Geringsten Anstalten, zu einer Kletterpartie aufzubrechen.

Im Gegenteil: Zur Mittagsstunde rast der Dow bereits mit 200 Zählern ins Minus, die Nasdaq eiert um die Null-Linie herum und profitiert doch nur von einer technischen Reaktion, die den Wochen-Loser Cisco um bis zu 6 % ins Plus drückt.

Dass die ungehemmt bullishe Analystin zu Käufen raten und erklären, dass in die aktuellen Kurse "schreckliche Szenarien" bereits eingepreist seien, und dass sie "großes Potential nach oben" hätten, hilft ihr in der Kritik der Betrachter nicht.

Wo Abby nun auf eine Rallye hofft, und wo auch die Morgan Stanley-Gurus Barton Biggs und Byron Wien zum Einstieg in den Markt raten, da taucht aus dem Dickicht der Statistik eine Erhebung auf, die viel nachvollziehbarer und glaubwürdiger scheint als die Einschätzungen der Bullen. Die Experten von Bulls Eye Research haben sich mit dem Long- und Short-Volumen an den US-Börsen beschäftigt. Sie kommen zu einem erschreckenden Ergebnis, dass steile Kursstürze, einen Wash-Out, eine Kapitulation in greifbare Nähe rückt.

Die Zahl der rentablen Short-Aktien sei heute um fast 70 % höher als noch vor einem halben Jahr, sagt Analyst Tom R. Peterson. Auf seiner Liste stehen Dow-Giganten wie 3M und Procter & Gamble, aber auch das Kreditinstitut Household International und der Autohersteller Ford. "Papiere von Ford handeln wie Müll", sagt Peterson frustriert. "Wenn sich die Kreditsituation bei Ford verschlechtert, dann kommt eine Katastrophe auf uns zu, die Enron in den Schatten stellt."

Für Thom Chalandra, Kommentator beim Nachrichtensender CBS, stehen weitere dramatische Kursverluste für den breiten Markt unmittelbar bevor. Darauf deute das Short-Volumen zum einen, zum anderen orientiert er sich an einem Volatilitätsindex, der erneut in historische Höhen klettert - wie zuletzt im Juli, als die Märkte auf ein Zwischentief einbrachen. Von einer Konsolidierung geht Chalandra indes noch nicht aus, das Verhältnis von steigenden zu fallenden Aktien sei noch nicht drastisch genug.

Doch ohne Konsolidierung kein Aufschwung - das ist in Fachkreisen unumstritten, und darauf hat auch Art Cashin am späten Dienstagabend erst wieder hingewiesen. "Ein Zwischentief werden wir auch ohne Kapitulation sehen, einen endgültigen Boden nie", meinte der Parkettchef der UBS Paine Webber angesichts eines noch verhaltenen Anlegerpessimismus.

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