Inside Wall Street - die Börsenkolumne aus New York
Feuerwerk – Feuerwerk – Gewinnmitnahmen?

Nach dem US-Nationalfeiertag legen die Märkte eine überraschende Rally hin. Überraschend, weil die Arbeitsmarktdaten Optimismus nicht begründen. Die Fakten sprechen dafür, dass es sich um eine technische Erholung handelt.

NEW YORK. Ich hatte mir vorgenommen, das allzu naheliegende Wortspiel nun endgültig im Schrank verstauben zu lassen, doch wenn der Dow 270 Punkte und die Nasdaq um 55 Zähler zulegen, dann geht es fast nicht ohne. Also, hier ist es: Nach dem Feuerwerk zum "Independence Day" gibt es an der Wall Street ein Kursfeuerwerk. So, da ist es, war ja gar nicht so schlimm.

Etwas überraschend ist die plötzliche Stärke an den US-Märkten allerdings, und auf dem Parkett tut man sich mit Erklärungen schwer. Die eine sagen, man sei wohl einfach erleichtert darüber, dass es am Nationalfeiertag keine Attentate, keine Terroranschläge, keine Zwischenfälle gegeben hätte - doch das ist Nonsens. Schon vor dem 4. Juli hatte man über Angriffe zwar spekuliert, zumal das FBI das Militär in höchste Alarmbereitschaft versetzt und US-Bürger im In- und Ausland explizit zur Vorsicht gemahnt hatte, doch hatte man Angst nicht eingepreist.

Auch aus dem Arbeitsmarktbericht, der vor Handelsbeginn vorgelegt wurde, speist sich kein Optimismus. Denn zwar notiert die Arbeitslosenrate mit 5,9 % genau da, wo sie Analysten erwartet hatten. Doch zeigt ein Blick hinter die Kulissen, dass sich die Situation nicht wirklich verbessert. 26 000 neue Jobs hat die Wirtschaft im Juni geschaffen, Experten hatten auf ein Plus von bis zu 86 000 gehofft, zumal alleine in der Baubranche 14 000 Stellen geschaffen wurden - und dieses Plus ist rein saisonal bedingt. Die meisten Entlassungen gab es im produzierenden Gewerbe und im Einzelhandel.

Jetzt melden sich erneut die Skeptiker zu Wort. "Die Arbeitslosigkeit hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht", sagt William Sullivan von Morgan Stanley. "Wir werden in der zweiten Jahreshälfte noch weitere Jobs verlieren, die Quote wird deutlich über 6 % klettern."

Ein Blick zurück ist noch beunruhigender. Denn das Arbeitsministerium hat die Jobzahlen für März und April deutlich nach unten revidiert: Statt leichtem Wachstum steht nun ein Minus in den Statistiken, und damit steht der Konjunktur eine Verbesserung des Arbeitsmarktes nicht seit vier Monaten, sondern erst seit zwei Monaten zu Buche.

Ein Blick auf die Tagescharts einiger Aktien und Branchenindizes zeigt unterdessen, was wirklich hinter der Freitags-Rally steckt: Es ist eine technische Erholung. Zu den großen Gewinnern gehören vor allem die Aktien, die es in den vergangenen Wochen zerrissen hat, darunter einige High-Tech-Papiere wie Chiphersteller und Zulieferer, aber auch die Telekom - und Netzwerktitel sowie die Aktien der Biotech-Klitschen.

Ein Blick auf das Handelsvolumen zeigt zudem, dass die Rally nicht von Dauer sein muss. Nur wenige Käufer treiben die Kurse zum Wochenschluss - viele Marktteilnehmer sparen sich den verkürzten Handelstag und genießen ein langes Wochenende Upstate oder in den Hamptons. Wenn die Mehrheit der Investoren am Montag wieder aufs Parkett tritt, drohen Gewinnmitnahmen - zumindest bis zur nahen Stunde der Wahrheit. Denn am Montag beginnt die Ertragssaison, und im Laufe der nächsten Woche legen neben den Dow-Riesen Alcoa und General Electric auch Tech-Schwergewichte wie Yahoo und Juniper Networks vielsagende Quartalszahlen vor.

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