Inside Wall Street - Die Börsenkolumne aus New York
Kehrtwende der Experten: Der Optimismus ist weg

An der Wall Street schlägt man heute ein weiteres Kapitel einer endlosen Saga auf. Es geht um eine Konjunktur, die weiter Muskeln zeigt, und um einen Aktienmarkt, der sich überhaupt nicht beeindrucken lässt und weiterhin lahmt. Erneut gab es am Morgen starke Daten aus dem ökonomischen Umfeld, und erneut können die US-Märkte eine darauf aufbauende Rally nicht halten.

Nachdem man sich an starke Daten vom Bruttoinlandsprodukt über die Verbraucherausgaben bis hin zu Industrieproduktion und Produktivität gewöhnt hat und nachdem zum Wochenbeginn bereits der Einkaufsmanagerindex (ISM) für das produzierende Gewerbe stärker als erwartet ausgefallen war, ist es heute der ISM-Index über den Dienstleistungssektor, der Anleger frohlocken lassen sollte - immerhin macht der Service-Bereich einen Großteil der US-Wirtschaft aus. Doch dass der Indikator erneut und bereits den vierten Monat in Folge im Expansionsbereich liegt, lässt Marktteilnehmer kalt. Der Dow schoss zwar kurzzeitig um 100 Punkte ins Plus, gibt seither aber sukzessive nach, und Tradern auf dem Parkett bleibt nur ein Stirnrunzeln.

Dabei sind die Ursachen dieser Diskrepanz zwischen Konjunktur-Stärke und Markt-Flaute bekannt. Oft genug haben Analysten darüber sinniert, oft genug wurde auch an dieser Stelle darüber geschrieben: Anleger trauen der Konjunktur nicht, solange nicht von Unternehmensseite gute Nachrichten kommen. Und genau daran hapert es weiterhin. Nach einer doppelten Quartalswarnung von Flextronics, nach dem Hinweis von Hewlett-Packard auf ein "weiterhin schwaches Umfeld" und nach einer weiteren Warnung vom Software-Hersteller Tibco sieht es einfach nicht nach einer Verbesserung aus.

Und vor der nahen Intel-Konferenz am Donnerstag setzen sich Anleger erneut kritisch mit den Gerüchten der vergangenen Tage auseinander - und kommen ins Straucheln. Denn man ging bislang davon aus, dass der Chip-Riese bei seiner Quartals-Konferenz auf einen weiterhin schwachen PC-Bereich verweisen müsse, Anleger aber mit Prognosen auf Wachstum im Segment der Mobilfunk-Chips trösten würde. Dem widerspricht ein Kommentar von Ericsson-CEO Hellström am Morgen. Der Chef des schwedischen Handy-Herstellers meint, "dass wir auch in 2003 keinen Aufschwung sehen werden". Die Aktie von Intel gibt einen Tag vor der wichtigsten Konferenz dieser Woche noch einmal nach.

Außer der Intel-Konferenz wird Ende der Woche noch der Arbeitsmarktbericht die Kurse bewegen, und dieser ist nun der einzige Aspekt, der auch Konjunktur-Fanatiker ins Schleudern bringt. Denn zum einen rechnet man damit, dass die Arbeitslosenrate erneut gestiegen ist und auf einem historischen Hoch von 6,2 % notiert, zum anderen spricht der ISM-Arbeitsmarktindex als Frühindikator eine klare Sprache. Als einziger ISM-Index steht dieser nämlich nicht im Expansionsbereich. Ankündigungen weiterer Entlassungen von Hewlett-Packard und IBM am Dienstag sowie WorldCom heute künden nicht gerade von Licht am Ende des Tunnels.

Analysten vollziehen angesichts der Arbeitsmarktkrise und der schwachen Unternehmenszahlen die Kehrtwende. Nur noch 23 % der Wall Street Experten geben sich "bullish" - der Optimismus ist aus dem Markt gewichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%