Inside Wall Street - Die Börsenkolumne aus New York
Kolumne: First Pitch in Chicago, Home-Run an der Börse?

"There?s no Business like Show-Business", nicht einmal an der Wall Street. Selbst die Finanzwelt verfolgte am Freitagmorgen mit Spannung den Baseball-Krimi von New York.

NEW YORK. Dort standen sich diesmal nicht die Yankees und die Mets gegenüber, vielmehr waren Spieler und Team-Besitzer angetreten, um doch noch in letzter Minute einen Deal für die nächsten vier Jahre auszuhandeln und einen Streik zu vermeiden. Das ist nun gelungen - um 11.45 Uhr sickerte aus dem Headquarter der Profi-Liga durch, dass man sich geeinigt habe, und dass die Spiele am Freitag, am Wochenende und überhaupt für den Rest der Saison gesichert seien. Um 11.47 Uhr warf vor einem Hotel in Boston der Busfahrer der Red Sox den Motor an, um 11.58 Uhr saßen die Spieler auf ihren Plätzen und ab ging?s zum Flughafen. Drei Stunden dauert der Flug nach St. Louis, und dann haben die Spieler gerade noch Zeit, zum Busch Stadium zu fahren, den schwarzen Anzug gegen den weißen Dress zu tauschen - zum Warmspielen dürfte es schon nicht mehr reichen.

Das Prozedere lässt nur einen Schluss zu: Die beiden Parteien hatten sich schon seit Stunden, vielleicht schon seit Tagen näher gestanden als man es in den Verhandlungen hatte durchblicken lassen. Spieler und Besitzer spielten auf Zeit, versuchten letztlich nur noch, hier ein Milliönchen und da ein kleines Zugeständnis aus der Gegenseite herauszukitzeln. Ausgetragen wurde der Streit auf dem Rücken der Fans, und die hatten Stars und Manager zuletzt spüren lassen, was sie von dem Arbeitskampf hielten.

"Wenn ihr streikt kommen wird nicht wieder", stand drohend auf Schildern, die Fans im Stadion hochhielten. Viele waren auch schon gar nicht mehr erschienen. Nach einer relativ starken Saison waren die Zuschauerzahlen im Stadion wie vor den Fernsehern im August eingebrochen. Jetzt ist alles noch mal gut ausgegangen, bereits am frühen Nachmittag wird auf Chicago?s Wrigley Field das erste Spiel des Wochenendes angepfiffen. Zwei Stunden vor dem "First Pitch", dem ersten Ball, waren zwar die Spieler auf dem Weg, doch kaum Fans in Sicht.

Andernorts reagiert man schneller auf die guten Nachrichten. An der Wall Street schlagen einige Baseball-Aktien aus, allen voran die Papiere der Medien. Denn die berichten nicht nur über die Spiele und verdienen Millionen mit Werbung - sie besitzen selbst auch Teams und hätten im Falle eines Streiks auf Gewinne im achtstelligen Bereich verzichten müssen. So zählt AOL Time Warner die Atlanta Braves als einen Geschäftszweig, Walt Disney ist Eigentümer der Anaheim Angels, die Chicago Cubs gehören zum Verlagshaus Tribune und die L.A. Dodgers gehören Rupert Murdochs News Corp. Weitere Teams der Profiliga gehören Anheuser-Busch, Molson, Comcast und Cablevision.

Auch Unternehmen wie Coca-Cola, Pepsi und Pfizer können nach dem Ende der Verhandlungen aufatmen. Sie hatten teure Promo-Aktionen geplant, die auf der Kippe standen, nun aber stattfinden können.

Und dass man im Weißen Haus aufatmet - Beobachter hatten schon im Vorfeld erklärt, dass ein Baseball-Streik mit den Fans auch das Wahlvolk frustrieren würde und die regierenden Republikaner bei den Kongresswahlen im November Stimmen kosten könnte -, zeigt wahrscheinlich am besten, wie stark sich die Einigung von New York wirklich auf Land und Markt auswirkt. An der Wall Street spiegelt sich das wieder. Seit die Baseball-Sorgen vom Tisch sind, haben die US-Indizes noch einmal zugelegt, nachdem sie am Morgen schon von akzeptablen bis erfreulichen Zahlen aus der Konjunktur gestützt worden waren.

Am Mittag notiert der Dow sogar über den magischen 8736 Punkten - und so sieht es aus, als schaffe die Wall Street den Home-Run doch noch. Über 8736 zu schließen ist das Ziel, auch wenn es allein um die Statistik geht. Schließt der Dow schwächer, dann wäre er auch im August gefallen und damit den fünften Monat in Folge. Eine so lange Durststrecke hat die Wall Street seit mehr als 20 Jahren nicht gesehen.

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