Inside Wall Street - Die Börsenkolumne aus New York
Kolumne: Süßes stößt sauer auf

NEW YORK. Unterm Plastiktresen leuchtet es hellgelb und rosarot, und doch kennt der Amerikaner keine Skrupel und beißt Tag für Tag millionenfach herzhaft in den süßen Zuckerkringel. Und wenn am Nationalfeiertag Smarties in blau-weiß-rot auf die Glasur gebacken sind, und wenn der Donut zum St. Patricks Day in irischem dunkelgrün daherkommt, dann schreckt das niemanden ab, sondern es fördert den Verkauf.

Der Amerikaner liebt seine Donuts und deshalb ist es auch kein Wunder, dass Ketten wie Krispy Kreme regelmäßig starke Quartalszahlen vorlegen und von der Rezession ebenso wenig mitbekommen haben wie von den Terroranschlägen vor fast einem Jahr. Die Geschäfte laufen gut für Krispy Kreme, aber auch für die Konkurrenzketten Dunkin Donuts und Baskin Robbins, die zum britischen Lebensmittelriesen Allied Domecq gehört. Auch bei den Fast Food-Ketten McDonald?s, Burger King und Wendy?s läuft alles nach Plan.

Warum, fragt sich der Anleger, handeln die Aktien dann so schwach? Trotz starker Zahlen und eines weiterhin optimistischen Ausblicks, trotz positiver Analystenkommentare und einer Durchschnittsbewertung aus "Aggressiv kaufen" verliert das Papier von Krispy Kreme am Donnerstag mit einem Minus von 2 %. Experten wie Joseph T. Buckley von Bear Stearns sehen Einstiegskurse und gutes Wachstumspotential, doch keiner kauft.

Der Grund für die Marktschwäche ist nicht allein in der Bewertung der Papiere und in konjunkturellen Prognosen zu suchen. Vielmehr scheint Amerika mit jahrzehntelanger Verspätung zu erkennen, dass Fast Food nicht so gesund ist, und dass es der allgemeinen Gesundheit zuträglich wäre, wenn Verbraucher auf ein paar Burger und Donuts einfach verzichten könnten.

Nun wäre es ein wenig übertrieben, der USA eine Welle des Gesundheitsbewusstseins und einen Trend zu vernünftiger Ernährung zu bescheinigen. Und doch: Mancherorts geht man einen ersten Schritt in die richtige Richtung.

An kalifornischen Schulen, beispielsweise, sollen schon bald die Getränkeautomaten von Coca-Cola und Pepsi abgeschafft werden. Softdrinks sollen ersetzt werden durch Wasser, Milch und Fruchtsäfte. Die Schulbezirke dürfte das zwar Millionen kosten, denn die Brause-Konzerne hatten bisher gutes Geld gezahlt für das Recht, den Teenagern schon am Arbeitsplatz Penne auf die Pelle rücken zu dürfen. Doch hat man dort erkannt, dass die süßen Drinks die Kids nicht nur glücklich machen - sondern vor allem dick.

Die Anti-Zucker-Entscheidung aus Kalifornien macht in dieser Woche Schlagzeilen in allen großen Blättern, und wenn das Beispiel aus dem "Golden State" Schule macht, dann dürfte es auch auf die Verkaufszahlen der Fast Food-Ketten Auswirkungen haben. Obwohl sich ein neues Ess-Bewusstsein frühestens in einigen Jahren wirklich durchsetzen und Ergebnisse beeinflussen kann, so scheint doch angesichts der Nachrichten zumindest die Stimmung gegenüber den Ketten ein wenig skeptisch zu sein.

Ein Blick auf den Markt am Donnerstag zeigt den Trend an: Neben Krispy Kreme handeln auch Coca-Cola und Pepsi mit Verlusten. Im Minus stehen auch McDonald?s und die Aktie von YUM!-Brands, die einmal Tricon hießen und hinter den Schnellrestaurants Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken und Taco Bell stehen.

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