Inside Wall Street - Die Börsenkolumne aus New York: Kolumne: Verbrauchervertrauen gegen Vorkasse

Inside Wall Street - Die Börsenkolumne aus New York
Kolumne: Verbrauchervertrauen gegen Vorkasse

An der Wall Street liegen nicht nur Haufen von schmutzigem Schnee. Enron, Worldcom, Adelphia - die Liste der Skandal-Unternehmen ist lang - so lang wie die Liste der Analysten und Top-Manager, die in Insider- und sonstige Kursmanipulationen verstrickt sind.

NEW YORK. Da galten Wirtschaftsdaten als durchweg unabhängig, überparteilich, ein Hort der Tugend. Bisher jedenfalls. Jetzt musste die Universität von Michigan einräumen, dass ein Volkswirt regelmässig mit Aktien handelte - im Vorfeld der Veröffentlichung eines Kundenzufriedenheitsbarometers, an dessen Erstellung er beteiligt ist.

Freimütig räumte der 55jährige ein, vor dem Pressetermin die Aktien von Home Depot und McDonalds leerverkauft zu haben und dagegen die Papiere des Händlers Costco und dem Fast Food Konzern Yum - dazu gehören Kentucky Fried Chicken und Taco Bell - geordert zu haben.

Der Index mißt die allgemeine Zufriedenheit der US-Konsumenten mit Produkten und Dienstleistungen - von Heinz Ketchup bis hin zu Hilton Hotelzimmern. Die Wirtschaftsforscher sind auch in der Lage, ein Ranking der einzelnen Unternehmen des Index zu liefern. Bezahlt wird die vierteljährliche Studie von sogenannten Sponsoren: Unternehmen, die im Index vertreten sind, zahlen 30 000 bis 48 000 $ im Jahr für die Analysen. Von den Leistungen von Home Depot und McDonalds zeigten sich die Befragten bei der letzten Ausgabe weniger überzeugt. Solche Angaben sind für Investoren sicherlich interessant - besonders wenn sie vor dem breiten Publikum zu haben sind.

Künftig darf der börseninteressierte Wirtschaftsforscher seinen Broker erst nach der Veröffentlichung anrufen. Der Dekan der Universität hat angeordnet, dass die Gruppe, die das Kundenbarometer abliest, vor dem offiziellen Freigabedatum keine Geschäfte mit Aktien der im Index vertretenen Unternehmen mehr machen darf. Aus rechtlicher Sicht bewegt sich der börseninteressierte Volkswirt im grauen Bereich. Rechtsexperten sehen kaum eine Chance, den Wirtschaftsexperten mit dem Hang zur Praxis Insiderhandel nachzuweisen.

Der Vorfall wirft erneut ein Schlaglicht auf den regen Datenhandel der Univesität von Michigan. Die Forscher leben alles andere als im Elfenbeinturm. Die Hochschule ist nämlich auch Herausgeber des Verbrauchervertrauens. Die Erhebungen zum künftigen Konsumverhalten der US-Bürger bewegen regelmässig Kurse. Wer sich die Information vorab sichern will, muss 4 650 $ Jahresgebühr berappen. Zu den Kunden gehören Banken und Finanzdienstleister.

Der schwunghafte Handel ist der US-Börsenaufsicht SEC schon länger ein Dorn im Auge. Diese Praxis sei "unfair" und einer öffentlichen Universität nicht angemessen, ,meldete sich Mercer Bullard, früherer Leiter der Rechtsabteilung der SEC zu Wort. Diese quasi-öffentlichen Wirtschaftsdaten sollten seiner Ansicht nach reguliert werden. Vielleicht treibt den Kritiker aber auch der blanke Neid - Bullard ist Professor der University of Mississippi.

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