Inside Wall Street - Die Börsenkolumne aus New York
Schnaps statt Bier während der High-Tech-Flaute

Software top, Hardware flop - so einfach ist das nicht an der Wall Street. Die Analysten aller Häuser haben die großen Meldungen des Tages verarbeitet und kommentiert, doch ist hinter den News von Oracle, Apple und AMD einiges schwammig.

NEW YORK. Investoren tun derweil das einzig Richtige - nämlich nichts. Dow und Nasdaq handeln mit niedrigem Volumen nahe ihrer jüngsten Schlusskurse, und das ist zunächst mal ein gutes Zeichen.

Angesichts einer Flut schlechter Nachrichten - vor allem der Gewinn- und Umsatzwarnungen bei Apple, Applied Materials und dem Netzwerker Ciena - scheint es, als stemmten sich Anleger mit aller Kraft gegen weitere Verluste. Das ist nur vordergründig naiv. Denn zum einen werden sich weitere Einbrüche in allen High-Tech-Sektoren vielleicht ein wenig verzögern lassen, aufzuhalten sind sie jedoch nicht. Andererseits spricht momentan einiges dafür, dass Anleger kurzfristig denken und den Markt nicht mehr Warren-Buffett-gleich zur Langzeit-Anlage nutzen.

Und kurzfristig gilt es zunächst einmal, auf den Freitag zu schauen. Dann ist dreifacher Hexensabbat, und die Optionen auf Indizes und Futures laufen aus. Traditionell ist ein solcher Tag von hohem Handelsvolumen und großer Volatilität geprägt. Schaffen es Analysten und Investoren bis zum Wochenschluss, gute Miene zum Bösen Spiel zu machen, könnte der Markt weiter nach oben ausschlagen - und Gewinne noch eine Woche halten, denn dann ist nicht nur Monats- sondern vor allem Quartalsende. Und institutionellen Anlegern wie Fondsmanagern dürfte daran gelegen sein, Kurse auch wider besseres Wissen um langfristige Stabilität nach oben zu treiben, um ihre Performance aufzupolieren.

Widersprüchliche Lage

Langfristige Anleger kommen am Mittwoch allerdings ins Grübeln. Die "Book-to-Bill"-Ratio, das Verhältnis von eingegangenen Bestellungen und ausgelieferten Produkten, ist im Juni zum dritten Mal in Folge gestiegen. Und doch kürzt nicht nur der Chipriese AMD die Prognosen, sondern wollen auch die Kollegen aus der PC-Branche nichts von einer Verbesserung der allgemeinen Lage auf dem High-Tech-Markt wissen. Wieder einmal hören Aktionäre lieber auf den Pessimismus der Unternehmen als auf die doch nur noch vage optimistisch scheinende Zahl eines Marktforschungsinstitutes - entspringt die doch einigen Telefon-Interviews, während der Branchen-Pessimismus ein Abbild der Bilanzen ist.

Viel eher nachvollziehbar als die Wirren der Techs sind einige Zahlen aus der Bierbranche. Die leidet spürbar, denn der Sommer will in den USA nicht so recht beginnen. Während Deutschland unter der Hitzewelle schwitzt, verziehen sich Wolken über dem New Yorker Himmel nur langsam, immer wieder regnet es. Die Bier-Absätze sind in einem unerwartet kühlen Mai stark zurück gegangen - die Aktien von Anheuser-Busch, Adolph Coors und Boston Beer gehören zu den Verlierern.

Der schwache Aktienmarkt hat den Bierkonsum bislang indes nicht gestützt. Das liegt wohl weniger daran, dass den Anlegern schon das Geld für ein abendliches Bud fehlt, als vielmehr daran, dass nach manchem Handelstag ein Schnaps einfach besser schmeckt. Vielleicht sogar ein doppelter.

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