Inside Wall Street - Die Börsenkolumne aus New York
Thanksgiving in Las Vegas: Erst der Albtraum, dann das Vergnügen

Es ist kalt geworden in New York, und während die Tage immer kürzer werden scheint es doch, als würden zumindest die Stunden im Büro immer länger - ich bin urlaubsreif. Zwar ist der Weihnachts-Trip in den heimischen Schwarzwald noch ein paar Wochen entfernt, doch über Thanksgiving lockt Las Vegas. Am frühen Donnerstag geht?s los.

So groß die Vorfreude ist - in der Glitzerstadt in der Wüste von Nevada warten ein paar Freunde, Parties, Casinos und die ein oder andere Show -, ungetrübt ist sie nicht. Denn der Flug ins Zockerparadies dürfte ein Abenteuer für sich werden. Das Thanksgiving-Wochenende ist das hektischste auf amerikanischen Flughäfen, mit langen Schlangen am Check-in ist zu rechnen. Das liegt allerdings nicht daran, das einfach alle Flüge voll wären und halb Amerika auf ein Ticket wartet, sondern vor allem an den massiven Sicherheitsvorkehrungen, die für den Sturm der Millionen installiert worden sind.

Menschenmassen sind Risiko - wo Risiko ist, da steht das FBI. Das ist so seit dem 11. September letzten Jahres, und aus naheliegenden Gründen gilt das nirgends so sehr wie an den Flughäfen eines Landes, das bekanntlich innerhalb weniger Stunden vier Mal aus der Luft getroffen worden ist. An den Airports in den ganzen USA, und eben auch an meinem Abflugort Newark, wurden eigens zum Fest neue Sicherheitsvorkehrungen eingeführt, neue Screener angestellt, die "Schuhe aus!"-Politik ist mittlerweile Standard, Handgepäck wird untersucht,... selbst für Inlandsflüge warnen die Behörden, man solle nun schon drei Stunden vor Abflug am Schalter sein.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind es, die den Flug in den Urlaub in den ersten Stunden bis zum Take-Off zu einem Albtraum machen. Sie sind so zeitaufwändig, dass die Airports überlastet sind, obwohl man noch vor nicht allzu langer Zeit ganz andere Passagiermassen abfertigen konnte. Denn auch wenn die Flüge am Wochenende voll sind, auch wenn in jeder Achterreihe in den Süden auch wirklich acht Fluggäste sitzen, - über die Airline-Krise täuscht das alles nicht hinweg.

Nur noch 10 % der Thanksgiving-Touris nehmen in diesem Jahr den Flieger. Das sind zwar deutlich mehr als im Vorjahr, in dem den Amerikanern die Angst nach den Terror-Attacken des 11. September noch in den Knochen steckte. Doch liegen die Zahlen immer noch 15 % unter den aus dem Jahr 2000.

"Die Fluggesellschaften haben ihre Kapazitäten enorm beschnitten", meint Branchen-Analyst Raymond Neidl, der jüngst von der ABN Amro zum kleinen Brokerhaus Blaylock & Partners gewechselt ist. "Das Thanksgiving-Wochenende ist für die Unternehmen zwar das beste im ganzen Jahr, die Bilanzen rettet es aber nicht." Nach einem Verlust von 7,7 Mrd. $ im vergangenen Jahr geht Neidl davon aus, dass den Airlines in 2003 etwa 9 Mrd. $ fehlen werden.

Wie weit die Kapazitäten zurück gefahren wurden, merke ich beim Blick auf meinen eigenen Flugplan. Direktflüge von New York nach Las Vegas gab es schon vor Wochen nicht mehr - ich fliege auf dem Hinweg über San Francisco und muss auf dem Rückweg drei Stunden Aufenthalt in Washington, DC hinter mich bringen. Dafür kostet der Flug fast 400 $, vor zwei Jahren schlug der Trip in die Zockerstadt mit 200 $ zu Buche.

23 Prozent der Amerikaner ärgern sich über die hohen Preise, die natürlich eine direkte Folge der Kapazitätskürzungen bei den Airlines sind. Die Sparmaßnahmen im Service, der auf einem Fünf-Stunden-Flug oft nicht mehr als ein Sandwich bietet, nimmt man gerne in Kauf, nur mehr zahlen will man nicht. Aus einer Mecker-Liste des Internetproviders AOL geht indes einen Tag vor Abflug hervor, dass auch die beiden Hauptärgernisse wirtschaftlich bedingt sind: Die langen Schlangen und Wartezeiten, die 32 % kritisieren, und die Flugausfälle und-verschiebungen, die 31 % der User anprangern.

Letztere könnten am Donnerstag zu einem wirklichen Problem werden, da nun zu allem Unglück auch das Thanksgiving-Wetter verrückt spielt. Am Mittwoch schneit es in New York. Schnee im November gab es schon seit 13 Jahren nicht mehr, und auf den Flughäfen geht man damit alles andere als gelassen um. Selbst in Las Vegas soll es regnen, das sagt der Wetterdienst, obwohl der eigentlich wissen müsste, dass die Stadt mitten in der Wüste liegt.

Meinen Urlaub lasse ich mir von all dem nicht vermiesen. Eine andere Statistik zeigt mir nämlich, dass es mir am Ende gar nicht so schlecht geht: Während nämlich nur 10 % der Amerikaner ins Wochenende fliegen, nehmen 86 % das Auto. Und das Chaos auf den verschneiten Straßen spare ich mir wirklich gerne.

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