Inside Wall Street: Die Börsenkolumne aus New York
Vor der Zinsentscheidung: Wirkungen und Signale

Einen Tag vor der August-Sitzung der US-Notenbank brodelt es auf dem Parkett. Über die weitere Zinspolitik der Währungshüter wird wild spekuliert, und es fällt auf, dass sich viele Analysten und Händler zu klaren Prognosen hinreißen lassen, und nicht länger um den heißen Brei herumreden.

NEW YORK. In einem anhaltend volatilen Umfeld ist es immer mehr geboten, klar Stellung zu beziehen. Also: Die Fed wird die Zinsen am Dienstag nicht senken.

Dies nun so klar und deutlich zu schreiben, ohne "vielleicht" und ohne "wahrscheinlich" ist natürlich nicht leicht. Doch deutet in der Tat einiges darauf hin, dass der Offenmarktausschuss an den aktuellen Leitsätzen festhalten wird. Nach elf Zinssenkungen im vergangenen Jahr notieren die US-Zinsen bei 1,75 % auf einem 40-Jahres-Tief - doch ist es nicht allein diese Tatsache, die gegen eine weitere Senkung spricht.

Vielmehr ist die Frage, was eine weitere Senkung des Zinsen auf 1,5 % oder sogar 1,25 % bringen würde. Jeder Wirtschaftsstudent weiß, dass sich Veränderungen in der Zinspolitik auf die Ökonomie eines Landes erst nach Monaten auswirken, vielleicht erst nach einem Jahr. Sollte das Komitee um Alan Greenspan die Zinsen senken, hieße das, dass man auf Sicht von einem Jahr nicht mit einer maßgeblichen Verbesserung der US-Konjunktur rechne. Doch das würde genau dem widersprechen, was Chairman Greenspan erst vor zwei Wochen gegenüber dem Kongress erklärt hatte.

Außerdem hat Greenspan bereits in dieser viel beachteten Rede einige Konjunkturdaten besprochen, die auch weiterhin stark sind. Da wäre zum einen die Baubranche, die von einer Immobiliennachfrage auf Rekordniveau berichtet. Da ist zum anderen der Arbeitsmarkt, der eine Tendenz zur Verbesserung zeigt. Die Zahl der Entlassungen ist deutlich zurückgegangen, die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist in dieser Woche auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief gefallen. Auf dem aufsteigenden Ast notieren hingegen Durchschnittseinkommen und-ausgaben der Amerikaner.

Ein großes Argument, mit denen Analysten eine Zinssenkung zuletzt herbeispekulierten, findet sich indes in Japan. Eine Studie der Fed ist erst jüngst zu dem Ergebnis gekommen, dass die dortige Notenbank mit einer drastischeren Zinspolitik die Deflation in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre hätte verhindern oder zumindest mildern können. Der Wirtschaftsprofessor Dr. Irwin Kellner von der New Yorker Hofstra Universität sieht das auch, glaubt aber, dass die positiven Auswirkungen einer Zinssenkung von den pessimistischen Signalen ganz einfach überschattet würden. "Es würde den Markt und die Anleger zu sehr verunsichern, wenn die Fed nun plötzlich eine Zinsspritze für nötig halten würde", sagt er.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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