Inside Wall Street - Die Börsenkolumne aus New York
Wall Street: Von Schlachten, Kriegen und Vertrauen

Zurzeit geht es kriegerisch zu an der Wall Street, zumindest was das Vokabular der Analysten betrifft. Am frühen Morgen meinte schon Prudentials Chef-Ökonom Ed Yardeni, dass die Bären eine Schlacht gewonnen hätten, man den Krieg aber nicht verloren gebe.

NEW YORK. Und am Mittag erinnert Art Cashin von der UBS Paine Webber an den übereifrigen General Custer, der sich vor genau 126 Jahren einmal zuviel mit den Indianern unter der Führung von Crazy Horse angelegt hatte - er ging mit all seinen Soldaten unter. Cashin freut sich hingegen, dass Anleger am Dienstag "weder massakriert noch skalpiert werden", und zeigt dadurch doch erst, was man noch alles hätte befürchten können im aktuellen Bärenmarkt.

Abseits aller Ängste ist man zu Beginn der Handelswoche erst einmal erleichtert, dass die Bären gezähmt sind. Oder schlafen. Oder zumindest ein Nickerchen machen. Denn wie lange der Frieden anhält, dass weiß erneut niemand. Einige Marktexperten sehen den Doppelboden erreicht und für deren Argumentation spricht auf den ersten Blick einiges: Nachdem die Konjunktur der Börse seit Wochen vorantrabt, und lediglich die Kurse hinken, sind es am Dienstag die Papiere der großen Zykliker, die den Dow Jones in die Höhe treiben - allen voran DuPont, nachdem der Chemiekonzern seine Ergebnisprognosen für das laufende Quartal heraufgesetzt hat.

Ein zweiter Blick in den Standardindex zeigt dann auch wo der Hase läuft: Mit zu den Gewinnern gehören neben DuPont die Papiere von Alcoa, Honeywell und Caterpillar. Auch International Paper, 3M, Eastman Kodak und United Technologies notieren im Plus - während Philip Morris, Procter & Gamble und Coca-Cola die drei größten Verlierer stellen.

Für eine langfristige Erholung ist genau dies das richtige Handelsmuster. Lange haben Anleger ihr Geld in den Konsumtiteln gehalten, da diese als krisensicher gelten - Windeln und Zahnpaste werden schließlich immer gekauft, und auf seine Marlboro und eine gelegentliche Coke verzichtet der Verbraucher auch in der ärgsten Krise nicht. Dass die Anleger nun Geld abziehen und in zyklische Aktien investieren, spricht für eine gehörige Spur Optimismus, und ruft dennoch Zweifel hervor.

Zwei- bis dreitägige Rallyes hat der Markt in den vergangenen Wochen immer wieder gesehen, und keine konnte die Indizes bislang nachhaltig stützen. Meist, weil ein gewisser Grundoptimismus fehlte und sich manches kurze Hoch als Reaktion auf Short-Selling herausstellte. Wie viel Angst nun also noch im Markt ist, zeigt am Dienstag ein Blick auf den Nasdaq-Tageschart. Da geht es steil auf und ab, Anleger kaufen in großen Stil und stoßen dann wieder mit kleinen Gewinnen ab - von wirklichem Vertrauen keine Spur.

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