Inside Wall Street - Die Börsenkolumne aus New York
Worldcom- und GM-Schock: Der Pitt-Bull bellt, doch er muss beißen

Da war es wieder, das Zucken um die Mundwinkel, das die Unsicherheit an der Wall Street in diesen Tagen widerspiegelt. Dem Spezialisten für General Motors waren die Gesichtszüge entgleist, als er eine nicht nachvollziehbare Diskrepanz in den Kauf- und Verkauf-Kursen erkannte - er setzte die Aktie umgehend vom Handel aus.

NEW YORK. Was war passiert? - Gar nichts! Ein Gerücht war übers Parkett gehuscht, dass bei General Motors Ungereimtheiten in den Bilanzen aufgetaucht wären. Die Kurse brachen ein. Das Management des weltgrößten Autoherstellers dementierte sofort, und wenig später ging der Handel mit GM-Papieren weiter - ohne nachhaltige Verluste für die Anleger. Allein, die fünf Minuten Unsicherheit zeigten einmal mehr, wie angespannt die Stimmung an der Wall Street ist, nachdem sich erst am Vortag mit WorldCom nicht nur ein zweites Enron offenbarte, sondern ein Finanzskandal, der den um den einstigen Energie-Riesen deutlich in den Schatten stellte.

Der Markt ist nervös, auch über die GM-Episode hinaus. Ein Blick auf die Tagescharts der drei großen Indizes genügt, um zu sehen, dass die frühen Gewinne erneut keinen Bestand haben. Warum aber auch? Dass die Märkte am Mittwoch trotz der Worldcom-Krise eine Rallye hinlegten und nach anfänglichen Verlusten um bis zu 3 % letztlich doch nahe der jüngsten Schlusskurse aus dem Handel gingen, war keine vernünftige Reaktion auf die aktuellen Geschehnisse, sondern ein Ergebnis spekulativen Handels mit Short-Positionen. Wenn diese gedeckt sind, ist der Run auf Aktien wieder vorbei.

Daran dürften auf absehbare Zeit auch die Durchhalteparolen von US-Präsident George Bush und SEC-Chef Harvey Pitt nichts ändern. Lange hatte man dem Chef der Börsenaufsicht vorgeworfen, er sei zu weich, könne sich nicht durchsetzen, am Donnerstag wird nun aus Pitt der Pitt-Bull. Zumindest beim Börsensender CNBC freut man sich, der Mann werde nun durchgreifen. "Ich bin höllisch sauer und wir werden uns das nicht mehr gefallen lassen", soll er am Vorabend bei einem Dinner gesagt haben, und "das Vertrauen wird an die Wall Street zurückkehren". Mit Worten ist es aber nicht getan. Sie tun gut, sicher, doch wollen Investoren Taten sehen.

Erste Aktionen werden am Donnerstagmittag bekannt. Der ehemalige Worldcom-CEO Bernie Ebbers, sein Nachfolger John Sidgmore, Finanzchef Scott Sullivan und Jack Grubman, der umstrittene Telekom-Analyst von Salomon Smith Barney, sie alle wurden für den 8. Juli vor Gericht zitiert.

Des weiteren ist Schadensbegrenzung im Einzelfall angesagt. Unternehmen und Analysten beschäftigen sich mit den Auswirkungen des Worldcom-Desasters auf die Bilanzen anderer Unternehmen. Einige der größten US-Banken, so meldet Standard & Poor?s am Morgen, hätten gar nichts zu befürchten; JP Morgan, Citigroup und die Bank of America hätten so gut wie keine laufenden Kredite, die bestehenden seien gedeckt. Verschiedene amerikanische Versicherer hingegen müssen wohl mit Verlusten um etwa 5 Mrd. $ rechnen, so die Analysten von Moody?s.

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