Inside Wall Street - die Bösenkolumne aus New York: Kolumne: Panik drückt die Börse - und keiner stützt sie

Inside Wall Street - die Bösenkolumne aus New York
Kolumne: Panik drückt die Börse - und keiner stützt sie

Die Nervosität steigt, die Börse fällt. Immer weiter. Amerikaner fürchten Krieg und Terror und sind so besorgt wie seit den Attacken auf World Trade Center und Pentagon nicht mehr. Die Börse ist längst unter die entsprechenden Tiefstände gefallen - das Terrortief im September 2001 lag für den S&P 500 bei 965 Punkten und damit 6 % über dem aktuellen Stand -, und die Indizes stürzen weiter. Wer hält sie auf?

Zurzeit sieht es in den USA nicht so aus, als würde sich irgend jemand um die Märkte bemühen. Das Säbelrasseln von George W. Bush beruhigt weder Bürger noch Börsianer. Im Gegenteil: Vor Soldaten, die am Morgen aus dem Golf nach Florida zurück gekommen sind und die im Kriegsfall wieder dorthin verlegt werden, mimte der Präsident wieder den starken Mann und rückte einen Krieg rhetorisch noch näher. "Saddam Hussein glaubt, er könne noch einmal 12 Jahre Aufschub bekommen. Da liegt er falsch", tönte Bush und ergänzte: "Unser Land wird diese Gefahr für uns, für unsere Familien und für unsere Verbündeten nicht länger akzeptieren."

Wie groß die Gefahr ist, darüber soll erneut Hans Blix Auskunft geben - am Freitagvormittag (Ortszeit) spricht er erneut vor dem Weltsicherheitsrat. Dass der russische Außenminister erwartet, Blix könne einen Verstoß des Irak gegen die Resolution der Vereinten Nationen melden, sorgt ebenso für Unruhe wie ein weiteres Tonband von Osama bin Laden, der nun seinen eigenen Tod ankündigt. Er will als Märtyrer sterben "im Bauch des Adlers", wie er sagt - im Herzen der USA, wie man frei übersetzen darf.

Die Authentizität des Tonbandes ist nicht bestätigt, ebenso will am Donnerstag nicht einmal das Weiße Haus einen erneuten Waffenfund im Irak überbewerten. Diese Meldungen indes erreichen die Masse nicht, die erschrickt am Morgen über die Schlagzeile der "Daily News", in der von Cyanid-Alarm in New Yorks Krankenhäusern die Rede ist. Das FBI warnt unterdessen, dass man vor allem Schlüsselpunkte der US-Industrie und-Infrastruktur im Auge behalten solle, dort sei mit Anschlägen zu rechnen.

Aus London wird derweil die Verhaftung eines Mannes mit einer Handgranate auf dem Flughafen Gatwick gemeldet, nur Meter von der Wall Street entfernt wird am Mittag der Brooklyn Battery Tunnel gesperrt, der downtown Manhattan mit dem Stadtteil Brooklyn verbindet und eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt ist. Man hat ein "verdächtiges Paket" gefunden.

Die Regierung ruft Bürger derweil weiter dazu auf, sich für den Fall der Fälle auszurüsten und Taschenlampen, Batterien und Trinkwasser in Flaschen zu kaufen. Meist gefragter Artikel in amerikanischen Läden ist das so genannte "Duct Tape", das breite Isolier-Klebeband, mit dem Fenster und Türen abzudichten sind, falls es zu einem Angriff mit Bio- oder Chemiewaffen kommen sollte.

In die U-Bahn trauen sich mittlerweile nur noch hart gesottene New Yorker. Wer kann, der läuft zur Arbeit oder nimmt den Bus - nirgends ist die Gefahr, einem Angriff hoffnungslos ausgeliefert zu sein, so groß wie im Untergrund. Wer sich aber nicht mehr in die U-Bahn wagt, der bleibt erst recht der Börse fern, denn die scheint den Untergrund längst durchbrochen zu haben, sie ist auf dem direkten Weg in die Kurshölle.

Und tatsächlich hält niemand den Trend auf. Die amerikanischen Medien berichten mit offensichtlicher Begeisterung von den Bemühungen Washingtons, den Irak zu entwaffnen - "mit allen Mitteln". Man berichtet von Bedrohung, Warnung, Gefährdung, Fehlalarm und streut Panik, wahrscheinlich ohne sich über die Folgen einer Übersensibilisierung klar zu sein. Stimmung machen und Angst machen hat noch in keiner Krise geholfen, und es wird auch diesmal weder einen Krieg noch Terrorangriffe abwenden.

Dass es der Wall Street schadet ist ohnehin klar. Während die New Yorker Polizei den Tunnel nach Brooklyn wieder öffnet - noch ein Fehlalarm -, verliert der Dow schon wieder dreistellig. "Cash is king", sagt Paul Mendelsohn, der Chefstratege von Windham Financial Services. Man bleibt im Geld, hält Abstand zu Aktien. Zu groß ist die Angst, zu wahrscheinlich ein weiterer Absturz der Märkte.

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