INSIDE WALL STREET
Helio Castroneves gibt Gas

Die Börsenkolumne aus New York - Von Lars Halter

wsc NEW YORK. Wer ist Helio Castroneves? Ein Nobody in Deutschland, ein Superstar in Amerika. Am Montag versucht die Börse alles, noch einmal Gas zu geben, und besagter Castroneves hilft. Der Mann hat am Wochenende die "Indy 500" gewonnen, eines der berühmtesten Autorennen der Welt. Mit Vollgas kennt er sich aus, und wenn er die traditionsreiche Glocke an der Wall Street läutet ist Castroneves ein weiterer Hoffnungsträger, der noch einmal Dampf in den Markt bringen soll.

Ansonsten gibt es am Montag wenig, was den Markt stützen könnte. Allerorten zerbröselt Hoffnung. Zum Auftakt hatte man noch - "History repeats itself" - darauf gesetzt, dass der Markt gestärkt aus dem Memorial Day Weekend hervorgeht. Seit Jahrzehnten ist das fast immer so - nicht so in diesem Jahr. Dass der Dow nicht nur fallen, sondern auch gleich die 10 000-Punkte-Marke durchbrechen musste, hat auch dem besterholten Anleger den letzten Mut geraubt. Ein vierstelliger Wochenstart, da sehnen manche schon das Wochenende herbei.

Auch die Konjunkturdaten waren nicht, was sie auf den ersten Blick versprachen. Grüne Pfeile, schön und gut. Doch hinkt das Verbrauchervertrauen den nicht eben üppigen Erwartungen hinterher, und auch die Konsumentenausgaben liegen nicht auf Höhe der Erwartungen. Zuletzt war es immer wieder der Verbraucher gewesen, der ein wenig Kraft in den Markt gedrückt hatte, doch auch dem geht langsam die Puste aus.

Mittlerweile geht es sogar Verbrauchers Lieblingsaktie an den Kragen: Home Depot ist am Dienstag erneut schwächster Performer im Dow Jones, in der Vorwoche hat der "US-Obi" bereits 10 % seines Marktwertes verloren. Dass Bear Stearns am Morgen einige Kaufhäuser empfiehlt, spielt da nur noch eine untergeordnete Rolle.

Grundsätzlich ist die Stimmung einfach nicht nach kaufen. Das liegt zum einen an der nach wie vor schwelenden Angst vor weiteren Terror-Angriffen. Jonathan Murray, Vizepräsident beim Brokerhaus Legg Mason, sagt: "Auch ohne aktuelle Warnungen sitzt die Angst tief. Wir müssen lernen, damit zu leben, aber es dauert einige Zeit." Und zum anderen hat selbst der verschlafenste Investor mittlerweile gemerkt, dass sich die Börse auch bei optimistischen Konjunkturdaten eine Auszeit nimmt. John Forelli, Manager des John Hancock Core Value Fund, sieht für Investoren keine Eile, in den Markt zu gehen. "Über den Sommer verpassen wir nichts", sagt er am Morgen und rät zum Einstieg nicht vor September.

Am Mittwoch wird man sehen, ob Bleifuß Castroneves dem Markt langfristig Kraft gibt. Viel spricht nicht dafür, denn der Mann ist nicht eben Gelände- oder gar Bergerprobt. Bei "Indy 500" geht es immer im Kreis herum.

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