Inside Wall Street
Kolumne: Börse sauer - Frau Kozlowski haut den Ex raus

Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage schlägt eine "Ex" zu und nimmt massiv Einfluss auf die Börse. Doch während die eine, ehemals mit GE-Boss Jack Welch liiert, ihren Ex-Mann in höchste Schwierigkeiten brachte, mimt die andere die Retterin und erspart dem obersten Tyco-Ganoven Dennis Kozlowski den Knast. Ex-Gattin Angela zahlt die Kaution in Höhe von zunächst 10 Mio. $

Die Börse reagiert in beiden Fällen gleich - mit Kursverlusten. Denn in der größten Vertrauenskrise in der Geschichte der Wall Street gab es manchem Amerikaner den Rest, als er vom völlig maßlosen Pensions-Paket des ehemals so integren Jack Welch hörte. Oder wenn er heute sieht, das Dennis Kozlowski nun doch (vorerst) nicht hinter Gitter muss.

Denn Kozlowski konnte das Gerichtsgebäude in Downtown New York am Mittag als freier Mann verlassen, obwohl man ihn längst im Knast gewähnt hatte. Doch war hier bei vielen Anlegern wohl der Wunsch Vater des Gedanken. Denn obwohl die Behörden alle Konten des Tyco-Chefs gesperrt und ihm sogar die Karten für den Bankautomaten entzogen hatten, konnte der natürlich noch auf ausreichend Geld zugreifen - wenn auch auf das seiner Frau.

Für Anleger ist das ein Schlag ins Gesicht, denn während in den vergangenen Tagen immer mehr Details über das verschwenderische Leben Kozlowskis ans Licht gekommen waren, stieg die Wut derer, deren Aktienvermögen dafür drauf gegangen ist. Wer als Familienvater in Illinois mit Tyco-Aktien 6000 $ verloren hat, der wird nur schwer fassen können, dass das Unternehmen dem CEO für eben diese Summe einen Duschvorhang gekauft hat. Wer 17 000 $ verloren hat, der hat vielleicht den Schirmständer in Form eines Hundes finanziert. 600 Mio. $ soll Kozlowski laut der 95-seitigen Anklageschrift veruntreut haben, 170 Mio. $ werden ihm direkt als Diebstahl vorgeworfen.

Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Tyco-CFO Mark Swartz sind nicht weniger schwerwiegend, nur die Zahlen fallen etwas geringer aus. Swartz musste deshalb auch nicht 10 Mio. $ Kaution berappen, sondern nur die Hälfte. Er deckt die Zahlung mit Tyco-Aktien. Angesichts der Tatsache, dass er genau diese durch seine kriminellen Machenschaften an der Konzernspitze erarbeitet hatte, ist diese Art der Zahlung natürlich lächerlich.

Das findet übrigens auch Staatsanwalt John Moscow. Der protestierte gegenüber Richter Michael Obus dagegen, die Kaution anzuerkennen, da diese aus kriminell erworbenen Mitteln komme - doch Obus wollte zunächst den Fall Tyco vom Tisch haben. Er stellte dem Staatsanwalt frei, in einer weiteren Vorverhandlung am 27. September Einspruch zu erheben. Ob es dazu kommt ist unklar, denn die Anklage konzentriert sich bereits auf die Hauptverhandlung, die unter Umständen bereits im Frühjahr stattfinden kann.

Sollten Kozlowski und Swartz dann für schuldig befunden werden, drohen ihnen jeweils bis zu 30 Jahren Haft. Wenn bei einem entsprechenden Urteil die Börse positiv reagiert, dann dürfte das keine pure Schadenfreude der Anleger sein. Es wäre vielmehr ein Zeichen des Optimismus, ein Beweis dafür, dass Investoren wieder an Gerechtigkeit in Corporate America glauben.

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