Inside Wall Street
Kolumne: Das Wetter und die Börse

Manchen spielt das Wetter übel mit. Deutschland hatte im Sommer unter einer Jahrhundertflut und am Wochenende unter einem schlimmen Orkan zu leiden, am Mittelmeer tobte das Tief "Ornella", Erdrutsche nach Regenfällen zerstören Dörfer in China, anderswo entfachen zu heiße Sommer Waldbrände, Springfluten bedrohen asiatische Küsten,... viel Gutes kam von Petrus in diesem Jahr nicht.

NEW YORK. Die USA sind - abgesehen von einigen Camp-Feuern im Westen - in 2002 wettermäßig noch ganz gut weggekommen. Zum Jahresende allerdings müssen die Amerikaner bibbern. Im Oktober friert vor allem die Ostküste bei Temperaturen, die man sonst frühestens Ende November erwartet hätte, und Meteorologen rechnen mit einem Winter, der an die Kältewelle von 1998 heranreichen könnte. Damals waren die Temperaturen nachts auf bis zu minus 20 Grad gefallen.

Doch während die Mehrheit bibbert, freuen sich einige wenige über die Kälte, allen voran die Einzelhändler, die am Dienstag unerwartet starke Oktoberverkäufe vorstellen können. Das katastrophal schwache Verbrauchervertrauen, das auf ein 10-Jahres-Tief abgesackt ist, macht dem Sektor zwar dennoch schwer zu schaffen, doch hält man mit der Meldung dagegen, dass vor allem Wintermode den Ketten die Umsätze im Herbst gerettet hat.

Doch auch ohne den kursmindernden Effekt eines schwachen Verbrauchervertrauens liest sich die Meldung aus dem Einzelhandel nur oberflächlich gut. Zwischen den Zeilen zeigen sich die wahren Probleme der Branche. Der Konsument hat nämlich seine Kaufgewohnheiten geändert. Bei steigender Angst vor Arbeitslosigkeit, der Angst vor einem eventuellen Irak-Krieg und vor dem Hintergrund der allgemein schlappen Konjunktur sind die Amerikaner auch da sparsam, wo sich Ausgaben nicht vermeiden lassen: Sie kaufen beim Discounter.

Lediglich die Ergebnisse der großen Billig-Ketten wie Wal-Mart und J.C. Penney lagen über den Erwartungen der Analysten, und auch diese verzeichneten Wachstum nur während der ersten beiden Wochen des Monats. Bereits seit einigen Tagen fallen die Umsätze wieder, und die Tendenz macht Branchenkennern nun wirklich Sorgen: Schließlich geht es mit Riesenschritten auf das Weihnachtsgeschäft zu. Für dieses nehmen Analysten nun bereits ihre Prognosen zurück.

"Es sieht sehr schlecht aus", klagt Mike Niemira, Chef-Volkswirt bei BTM. Niemira hatte dem Weihnachtsgeschäft noch vor wenigen Wochen ein Umsatzplus von bis zu 3,75 % gegenüber der Saison letzten Jahres prophezeit, jetzt rechnet er mit einem Plus von 2 %. "Das ist alles andere als eine gute Performance", sagt er.

Während sich die billigen Kleiderketten und Discountmärkte allerdings vergleichsweise wacker schlagen dürften, sind es andere Branchen, denen ein schwacher Geschäft in der wichtigsten Saison des Jahres noch einmal tiefe Wunden schlagen könne: Die Elektronikhändler gehören dazu, mit ihnen die High-Tech-Hersteller samt ihren Zulieferern. Mit diesem indes dürften vor allem an der Nasdaq die Kurse noch einmal einbrechen, was weiter zu sinkendem Verbrauchervertrauen führt.

Denn es stimmt nicht, was viele seit Monaten munkeln: Die Nasdaq interessiert schon lange keinen mehr. Im Gegenteil: Verluste von mehr als einem Drittel in diesem Jahr senden eine deutlichere Negativ-Botschaft als die etwas geringeren Einbußen der Blue Chips. Der Sturz der Nasdaq wird von der Marktforschungsgruppe "The Conference Board" als drittwichtigster Grund für die konjunkturellen Sorgen der Bevölkerung genannt

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