Inside Wall Street
Kolumne: Lupo und die Dow-Zocker

Wer richtig setzt, der kann bei Stardust eine Menge Geld machen. Dass dabei die Quoten für den Wetter reizvoll, für das Büro aber nicht zu teuer sind, dafür ist Lupo verantwortlich.

Doch Lupo ist nicht nur dem Sport verfallen. Er hat Wetten organisiert auf die Oscars und die MTV-Awards, auf den Sieger bei der Fernsehshow "Survivor" und die Amtsenthebung von Präsident Clinton nach dem Lewinsky-Skandal. Für vieles hat Lupo einfach den richtigen Riecher, bei manchen Wetten hilft ihm Insiderwissen. Dass in der Mafia-Serie "The Sopranos" als erstes Opfer Jackie Aprile erschossen würde, war ihm schon lange klar. Erstens hatte der sich mit Tony Soprano angelegt - und außerdem war er der einzige, dessen Vertrag mit dem Filmstudio auslief.

Der Seiltanz zwischen Bauchgefühl und Insiderwissen hat Lupo sehr erfolgreich gemacht - in Zockerkreisen ist er eine Legende. Doch jetzt bewegt er sich auf ungewohntem Terrain. Für einen US-Börsensender sollte er auf den Dow setzen. Als Sportfan und Serien-Junkie hat Lupo in Finanzkreisen kein Insiderwissen. Auch darf bezweifelt werden, ob ihn sein Football-Näschen zwischen Hausse und Baisse sicher führt. Und trotzdem legte sich der Buchmacher fest - nachdem er in Fachkreisen recherchiert und die Charts von Dow Jones und einigen wichtigen Werten analysiert hatte.

Diese Analyse führte den Laien zu folgenden Aussagen: Aufgrund der historischen Performance des Marktes ist eine Rallye überfällig. Der aktuelle Bärenmarkt ist mit einer Dauer von 30 Monaten deutlich länger ist als die durchschnittliche Neun-Monats-Flaute. Nach dramatischen Kursstürzen über längere Zeit erholt sich der Markt im historischen Mittel mit einem Plus von 30 %. Außerdem weiß er: "Sobald der Markt den Blick in die Zukunft lenkt, und nicht länger unter den kurzfristigen Ängsten um Krieg, Terrorismus und die Vertrauenskrise leidet, geht es wieder aufwärts."

Nun hält Lupo eine Rallye im nächsten Jahr für sehr wahrscheinlich. Ein Aufschlag von 30 % auf den Dow vom Mittwoch würde die Blue Chips auf 10 600 Punkte katapultieren - bis Jahresende 2003 müsse der Dow also fünfstellig notieren. Wer darauf wettet, bekommt nur das 1,4-fache seines Einsatzes ausbezahlt. Für etwas riskanter hält Lupo eine Wette auf einen Dow über 11 000 Punkten, die Quote darauf hat er auf 2:1 festgesetzt.

Wirklich interessant wird das Spiel hingegen für die Bären. Wer den Dow in den 7000ern sieht, bekommt das 4,5-fache seines Einsatzes ausbezahlt. Ein Dow in den 6000ern bringt das Fünfzigfache und mit einem Tip auf den Dow unter 6000 Punkte kann der Wetter unter Umständen sogar das Hundertfache seines Einsatzes kassieren.

Damit könnte mancher Investor einen guten Teil seiner Verluste wieder gut machen - allein, die Quoten hat Lupo nur zum Zeitvertreib ermittelt. Der Staat Nevada, in dem sein Büro Stardust residiert, verbietet Wetten auf alles, was nicht mit Sport zu tun hat. So wird es nichts mit dem Zocken auf den Dow. Aber über Lupos Prognosen nachdenken, kann zum einen nicht schaden, und zum anderen zeigt es eine bittere Wahrheit. In einem zur Zeit weitgehend planlosen Markt sind selbst professionelle Anleger und Fon-Manager dem Glücksspiel näher als sie es vielleicht wahr haben wollen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%