Inside Wall Street
Kolumne: Vom Rauchen und von rauchenden Kursen

Eine harte Woche liegt hinter den Börsianer in New York.

Vom Winde verweht, schaukelt die Wall Street dem Wochenende entgegen. Wie so oft an einem Auslauftermin für Optionen und Futures, konzentriert sich der Handelstag auf die erste und dann wieder auf die letzte Handelsstunde. Zwischendrin geschieht mit einem recht flauen Handelsvolumen recht wenig. Bei den Händlern auf dem Parkett der New Yorker Aktienbörse ist Langeweile angesagt. Der Kneipenbesuch vom Vortag ist das Thema, nicht die Geschehnisse an der politischen oder gar der Ertragsfront.

Nach einer derart harten Woche, mit fast täglich nachhaltigen Ertragswarnungen, hechelt man mit einem schweren Kater der Schlussglocke entgegen. Nach der Warnung von J.P. Morgan am Mittwoch, Morgan Stanley und EDS am Donnerstag, scheint Corporate America den Investoren am letzten Handelstag der Woche eine Pause zu gönnen. Man mag es kaum für möglich halten, aber es gibt zur Abwechslung sogar einmal gute Nachrichten. Qualcomm, ein Spezialist für CDMA Funktechnologie, revidiert die Prognose für das laufende und nächste Quartal nach oben. Dank der robusten Nachfrage dürften die Stückzahlverkäufe von Chips im laufenden Quartal um 20 Mio. steigen. Ein Trend, der sich auch im noch anbrechenden Quartal fortsetzen soll. Die Denker an der Wall Street, die in den dunklen Gängen der Brokerhäuser mit Rechenschiebern und Statistiken vergraben sind, zeigen sich zufrieden. Die Analysten von Goldman Sachs trauen dem Wert Kurse um 35 $ zu.

Um den Eindruck überschwänglicher Euphorie erst gar nicht aufkommen zu lassen, bleiben wir dann auch gleich bei den insgesamt doch recht schwachen Chipwerten. Der Abwärtstrend dauert ungebrochen an, so, wie es in einem September eben sein muss. Der schlechteste Börsenmonat des Jahres muss seinem Image gerecht werden. Sowohl die Aktien von Micron Technology wie auch Texas Instruments leiden unter negativen Analystenkommentaren. Während Bear Stearns am Horizont von Micron so ziemlich alles sieht, nur keinen Aufschwung, säbelt Salomon Smith Barney die Gewinnaussichten von Texas Instruments ab. Nicht nur um einen Kopf, sondern gleich bis hin zu den Hüften. Im kommenden Jahr sei nicht mehr mit einem Gewinn von 75 Cent, sondern nur noch 60 Cent zu rechnen. Nachdem das Kursziel seit der Empfehlung immer weiter auf Abstand rückt, stutzt der Analyst es auf ein gerechtfertigtes Niveau zusammen. Statt 30 $ - also einem 100 % Anstiegspotential - sinkt das Ziel nun auf 15 $ - also einem Verlustrisiko von 17 %. Haaallloooo???? Aber hat hier jemand etwa Gras geraucht?

Apropos rauchen. Tabak ist auch nicht mehr das was es mal war. Statt verrußter Lungen und einem robusten Ertragswachstum, droht das Volk der Nichtraucher zu wachsen und das Ertragswachstum ins Stocken zu geraten. Sowohl Goldman Sachs wie auch Morgan Stanley sprechen sich gegen die Sparte aus. Auf Sicht der nächsten 6 bis 12 Monate brauchen Investoren weder bei Philip Morris noch bei R.J. Reynolds an einen Einstieg denken. Der zunehmende Preiskampf in den USA und der Einzug von Billigmarken dürfte bei den Marktführern Narben hinterlassen - in den Bilanzen

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