INSIDE WALL STREET
Über den Verbraucher: Richtige und falsche Schlüsse

Was für ein Wochenauftakt. Dow Jones, Nasdaq und der S&P 500 verlieren jeweils 3 %, die Richtung ist klar: Die Märkte zieht?s in Richtung der Juli-Tiefstände.

NEW YORK. So hat der September mit einer Flut negativer Nachrichten aus dem konjunkturellen Umfeld begonnen. Der Einkaufsmanagerindex zeigt zwar Wachstum im Bereich des Produzierenden Gewerbes, aber lediglich auf dem Niveau des Vormonats. Die Daten zu Produktivität und den neuen Bestellungen sind gesunken, die Zahl der Entlassungen ist hingegen um fast 50 % gestiegen - auf ein Sechs-Monats-Hoch.

Damit stehen die Zahlen gegen den Optimismus des Wirtschaftsprofessors und Konjunkturexperten Dr. Irwin Kellner, der noch wenige Minuten vor Bekanntgabe der neuesten Daten auf den Konsumenten bauen wollte. Es sei zu oberflächlich, so Kellner, den Verbraucher abzuschreiben. Sicher, nach all den Skandalen in den Vorstandsetagen amerikanischer Konzerne, nach all den Skandalen unter führenden Analystenhäusern, mit Blick auf die fortschreitende Krise im Irak und angesichts der Unsicherheit vor dem ersten Jahrestag der Terroranschläge am 11. September hätte König Kunde allen Grund, sein Portemonnaie mit beiden Händen zu umklammern.

Doch müsse dem nämlich gar nicht so sein. Denn, so Kellner, gerade vor dem Hintergrund des Misstrauens und des Unwohlseins ziehe es den Verbraucher in die Shopping Malls. Einkaufen als Therapie? Wünschenswert wäre das natürlich, für Konjunktur und Börse würde das wohl den nachhaltigen Aufschwung bringen - aber leider sprechen alle Zahlen der vergangenen Wochen eine ganz andere Sprache.

Das Verbrauchervertrauen ist niedrig, von Verdrängung durch Kaufrauch gar nichts zu sehen. Und wenn Kellner noch am frühen Morgen gesagt hatte, dass die Kunden dank niedriger Zinsen und ihrer jüngsten Sparsamkeit Bares im Überfluss und ausreichend Amerikaner einen Job hätten - dann wurde er nur wenig später eines Besseren belehrt. Zwar ist die Arbeitslosenquote mit 5,9 % zur Zeit deutlich niedriger als nach der letzten Rezession als 7,5 % der Bevölkerung ohne Job waren. Doch ist es nicht nur die Arbeitslosigkeit, die Verbraucher sparsam macht, es ist bereits die Angst vor der Arbeitslosigkeit. Und die wurde ja eben wieder angeheizt, als die Arbeitsmarktforscher von Challenger, Gray & Christmas einen Anstieg der Entlassungen um fast 50 % bekannt gaben.

Was allein den Arbeitsmarkt angeht wird man am Freitag klarer sehen. Dann wird in Washington der umfangreiche Bericht des Arbeitsministeriums vorgelegt, und bereits für den sehen Experten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 6 %.

Und alle Experten, die das im Moment anders sehen, adressiert Arbeitsmarkt-Experte John Challenger in seinem Fazit zur Studie: "Viele Ökonomen glauben, dass sich die Wirtschaft bereits erholt und diese Erholung auch noch fundamental ist. Die Zahlen vom Arbeitsmarkt belegen jedoch, dass zumindest die Unternehmen das völlig anders sehen."

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