INSIDE WALL STREET
Wall Street wartet auf Signale der Uno

Die Zeit läuft. In 20 Stunden erwartet die Wall Street einen Fingerzeig, aus dem man nur allzu gerne eine Richtung für den künftigen Handel an den US-Börsen ablesen würde. Wer soll ihn geben? Nicht Intel, denn da spricht man schon am Donnerstagabend und wird den Markt nicht wirklich beeinflussen. Nicht das Arbeitsministerium, denn der Bericht von Freitagmorgen ist fast schon abgehakt. - Nein, die Uno hat das Wort.

Wenn am Freitagmorgen der Sicherheitsrat zusammentritt, um erneut über die Irakkrise zu debattieren, dann erhofft man sich an den US- und wohl auch an den Weltbörsen klare Worte in bezug auf das Vorgehen in den nächsten Wochen und Monaten. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man erneut enttäuscht wird, und dass die Länder an ihren längst bekannten Positionen festhalten. Doch auch das könnte aufschlussreich sein.

Denn nicht nur der Konflikt der Welt mit dem Irak belastet die Börsen, auch der Konflikt der USA mit den einstigen Verbündeten und Partnern. Wenn sich die Vereinten Nationen weiter gegen einen militärischen Einsatz am Golf aussprechen - was zu erwarten ist -, und wenn die Allianz der Deutschen, Russen und Franzosen an ihrem Nein zum Krieg festhält, dann dürften die Börsen allein darunter leiden, dass sich Amerikaner und Briten stur stellen und weiter die Weltorganisation schwächen.

Nach genau diesem Szenario sieht es aber aus. Erst am Donnerstagmorgen haben die Briten erneut einen Plan vorgelegt, nachdem ein Irakkrieg ganz ohne weitere Absprachen im Sicherheitsrat geführt werden solle, wenn das Land nicht "binnen einer Woche komplett abgerüstet" haben sollte.

Die Position der USA ist indes unverändert hart. Die Troika Bush, Powell, Rumsfeld ist zum Einsatz entschlossen, hat die Zahl der Soldaten im Golf erst zu Beginn dieser Woche auf 250 000 erhöht. Rosarote Kriegsszenarien von schnellen Flächenbombardements und einem frühen Sieg ohne eigene Verluste werden von den Medien gefeiert. Umfragen zeigen mittlerweile, dass 67 % der Amerikaner den Krieg unterstützen - so ist das am Donnerstag bei AOL zu lesen. Der Wahrheitsgehalt solcher Umfragen ist zweifelhaft, die Medien fahren seit Wochen eine Linie, die fern jeder Objektivität den Kurs der Regierung stützt.

Während die Medien den Durchschnittsamerikaner - den viel zitierten John Doe - indes für den Krieg vereinnahmen können, so gelingt ihnen das an der Börse nicht. In einen Krieg hinein investiert der Anleger ebenso wenig wie in eine weitere Uno-interne Auseinandersetzung und eine globale Instabilität, wie man sie seit dem Kalten Krieg nicht gesehen hat.

Längst herrscht an der Wall Street die Meinung vor, dass ein Krieg der Börse eher schadet denn nutzt. Und so hofft man am Markt auf nur einen Ausgang der Uno-Sitzung, der für etwas freundlichere Stimmung im düsteren Umfeld sorgen könnte: Dass die Allianz gegen den Krieg hält, und dass sich USA und Großbritannien zumindest auf weitere Diskussionen einlassen und den Inspektoren mehr Zeit geben.

Selbst dann dürfte es zum Wochenschluss allerdings keine Kursgewinne mehr geben, denn trotz aller kurzfristigen Erleichterung wäre die Unsicherheit nicht vom Parkett gewischt. Ein zu erwartender schwacher Arbeitsmarktbericht dürfte indes ein Übriges tun, die Kurse am Freitag noch einmal abrutschen zu lassen. Die aktuelle Woche droht zur bisher schwächsten des Jahres zu werden.

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