INSIDE WALL STREETDie Börsenkolumne aus New York
Weihnachts-Shopping in New York: Hinschauen kostet nichts

Der Countdown läuft. Neun Tage vor Weihnachten werden Kinderaugen immer größer, wenn Mama und Papa vom Shopping kommen. Was steckt da in den Tüten, was liegt unter dem Weihnachtsbaum? Ein paar Videospiele, sicher, aber viele Kinder dürften in diesem Jahr lange Gesichter machen.

NEW YORK. Denn obwohl am vorletzten Wochenende vor dem Fest auf den New Yorker Straßen kein Durchkommen war, und obwohl in den Spielzeugburgen von FAO Schwarz und Toys R Us die Schlangen an der Kasse bis zu einer Stunde lang waren, gibt es nicht nur Puppen, Teddies und Computer. Vor allem viel Praktisches dürfte eingepackt und aufgerissen werden, an dem Kinderträume wohl weniger hängen als vielmehr der Sparzwang, den sich die Eltern angesichts einer schwachen Konjunktur auferlegt haben.

Ein Blick in die Register der großen Einzelhändler belegt das am Montagmorgen erneut. Der Branchenriese Wal-Mart berichtet nach wie vor von einem schleppenden Geschäft und von Ergebnissen am unteren Ende der Erwartungen, die auf ein Umsatzwachstum von ohnehin nur noch 3 bis 5 % gegenüber dem Vorjahresmonat lauten. Zwar habe man am Wochenende mehr Kunden gezählt als noch vor einer Woche, doch kauften diese vor allem Bettzeug, Haushaltsartikel, Heimwerkerbedarf und ähnliches.

Eine Spiderman-Decke für den Bub, eine Küchenmaschine für Mutter, eine neue Bohrmaschine für Vater... - solche Geschenke machen sicher auch Freude, haben aber vor allem einen nützlichen Hintergrund. Die sprechende Actionfigur von Spiderman hält nachts keinen warm, edler Schmuck, neue Tennisschuhe und der Fernseher mit Flachbildschirm sind schön aber nicht notwendig. Derlei Anschaffungen verschieben John und Jane Doe auf das nächste Jahr.

Wenn das Ehepaar Normalverbraucher dennoch in einen der Läden mit verzichtbarer Ware zieht, dann liegt das wohl an den riesigen Schildern im Fenster, die das Zeug zurzeit um bis zu 60 % reduziert anbieten. So gesehen vor allem bei den Elektronikhändlern, bei Best Buy oder Circuit City. Die haben größte Probleme CD-Player, DVD-Wechsler und Handhelds an den Mann zu bringen, sie machen ihren Umsatz mit Küchengeräten und Föns. Entsprechend interessant dürfte ein Ausblick sein, den die beiden Unternehmen am Dienstag im Rahmen ihrer Quartalskonferenz hoffentlich geben.

Ein Sektor hingegen scheint sich nach wie vor um konjunkturelle Sorgen nicht zu scheren: Der Luxusbereich. Den wirklich Reichen fehlt es auch nicht, wenn der Dampfer USA ins Schlingern gerät - man hat ja sein eigenes Rettungsboot. Bei Tiffanys wird deshalb in Höhe der mutigen Erwartungen verkauft, und auch in den Läden von Hugo Boss, Armani XChange oder bei anderen Händlern entlang der noblen Fifth Avenue kennt man Worte wie "Sale" oder "Sonderangebot" nicht.

Der Durchschnitts-Ami und der Tourist, der sich trotz magerem Geldbeutel den Traum vom Christmas-Shopping im Big Apple erfüllt hat, läuft an diesen Häusern natürlich vorbei. Irgendwo nahe der Fünfzigsten Straße, wo die Läden am teuersten sind, staut sich der Verkehr trotzdem. Hunderttausende haben allerdings nicht etwa ein Schnäppchen entdeckt, sondern den riesigen Weihnachtsbaum am Rockefeller Center. Der glitzert und strahlt wie zu Boom-Zeiten. Da bleibt man gerne stehen. Hinschauen kostet nichts.

Wall Street Correspondents, Inc.

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