Inside Wallstreet
Kolumne: Süßer die Kassen, sie klingeln - im US-Einzelhandel

15 Dollar kostet das TV-Gerät bei Macy's. Zumindest für Kunden, die mindestens 50 Dollar für Kosmetik in dem renommierten New Yorker Kaufhaus ausgeben. Im Supermarkt um die Ecke gab es einen kostenlosen Truthahn zum Einkauf obendrauf. Und der Vogel reicht erst mal für die nächste Woche. Mit Dumping-Preisen und Lockangeboten werden die Amerikaner zum Konsum verführt. Und zumindest auf den ersten Blick geht die Rechnung auf.

NEW YORK. 12,6 Mrd. $ haben die US-Bürger allein am Freitag und Samstag in den Shopping-Malls gelassen. Das sind 11 % mehr als im Vorjahr. Der größte Einzelhändler der Welt, Wal-Mart, verdiente am Black Friday 1,43 Mrd. $ - neuer Firmenrekord. Black Friday, der Tag nach Thanksgiving, markiert den Beginn der schwarzen Zahlen. Einige kleinere Ketten erzielen bis zu 80 % ihres Jahresumsatzes im jetzt gestarteten Weihnachtsgeschäft. Bei all den "frohen Zusatz-Gaben" fragt man sich natürlich, was passiert mit den Gewinnmargen. Zumindest zum Wochenbeginn freut sich die Wall Street über die Bescherung und Unternehmen wie Wal-Mart oder Federated Department Stores, das Mutterhaus der Ketten Macy's und Bloomingdale's, legen zu.

Unter dem Strich wollen die Trader auf dem Parkett aber noch nicht an den Weihnachtsmann glauben. Und damit sind sie auch gut beraten. Am Vormittag wurden Daten aus dem verarbeitenden Gewerbe veröffentlicht, die unter den Erwartungen lagen. Der Einkaufsmanagerinder blieb sogar unter 50. Und ein Index unter 50 bedeutet ein nachlassendes Geschäftsumfeld. Das Gröbste scheint noch nicht überstanden.

18 % zog der Dow-Schlitten in den vergangenen zwei Monaten davon. Das war die schnellste Zweimonatsrally seit 1975. Da erscheint es nur verständlich, dass die Kufen des Börsenschlitten erst mal wieder neu gewetzt werden müssen. Unternehmens- und Konjunkturnachrichten müssen stimmen, um die jüngste Rally zu rechtfertigen und die Wall Street wieder in Fahrt zu bringen. Dazu besteht am Dienstag in Form der Verkaufszahlen der US-Autoindustrie die Möglichkeit. Am Freitag folgt der Arbeitsmarktbericht. Bisher gehen die Marktexperten davon aus, dass die Arbeitslosenquote im November leicht um 0,1 auf 5,8 % gestiegen ist. Zudem gehen die Analysten davon aus, dass 30 000 neue Stellen im vergangenen Monat geschaffen wurden. Ein angespannter Arbeitsmarkt könnte den Einzelhändlern noch das Geschäft vermiesen. Denn ohne Job oder mit weniger Gehalt werden sich auch die hartgesottenen US-Konsumenten überlegen, ob sie wirklich einen weiteren Fernsehapparat brauchen.

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