Insider-Verfahren
Millionenbuße für Schmidheiny

Der Schweizer Zement-Industrielle Thomas Schmidheiny ist in Spanien im Insider-Verfahren um Aktien des Zinkproduzenten Asturiana mit einer Geldbuße von 1,5 Millionen Euro belegt worden.

Reuters JONA. Schmidheiny, der mit den Anklagebehörden kooperiert hatte und die Geldstrafe im Rahmen eines Vergleichs akzeptierte, war wegen des Verfahrens als Verwaltungsratspräsident des von ihm mit Mehrheit kontrollierten Baustoffkonzerns Holcim in den Ausstand getreten.

Im Dezember 2000 kaufte Schmidheiny für rund 3,3 Millionen Euro Aktien der spanischen Asturiana de Zinc. Er tat dies in Kenntnis eines bevorstehenden Übernahmeangebots durch den Rohstoffkonzern Xstrata, in dessen Verwaltungsrat er damals saß. Den aufgelaufenen Gewinn, der nach Angaben vom Donnerstag in etwa der Geldstrafe entsprach, realisierte der Industrielle allerdings nicht. Er übertrug das Aktienpaket später zum Einstandspreis auf Xstrata. Das kam ihm nun zugute: Die spanischen Behörden werteten den Verzicht auf die Realisierung des Buchgewinns sowie Schmidheinys Kooperation als Milderungsgrund.

Noch unklar blieb zunächst, ob Schmidheiny nach dem Abschluss des Falles wieder das Holcim-Verwaltungsratspräsidium übernehmen wird, das er im Juni 2002 an Vizepräsident Willy Kissling übergeben hatte. Holcim ist der zweitgrößte Zementkonzern der Welt. Ein Holcim-Sprecher erklärte, der Verwaltungsrat werde nun so schnell wie möglich einberufen, um von Schmidheiny informiert zu werden. Mit einem Entscheid sei in den kommenden Tagen zu rechnen, so der Sprecher.

Denkbar ist, dass Schmidheiny das Präsidium wieder übernimmt. Er könnte aber auch als einfaches Mitglied im Verwaltungsrat bleiben oder ganz ausscheiden.

Torsten Wyss, Analyst bei der Bank Bär erklärte, die Bewertung des Holcim-Konzerns an der Börse hängen nur wenig davon ab, welche Funktion Schmidheiny im Konzern habe. Konsequenzen für die Aktie seien am ehesten zu erwarten, falls Schmidheiny ganz aus dem Verwaltungsrat austrete. Denn dann könnten Spekulationen aufkommen, dass der Industrielle seinen Anteil an Holcim abbauen könnte. Der Holcim-Sprecher betonte jedoch, Schmidheiny habe keine solchen Pläne und wolle an seinem industriellen Engagement bei Holcim festhalten.

Schmidheiny, der einer der bekanntesten Schweizer Industriellenfamilien entstammt, steht auch als ehemaliger Verwaltungsrat des zusammengebrochenen Luftfahrtkonzerns Swissair im Schussfeld der Kritik. Dort haben Aktionäre mit Schadenersatzklagen gegen die Verwaltungsräte gedroht.

Der Konzern ist auch anderen Fällen in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt. Gegen Holcim, die frühere Holderbank, und andere Zementkonzerns wie HeidelbergCement, Dyckerhoff und Lafarge läuft in Deutschland ein Kartellverfahren.

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