Insolvente Kabelfirma
Callahan laufen weitere Großabnehmer weg

Mehr Gegenwind für den angeschlagenen TV-Kabelnetzbetreiber Ish: Die Stuttgarter Robert Bosch GmbH und die Essener Kabelfirma Marienfeld Multimedia haben gemeinsam ein Unternehmen gegründet, dass in Nordrhein-Westfalen massiv in den Ausbau der eigenen Kabelnetze investieren will.

HB DÜSSELDORF. Damit bekommt Ish, eine Tochter der insolventen Callahan NRW GmbH, neue Konkurrenz. Gleichzeitig gehen dem Unternehmen zwei Großabnehmer verloren, die im Ish-Geschäftsplan fest einkalkuliert sind.

Die neue Firma, Bosch Breitbandnetze GmbH, versorgt in Nordrhein-Westfalen 200 000 Haushalte mit Kabelfernsehen - in erster Linie auf den letzten Metern Kabel zwischen Grundstücksgrenze und dem Wohnzimmer des Endkunden (Netzebene 4). Bis zum Grundstück werden die Fernsehsignale in der Regel durch das Ish-Netz geleitet (Netzebene 3). Bosch Breitbandnetze will diesen Teil der Infrastruktur verstärkt selbst bauen.

Damit wird das Unternehmen von Ish unabhängig. Es kann auch andere kleinere Kabelfirmen und Wohnungsbaugesellschaften, denen die Netzebene 4 gehört, als Kunden anwerben. In einigen Regionen Nordrhein-Westfalens will Bosch Breitbandnetze einen Marktanteil von bis zu 20 % erreichen und strebt dafür ein Wachstum von 50 % an, heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens.

Die neue Gemeinschaftsfirma will ihren Kunden neue Dienste anbieten - zum Beispiel einen schnellen Internet-Zugang, Video on Demand und eine größere Auswahl an Fernsehprogrammen. "Das ist wirtschaftlich zu machen, denn die Nachfrage ist in dem Bereich da", sagt Geschäftsführer Jürgen Dill. Das bestätigt auch eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Heitzig Consult: Danach wollen Kabelkunden in erster Linie viele Programme in guter Qualität und schnelles Internet.

Ish bietet zudem noch Telefonie an. Doch für seine neuen Dienste konnte das Unternehmen viel weniger Kunden begeistern als geplant. Ish hatte die Mehrheit am nordrhein-westfälischen Kabel von der Deutschen Telekom übernommen und 2001 begonnen, es mit Milliardeninvestitionen aufzurüsten. Die Callahan-Tochter hat das Netz in einigen Städten bereits flächendeckend modernisiert - ohne zu berücksichtigen, ob in der jeweiligen Stadt genug Kunden die neuen Dienste nachfragen. Das will Bosch anders angehen: Die Infrastruktur soll nur dort gebaut werden, wo es sich rentiert, verlautet aus Unternehmenskreisen.

Die Robert Bosch GmbH versorgt deutschlandweit 1,3 Millionen Haushalte mit Kabelfernsehen. Das Unternehmen will auch in anderen Bundesländern von den Netzebene-3-Betreibern - in der Regel ist das bisher die Telekom - unabhängig werden. Damit wird die Kundenbasis der Telekom brüchig - keine guten Aussichten für potenzielle Kabel-Investoren, die ein Interesse am Kauf der Kabelnetze der Telekom haben könnten.

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