Insolvente Yimpas-Kette setzt nur noch auf Lebensmittel
Türkische Händler werden zu Filialisten

Türkische Einzelhändler setzen auf Expansion: Während sie sich einst mit Eckläden zufrieden gaben, eröffnen findige Geschäftsleute heute kleine Supermarktketten. Ihr Potenzial ist riesig.

DÜSSELDORF. Der kleine Gemüsehändler an der Ecke bekommt Konkurrenz: Immer mehr türkische Einzelhändler expandieren in Deutschland und bauen regionale Supermarktketten auf. "Wir beobachten eine Tendenz zur Professionalisierung", sagt Yunus Ulusoy vom Zentrum für Türkei-Studien (ZfT). Die Läden der Einzelhändler werden größer und moderner, die Vermarktung der Produkte sei professioneller und die Warenpräsentation zeitgemäßer. Während die Ladengröße früher bei 100 qm lag, werden heute Supermärkte mit bis zu 600 qm eröffnet. Viele der regionalen Ketten sind in Nordrhein-Westfalen, Berlin oder Hessen angesiedelt.

Die Kundschaft beschränkt sich heute nicht mehr allein auf türkische Käufer, immer mehr Deutsche gehören zur Klientel. Geschäftstüchtige Händler haben ihr Angebot erweitert und bieten längst auch Fleisch, Konserven oder Fertiggerichte an.

Die Ymta GmbH hatte noch einen Schritt weiter gehen wollen: Neben Lebensmitteln verkauft das Unternehmen unter dem Namen Yimpas in sechs riesigen Kaufhäusern auch traditionelle Bekleidung und Möbel. Das Konzept ging nicht auf: Anfang des Monats meldete das Unternehmen Insolvenz an. Das Lebensmittelgeschäft, mit 75 % der größte Umsatzbringer, soll nun von einem der Hauptlieferanten, Aytac, in kleineren Märkten weitergeführt werden, sagte Yimpas-Insolvenzverwalter Karl-Heinrich Lorenz dem Handelsblatt. Der Verkauf von Möbeln und Textilien, die zwei Drittel der Fläche einnehmen, soll eingestellt werden. 2001 hat Ymta 65 Mill. Euro umgesetzt und dabei einen Verlust von 11,8 Mill. Euro eingefahren.

Das Potenzial des türkischen Einzelhandels ist dennoch groß: Allein die türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland wächst bis 2010 um knapp 25 % auf 3,1 Millionen Menschen, hat eine Studie von KPMG und dem ZfT ergeben. Abdullah Kurt will die Zahl seiner Geschäfte in den nächsten Jahren verdoppeln. Derzeit hat der Geschäftsmann fünf "Tuhral"-Märkte, in denen er neben türkischer auch deutsche, russische oder arabische Ware verkauft. "Wir hatten bereits mehrfach Anfragen von anderen Händlern, die ein Geschäft unter unserer Marke eröffnen wollten", sagt Kurt. Seine Familie, die im Unternehmen mitarbeitet, denke über das Angebot nach. Lieber sei Kurt jedoch ein Wachstum aus eigener Kraft, damit er die Kontrolle über die Geschäfte behalte. Im Schnitt liegt der Umsatz eines seiner Geschäfte jährlich bei 1,3 Mill. Euro.

Nach Einschätzung von Experten werde es noch eine Weile dauern, bis die regionalen Filialbetriebe auch bundesweit tätig werden. "Dann müssten die Unternehmen mit Supermarkt-Riesen wie Metro oder Tengelmann konkurrieren", sagt Ulusoy vom ZfT. Diesem Wettbewerb wolle sich so schnell kein Unternehmer aussetzen.

Zudem seien bestimmte türkische Produkte auch heute schon in deutschen Märkten erhältlich. Die Konzentration auf der Zulieferseite ist nämlich schon weiter vorangeschritten als im Handel: Wurst von Egetürk aus Köln oder Konserven von Baktat findet man im ganzen Bundesgebiet.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%