Insolvenz der Kirch Media sorgt für Unsicherheit bei EM.TV und Constantin Film
Rätselraten um Kirch-Geschäft mit Haffa

Der Zusammenbruch der Kirch Media bringt EM.TV in Bedrängnis. Angesichts der engen Geschäftsbeziehungen wird sich die Sanierung von EM.TV verzögern. Zudem sorgt eine Option von Ex-EM.TV-Chef Thomas Haffa gegen Kirch für Aufsehen. Die Hintergründe sind unklar.

cbu MÜNCHEN. Aufregung um die überraschend aufgetauchte 90 Mill.-Euro-Option von Thomas Haffa an die Kirch-Gruppe. Kirch-Media-Sanierer Wolfgang van Betteray hatte Anfang der Woche aufgedeckt, dass Haffa seine restlichen EM.TV-Anteile für 90 Mill. Euro an Kirch verkaufen kann. Über die Hintergründe wird seither spekuliert. Juristen befassen sich bereits mit dem Fall. In Münchener Medienkreisen wird jetzt gerätselt, warum Kirch sich auf das für ihn scheinbar ungünstige Geschäft einließ.

Der amtierende EM.TV-Chef und Haffa-Nachfolger Werner Klatten berichtet, die Option sei zeitgleich mit seinem Einstieg bei EM.TV vereinbart worden. Im vergangenen Sommer kam er mit Haffa überein, 25,1 % der EM.TV-Anteile zu übernehmen - für geschätzt 100 Mill. Euro. Haffa wollte aber alle Aktien (42 % an EM.TV) veräußern. Klatten nahm jedoch nur die Sperrminorität. Daraufhin verhandelte Haffa mit Kirch die Verkaufsoption. Damals lag die EM.TV-Aktie bei 1,80 Euro, Haffa vereinbarte einen Verkaufspreis von 3,60 Euro bis 2003.

Isoliert betrachtet macht dies für Kirch aber wenig Sinn. Beobachter in München spekulieren deshalb, dass es ein Gegengeschäft geben könnte. Haffa und Kirch waren enge Partner. Durch den Kauf der Formel-1-Anteile sicherte Kirch 2001 das Überleben des einstigen Stars am Neuen Markt.

Angesichts der immer noch engen Beziehungen zwischen beiden Firmen trifft die Kirch-Insolvenz EM.TV. Die Insolvenz der Kirch Media sei nicht existenzgefährdend für EM.TV, sagte Klatten. Betroffen ist vor allem die Formel-1-Beteiligung. Klatten ist noch mit 16,7 % am Rennsportzirkus beteiligt und wollte das Paket eigentlich gegen andere Beteiligungen tauschen. Doch jetzt droht die Beteiligung völlig wertlos zu werden, auf EM.TV kommen möglicherweise Sonderabschreibungen von 256 Mill. Euro zu. Denn der EM.TV-Anteil ist für die Kirch-Kredite bei den Banken verpfändet.

Zudem betreibt EM.TV mit Kirch das 50:50-Joint Venture Junior TV, eine Rechtebibliothek für Kinder- und Jugendprogramme. EM.TV kann laut Vertrag die Anteile jetzt zwar übernehmen, doch der Preis ist unklar. Zudem wird ein großer Teil des Geschäftes mit den Kirch-TV-Sendern und Premiere gemacht.

EM.TV und Kirch sind auch gemeinsam an der Constantin Film AG beteiligt. Die Anteile sind mit denen von Constantin-Gründer Bernd Eichinger gepoolt. Die Verträge sehen vor, dass EM.TV und Eichinger die Kirch-Media-Anteile mit der Kirch-Insolvenz zufallen. Der Preis ist allerdings genauso offen wie die Finanzierung.

Einen Lichtblick sieht Klatten dagegen für seine 45 %-Beteiligung an der Tele-München-Gruppe (TMG) von Herbert Kloiber. TMG könne im Rechtehandel von der Kirch-Insolvenz profitieren, meint er. Damit würde auch die Beteiligung, die zum Verkauf steht, werthaltiger. Zudem soll die Jim Henson-Gruppe ("Sesamstraße") verkauft werden, um frisches Geld in die Kasse zu bekommen. Es stehen unter anderem Bankrückzahlungen für die Junior-Übernahme sowie Zahlungen an die Fifa für die Merchandising-Rechte an der WM 2006 an. "Wenn es eng wird, kann ich Henson sofort verkaufen", meinte Klatten. Für den Fifa-Vertrag, der letzte Woche geschlossen wurde, stehe EM.TV in Verhandlungen mit Banken zur weiteren Finanzierung.

Quelle: Handelsblatt

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