Insolvenz des US-Partners im Herbst wahrscheinlich
United setzt Lufthansa unter Druck

Das führende Airline-Bündnis "Star Alliance" um die Deutsche Lufthansa steht angesichts der drohenden Insolvenz des US-Partners United Airlines vor seiner bisher größten Bewährungsprobe. Die UAL Corp, Muttergesellschaft der zweitgrößten US-Fluglinie, hat für den Herbst mit dem Konkurs gedroht.

hz/tor NEW YORK/FRANKFURT. Die Liquiditätskrise bei United hat sich nach Angaben des Unternehmens dramatisch zugespitzt. Zum Jahresende müsse die Gesellschaft einen Schuldendienst von 875 Mill. $ leisten - angesichts der US-Luftfahrtkrise ein kaum zu realisierender Betrag.

Die Insolvenz der zweitgrößten Airline der USA könnte die Architektur der "Star Alliance" erschüttern und einen Rückschlag für Lufthansa bedeuten. United bildet zusammen mit den Deutschen und Singapore Airlines die tragende Säule der Flugallianz. Ein Insolvenzverfahren erhöht nach Ansicht von Analysten den Druck auf die krisengeschüttelte US-Airline: Möglicherweise muss sie kürzer treten und weitere Strecken aufgeben. Kunden könnten zudem aus Unsicherheit auf Flüge mit der "Star Alliance" verzichten. Das wären schlechte Nachrichten für Lufthansa-Chef Jürgen Weber: Etwa ein Siebtel des Lufthansa-Umsatzes von rund 15 Mrd. Euro macht die Airline auf der Nordatlantikroute - und auf diesen Strecken sind die Amerikaner wichtigster Partner. Die Lufthansa-Aktie verlor am Donnerstag bei einem insgesamt positiven Markt leicht.

Die weltweite Allianz ist für Weber ein wichtiger Trumpf im internationalen Wettbewerb. Die Allianz spült Lufthansa nach eigenen Angaben jährlich etwa 250 Mill. Euro in die Kassen, weil sich die Gesellschaften gegenseitig Fluggäste zuschieben. Außerdem sind die Airlines über Vielfliegerprogramme und gemeinsame Flugnummern miteinander verzahnt. Doch die Sorgen über die Mitglieder der "Star Alliance" nehmen zu: Im März war bereits der australische Allianz-Partner Ansett Bankrott gegangen.

Experten weisen darauf hin, dass der finanzielle Einfluss eines United-Insolvenzantrages auf Lufthansa begrenzt wäre. Die erst vor wenigen Wochen nach oben geschraubte Gewinnerwartung der deutschen Airline sei nicht gefährdet, glaubt Luftfahrtanalyst Uwe Weinreich. In diesem Jahr würde sich ein Insolvenzantrag der Amerikaner im Ergebnis nicht bemerkbar machen. Nur bei einer Stilllegung von United würde das Ergebnis der Lufthansa mit bis zu 100 Mill. Euro belastet, schätzt Mario Kristl von der Helaba. Dieser Schritt sei aber nicht zu erwarten.

Der Lufthansa drohen nach einem United-Konkurs neue Lücken im Streckennetz. Auf den zentralen Verbindungen in die USA fliegt Lufthansa zwar mit eigenen Maschinen. Nach Lufthansa-Angaben übernimmt United aber einen großen Teil der deutschen Passagiere und fliegt sie zu ihren Zielen in kleineren und mittelgroßen US-Städten. Die Lufthansa selbst erwartet keine Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen beiden Airlines, sagte ein Sprecher. Die gemeinsamen Kunden würden nicht betroffen sein. United würde wie US Airways im Rahmen des Insolvenzverfahrens den Flugbetrieb weiter führen, betonte Nils Machemehl von M.M. Warburg. US Airways, die siebtgrößte Gesellschaften in den Vereinigten Staaten, hatte am vergangenen Montag Insolvenz angemeldet. Sollte auch United Konkursantrag stellen, ist die Airline zunächst vor den Forderungen ihrer Gläubiger geschützt.

Viele Experten halten die Konkursdrohung für ein Druckmittel und einen Bankrott für unwahrscheinlich. Die Hauptlast möglicher Sparmaßnahmen sollen nach dem Willen von UAL deren Mitarbeiter tragen. Doch einem Lohnverzicht stimmten bisher nur die Piloten zu. Die Gespräche mit dem Kabinen- und Bodenpersonal sowie den Verwaltungsangestellten brachten dagegen bisher keinen Erfolg. Die Gewerkschaften haben bei United eine starke Stellung: Seit Mitte der 90er-Jahre gehören 55 % des Unternehmens den Mitarbeitern.

Quelle: Handelsblatt

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