Insolvenz frühestens kommende Woche
Grundig zwischen Hoffen und Bangen

Der von der Pleite bedrohte fränkische Unterhaltungselektronik-Anbieter Grundig wird frühestens kommende Woche Insolvenz anmelden. Finanzvorstand Günter Moissl äußerte im Reuters-Interview zugleich vorsichtigen Optimismus, dass sich der Gang zum Insolvenzrichter womöglich noch vermeiden lässt.

Reuters MÜNCHEN. "Wir melden diese Woche keine Insolvenz an", sagte Moissl am Freitag. Es sei aber nach wie vor nicht ausgeschlossen, dass dieser Schritt in der kommenden Woche erfolgen werde. Der Vorstand mit dem neu berufenen Sprecher und Insolvenzexperten Eberhard Braun habe die Woche über Gespräche mit Banken und Lieferanten geführt. "Die laufen vernünftig." Der Betrieb bei Grundig geht derzeit nach den Worten von Aufsichtsratsmitglied Detlef Thiede weiter. Er zeigte sich zugleich skeptisch, was die Chancen auf eine finanzielle Unterstützung durch den Freistaat anbelangt. Das Bayerische Wirtschaftsministerium wollte sich diesbezüglich am Freitag nicht äußern.

Am Montag hatten die Banken Finanzkreisen zufolge Grundig nach mehrfacher Verlängerung von Kreditlinien den Geldhahn zugedreht. Der Konzern sucht seit Jahren einen finanzkräftigen Partner, der die Fortführung des 1945 gegründeten Unternehmens sichern könnte. Zahlreiche Ankündigungen hierzu verstrichen ergebnislos, ein mit dem taiwanischen Elektronikkonzern Sampo unterzeichneter Kaufvertrag platzte im März. Grundig beschäftigt aktuell rund 3500 Mitarbeiter - zu Spitzenzeiten Ende der 70er Jahre waren es einmal 38 000 gewesen. Aufsichtsrats-Mitglied Thomas Schwarz hatte am Dienstag gesagt, er gehe davon aus, eine Insolvenz sei nicht mehr abzuwenden.

Es gebe eine gewisse Wahrscheinlichkeit, das Geschäft über "eine vernünftige Zeit" fortzuführen, sagte Moissl. Die Gesprächspartner zeigten durchaus Bereitschaft, dem neuen Management sowohl in finanzieller als auch in zeitlicher Hinsicht Optionen einzuräumen. Sollte es gelingen, eine Pleite zu vermeiden oder hinauszuzögern, sei es weiter Ziel, einen Investor zu finden. Man werde nochmals mit den abgesprungen Interessenten - Sampo und dem türkischen TV-Geräte-Hersteller Beko - sprechen. Zudem gebe es weitere Anfragen.

In Aufsichtsratskreisen wurden die offenbar vorliegenden neuen Kaufofferten skeptisch bewertet. "Angeblich liegen die Schreibtische voll von Anfragen, aber ob das seriös ist, muss man erst einmal sehen", hieß es. Als Hindernisse für den Einstieg eines Investors gelten neben massiven Verlusten auch hohe Pensionsverpflichtungen und die Wiener TV-Produktion, die Medienberichten zufolge nur zur Hälfte ausgelastet ist.

Aufsichtsratsmitglied Thiede zeigte sich im Gespräch mit Reuters zurückhaltend, was die Aussichten auf finanzielle Unterstützung seitens des Freistaats anbelangt. "Geld haben die auch keines übrig", sagte er. Die Situation im Unternehmen beschrieb er als ruhig aber angespannt: "Jeder macht sich Gedanken und jeder rechnet mit dem Schlimmsten."

Das Bayerische Wirtschaftsministerium lehnte am Freitag eine Stellungnahme auf die Frage ab, ob finanzielle staatliche Hilfen für Grundig grundsätzlich möglich seien. Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) war bereits mehrfach an Rettungsaktionen beteiligt gewesen. Erst Ende 2002 hatte die EU eine Bürgschaft des Landes für Grundig in Höhe von 45 Mill. ? gebilligt. Eine erneute Bürgschaft dieser Art verstoße aber gegen EU-Recht, sagte ein Ministeriumssprecher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%