Insolvenz kaum zu vermeiden
Kommentar: Neuer Start für Mobilcom

Für Mobilcom wird es sehr schwierig, eine Insolvenz zu vermeiden. Denn es scheint wenig wahrscheinlich, dass sich die France Télécom noch zu einer Begleichung der UMTS-Schulden des Büdelsdorfer Telekommunikations-Unternehmens aufraffen wird. Warum sollten die hoch verschuldeten Franzosen auch neue Risiken bei Mobilcom eingehen, nachdem sie die bisher investierten vier Milliarden Euro abschreiben mussten?

BÜDELSDORF. Bittere Tatsache ist, dass sich France Télécom eine Weiterführung der UMTS-Pläne von Mobilcom angesichts ihrer eigenen Schulden und hoher Verluste gar nicht mehr leisten kann. Das zuletzt verfolgte Szenario, die Mehrheit an Mobilcom zu übernehmen und die Tochter dann mit einem anderen der kleinen UMTS-Netzbetreiber - E-Plus, O2 oder Quam - zu fusionieren, hat sich als undurchführbar erwiesen: Keines der drei Unternehmen zeigt Interesse an Mobilcom. Der eine Grund sind die hohen Schulden, der andere ist die Tatsache, dass Mobilcom im Übernahmefall automatisch ohne Kunden dastünde: Sie würden an T-Mobile, Vodafone und E-Plus fallen. Und ohne Kunden hat Mobilcom aus Käufersicht keinen Wert.

UMTS-Lizenz de facto wertlos

De facto wertlos ist heute bereits Mobilcoms UMTS-Lizenz, die das Unternehmen für 8,4 Milliarden Euro ersteigerte: France-Télécom-Chef Michel Bon will erklärtermaßen Mobilcom nicht länger zum eigenständigen UMTS-Netzbetreiber ausbauen. Damit liegt die Lizenz brach, denn verkaufen darf Mobilcom sie nicht. Eine rückwirkende Änderung dieser Lizenzregel schließen Bundesregierung und Regulierer wegen des Prozessrisikos kategorisch aus - ungeachtet des Branchengeraunes über Frequenzhandel. Mit hoher Wahrscheinlichkeit fällt also Mobilcoms UMTS-Lizenz spätestens im Dezember 2003, wenn das Netz ein Viertel der Bevölkerung abdecken müsste, an die Regulierungsbehörde zurück.

Die einzige Chance für Mobilcom, die UMTS-Lizenz zu halten, wäre eine Insolvenz. Eine entschuldete Mobilcom mit UMTS-Lizenz könnte dann ein bisher nicht in Deutschland tätiges Unternehmen kaufen und ein Netz aufbauen - theoretisch. Angesichts der weltweiten Branchenkrise glaubt an ein derartiges Szenario niemand. Mobilcom ist also das erste Unternehmen in Deutschland, dessen UMTS-Pläne gescheitert sind. Damit bleiben in Deutschland fünf UMTS-Netzbetreiber übrig.

Nur eine Chance

Mobilcom und seinen Mitarbeitern bleibt jetzt also nur eine Chance: so schnell wie möglich zum Kerngeschäft zurückzukehren und als Mobilfunk-Serviceprovider neu durchzustarten. Die UMTS-Schulden ließen sich dabei am schnellsten durch eine Insolvenz loswerden. Diese Lösung kann allerdings den Banken nicht gefallen: Sie haben dann 4,7 Mrd. Euro unwiderruflich in den Sand gesetzt.

Und natürlich kann es auch France Télécom nicht egal sein, einen Konflikt mit allen wichtigen Banken Europas zu beginnen. Wer wie viel von Mobilcoms Schulden übernehmen muss, wird sich also danach entscheiden, welches Problem für France Télécom drängender ist: das Geldproblem oder das Banken-Beziehungsproblem. Einiges spricht dafür, dass auch in diesem Konflikt die Tiefe der Freundschaft beim Geld ihre Grenze findet.

Quelle: Handelsblatt

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
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