Insolvenz steht unmittelbar bevor – TV-Werk vor dem Aus: Konkurrenz will Grundig ausschlachten

Insolvenz steht unmittelbar bevor – TV-Werk vor dem Aus
Konkurrenz will Grundig ausschlachten

Die Insolvenz von Grundig ist nach Angaben aus Firmenkreisen nicht mehr abzuwenden. Schon gibt es erste Interessenten, die sich die Marke günstig aus der Insolvenzmasse sichern wollen. Auch Sampo soll dazu gehören. Wettbewerber hoffen, durch das Ende von Grundig ihre Marktanteile ausbauen zu können.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Die Grundig AG wird in den nächsten Tagen einen Insolvenzantrag stellen. Gestern gab es bereits erste Gespräche mit dem zuständigen Gericht in Nürnberg, hieß es in Unternehmenskreisen. Der Unterhaltungsgeräte-Hersteller strebt eine Insolvenz in Eigenregie an. Die Weichen dafür hat der Aufsichtsrat am Montag gestellt, als das Gremium den Insolvenzexperten Eberhard Braun als neuen Vorstandschef verpflichtete.

Das hoch verschuldete Traditionsunternehmen steht mit dem Rücken zur Wand, weil es längst fällige Kreditlinien nicht zurückzahlen kann. Die aktuelle Krise hatte sich zugespitzt, als der türkische Konzern Beko am Montag eine Beteiligung an Grundig ausschlug. Die Türken galten als letzte Hoffnung, um Grundig in der derzeitigen Form zu erhalten. Die Franken suchen seit mehr als einem Jahr nach einem finanzstarken Investor. Ein Grundig-Sprecher wollte sich gestern zur Lage des Unternehmens nicht äußern. Staatshilfen stünden nicht zur Diskussion, verlautete im bayerischen Wirtschaftsministerium.

Sollte Grundig wie geplant Insolvenz anmelden, erwarten Beobachter zahlreiche Interessenten, die die Marke günstig übernehmen wollen. Der Taiwaner Konzern Sampo habe sich bereits gemeldet, hieß es in Nürnberg. Im Januar hatte sich Grundig mit Sampo auf eine Übernahme geeinigt. Die Asiaten zogen sich im März aber überraschend zurück. Jetzt hoffen die Taiwaner offenbar, wesentlich billiger einsteigen zu können.

Mit der Insolvenz steht nach Angaben von Firmenkennern fest, dass das nicht ausgelastete TV-Werk in Wien geschlossen wird. Die Fabrik war in den Verhandlungen mit den Investoren eines der größten Hindernisse. Beko und Sampo haben eigene Fertigungen und hatten deshalb kein Interesse an der Produktionsstätte.

Grundig ist nach Philips die Nummer zwei auf dem deutschen Fernsehgeräte-Markt. Lange waren die Nürnberger auf Rang Eins, hatten zuletzt aber Marktanteile verloren. Analysten gehen davon aus, dass die Wettbewerber vom Ende von des Unternehmens profitieren werden. Oppenheim-Analystin Anne Gronski erwartet, dass vor allem Loewe den Umsatz steigern kann: "Beide Firmen haben das gleiche Image und die gleiche Vertriebsstrategie. Deshalb sollte Loewe von Grundig Marktanteile übernehmen." Zunächst erwartet die Analystin aber einen negativen Einfluss, weil nach der Insolvenz Grundig-Geräte billig auf den Markt geworfen werden könnten. Erst ab dem dritten Quartal könnte sich die Pleite für Loewe auszahlen. Ein Loewe-Sprecher wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

"Sollte Grundig als Marke wegfallen", so ein Sprecher von Philips Consumer Electronic, "dürfte sich der typische Grundig-Kunde auf andere ,A-Marken? konzentrieren." Dazu zählt er Unternehmen wie Philips, Sony oder Loewe. Was genau passieren werde, hänge letztlich aber davon ab, ob jemand die Marke Grundig weiterführe oder nicht. Viel Zeit bleibe nicht, die Verunsicherung im Handel und bei Käufern nehme schon zu.

Auch die kleineren Marktteilnehmer stehen Gewehr bei Fuß: "Völlig unabhängig von der Entwicklung bei Grundig wird JVC versuchen, den Marktanteil deutlich auszubauen, betont etwa der Sprecher von JVC Deutschland. Aktuell liege der Marktanteil im TV-Markt bei rund 2,6 %, er soll aber im laufenden Jahr aber auf über 5 % verdoppelt werden. JVC will dafür mit neuen Technologien und Geräten in allen Preisklassen den Markt angehen. "Das ist wichtig, um als Partner im Fachhandel zu wachsen." Gerade der Fachhandel war bislang die Domäne von Grundig.

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