Insolvenz wäre kein Desaster
Noch ist Mobilcom nicht verloren

Für Mobilcom gibt es zwei Rettungsszenarien: Man einigt sich mit France Télécom auf Schuldenerlass, oder Mobilcom meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an. In jedem Fall verschwinden Jobs.

HB BERLIN. Trotz der 400 Mill. Euro Kreditzusage der Bundesregierung ist das Überleben von Mobilcom keinesfalls sicher. Klar ist nur: Ohne eine Einigung mit France Télécom über die Schulden wird Mobilcom um die Insolvenz nicht herum kommen. Die Bundeshilfen verschaffen dem Büdelsdorfer Unternehmen und seinen 5000 Beschäftigten lediglich Zeit für neue Verhandlungen mit den Franzosen.

Bei Mobilcom werden in dieser Woche zunächst 50 Mill. Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ankommen. Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium haben sich gestern nach einigem Gezerre darauf verständigt, dass der Bund seiner Bank KfW für diese erste Tranche Sicherheitsgarantien gibt und diese in Brüssel als Rettungsbeihilfe anmeldet. Die Auszahlung der weiteren Millionen hängt davon ab, ob die KfW und die schleswig-holsteinische Landesbank mit Mobilcom "bankübliche Konditionen" aushandeln können.

Schlechte Chancen

Die Chancen dafür sind schlecht: Mobilcom ist bei etwa 2 Mrd. Euro Jahresumsatz mit 6 Mrd. Euro verschuldet. Das Kerngeschäft, Mobilfunkverträge für T-Mobile, Vodafone und E-Plus zu vermarkten, steckt seit einem Jahr operativ in tiefroten Zahlen. Branchenexperten schätzen, dass Mobilcom zur Zeit monatlich fast 100 Mill. Euro verbrennt. Allerdings halten Experten das Kerngeschäft für sanierbar.

Analysten kritisieren, dass Mobilcom bis zum Rauswurf seines Gründers Gerhard Schmid anders als die Branche keinerlei Sparmaßnahmen eingeleitet hat - wegen des steten Geldflusses aus Frankreich. Wenn Mobilcom dies nun im Zeitraffer nachholt, sind bis zu 50 % der Arbeitsplätze in Gefahr - jedenfalls wenn man Kunden- und Beschäftigtenzahlen mit denen der Wettbewerber Debitel, Hutchison und Talkline vergleicht.

Profitables Festnetz

Ein Verkauf des Festnetzgeschäfts steht jedoch eher nicht an: Diese Sparte ist profitabel. Sie soll mit der Internet-Tochter Freenet verschmolzen werden.

In schwarze Zahlen kann aber auch eine geschrumpfte Mobilcom nur kommen, wenn sie von ihren Schulden befreit wird. Die 6 Mrd. Euro will France Télécom zwar von Banken und Lieferanten gegen später zu zahlende eigene Aktien abkaufen. Für Mobilcom ändert das aber nichts: Der Schuldendienst geht an France Télécom über. Die große Hoffnung Mobilcoms ist ein Schuldenerlass. Immerhin hat France Télécom den Betrag bereits abgeschrieben. Von Schuldenerlass war allerdings in Frankreich bisher nicht die Rede.

Zwar sind Mobilcom und Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) der Auffassung, dass sich France Télécom eindeutig und bedingungslos verpflichtet hat, die UMTS-Lizenz für 8,4 Mrd. Euro plus den Netzaufbau bis zu 10 Mrd. Euro zu bezahlen. France Télécom meint jedoch, dass Schmid den Vertrag gebrochen habe und FT nichts zahlen müsse. Selbst wenn Mobilcom Recht hat: Dies vor Gerichten durchzusetzen, kann Jahre dauern. So lange reicht die Bundeshilfe nicht einmal im unwahrscheinlichen Fall, dass die Banken die 400 Mill. Euro komplett auszahlen.

Finanzierungszusagen beziehen sich aufs UMTS-Projekt

Schwierig wird es auch, während weiterer Verhandlungen mit den Franzosen Mobilcom zu sanieren: Die Finanzierungszusagen beziehen sich auf das UMTS-Projekt. Sobald es eingestellt ist, enden - auch nach Auffassung der Mobilcom-Manager - alle Finanzierungsansprüche an France Télécom. Nur deshalb hält Mobilcom derzeit noch so vehement an dem Projekt fest.

Wie also kann sich Mobilcom aus dem UMTS-Desaster und vom Schuldenberg befreien? Es bleiben realistisch nur zwei Möglichkeiten: Aufsichtsrat Dieter Vogel erreicht einen Schuldenerlass bei France Télécom. Die Unternehmen einigen sich auf einen Aufhebungsvertrag. Angesichts der Wut der Franzosen auf Mobilcom wird Vogel dafür sehr viel diplomatisches Geschick brauchen.

Die Alternative wäre eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Ein Desaster wäre das nicht: Mobilcom stünde unter Gläubigerschutz, die Schulden könnten das Unternehmen nicht mehr erschlagen. Mobilcom könnte sich geordnet aus dem UMTS-Geschäft zurück ziehen und die Lizenz Ende 2003 an den Regulierer zurückfallen lassen. Ein Partner jedenfalls, der sich an Mobilcom beteiligt und weiter in UMTS investiert, ist nirgendwo in Sicht.

Quelle: Handelsblatt

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
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